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Warum es diesen Winter so viele Lawinen und Felsstürze in den Alpen gibt

In den französischen Alpen wurden in den vergangenen Wochen auffallend viele Lawinen, Erdrutsche und Felsstürze gemeldet. Straßen wurden gesperrt, Dörfer vorübergehend isoliert und mehrere tödliche Unfälle registriert. Experten zufolge handelt es sich nicht um eine plötzliche Explosion der Risiken, sondern vielmehr um eine Verschiebung des Zeitpunkts, an dem diese Risiken auftreten.

Im Überblick:

  • In den letzten Wochen viele Lawinen und Felsstürze in den (französischen) Alpen
  • Dörfer vorübergehend isoliert und Straßen blockiert
  • Keine deutliche Zunahme des Risikos, aber eine frühere Verschiebung in der Saison
  • Mildere Winter sorgen in bestimmten Zeiträumen für instabileren Schnee

Lawine schneidet Dorf in Isère von der Außenwelt ab

Eine Lawine auf der RD526 blockierte kürzlich den Zugang zum Weiler Le Rivier d’Allemond (Isère). Bewohner und Urlauber saßen vorübergehend fest und mussten teilweise per Hubschrauber evakuiert werden. Dies war kein Einzelfall. Auch an anderen Stellen in den Alpen gingen Lawinen nieder, was zu Todesopfern führte. Zudem musste in Frankreich die wichtige D1091 (zwischen Grenoble und Briançon über den Col du Lautaret) nach einem Felssturz gesperrt werden.

Was ist diesen Winter anders?

Laut Serge Taboulot, Vorsitzender des Institut des Risques Majeurs, ist die Situation in Bezug auf die Anzahl der Lawinen nicht außergewöhnlich. Was auffällt, ist der Zeitpunkt. In kurzer Zeit fielen in größeren Höhen ein bis zwei Meter Schnee, kombiniert mit sehr nassem Niederschlag unterhalb von etwa 1.500 Metern. Da der Untergrund nicht über längere Zeit gefrieren konnte, fehlte eine stabile, harte Basisschicht in der Schneedecke. Normalerweise sorgt winterliche Kälte für ein Gefrieren, das die Hänge stabilisiert. In dieser Saison blieb diese langandauernde Frostperiode weitgehend aus. Dadurch konnten nasse, schwere Lawinen entstehen, teilweise mit unvorhersehbarem Verlauf.

„Risikosaison verändert sich“

Laut Taboulot müssen wir uns an eine Verschiebung der Risikosaison in den Bergen gewöhnen. Das Frühjahr kündigt sich immer früher an, mit milderer Luft und schnellerem Tauwetter. Dadurch treten Phänomene, die früher vor allem im März oder April vorkamen, nun schon mitten im Winter auf.

Wichtig zu betonen: Es gibt keine Beweise dafür, dass das gesamte Lawinenrisiko stark zunimmt. Das Risiko ist Experten zufolge global stabil, möglicherweise sogar leicht rückläufig. Lediglich der Zeitpunkt, an dem bestimmte Lawinentypen auftreten, verschiebt sich.

Wintersportler merken es vor allem bei mildem Wetter

Für Wintersportler liegt der Unterschied vor allem in der Kombination aus viel Schnee und schneller Erwärmung. Wenn die Temperaturen steigen und die Sonne kräftiger wird, verändert sich die Schneedecke schneller als in klassischen kalten Wintern.

Das zeigt sich in:

  • nassen, schweren Lawinen, die in tieferen Lagen entstehen
  • instabilen Hängen kurz nach heftigem Schneefall
  • erhöhter Gefahr von Felsstürzen bei Tauwetter
  • vorübergehenden Straßensperrungen in Bergtälern

Auf der Piste bleibt Skifahren sicher, solange das Skigebiet geöffnet ist und aktiv gesichert wird. Abseits der Pisten ist es diesen Winter besonders gefährlich, und es ist fraglich, ob sich das noch ändern wird.

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