In den Alpen herrscht derzeit außergewöhnliches Winterwetter mit großen Mengen Neuschnee, stürmischem Wind und einer instabilen Schneedecke, was die Lawinengefahr stark erhöht. In weiten Teilen der französischen, schweizerischen, italienischen und auch österreichischen Alpen gilt aktuell ein erhöhtes bis hohes Lawinenrisiko, in einigen Gebieten sogar die höchsten Warnstufen der Saison. Das hat direkte Auswirkungen für Wintersportler – auf und abseits der Piste. In diesem Artikel liest du, was das für dich bedeutet.
Im Überblick:
- In Teilen Frankreichs, der Schweiz, Österreichs und Norditaliens gilt derzeit nach enormen Schneefällen und Sturm Lawinengefahrenstufe 3 bis 4 (lokal zeitweise 5).
- Auf geöffneten und präparierten Pisten ist Skifahren im Prinzip sicher, dank aktiver Lawinenkontrolle und präventiver Sprengungen.
- Vom Off-Piste-Skifahren wird dringend abgeraten, selbst mit Lawinenausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde).
- In solchen Situationen können Lawinen spontan entstehen und sogar Straßen oder Dörfer erreichen.
- Folge immer den lokalen Warnungen, respektiere Sperrungen und bleibe innerhalb der markierten Zonen.
Wie ist die aktuelle Situation?
Frankreich
In den französischen Nordalpen – unter anderem in den Departements Savoie, Haute-Savoie und Isère – geben die lokalen Wetterdienste Lawinenwarnungen der Stufe 4 von 5 heraus, was für ein großes Risiko steht. Zeitweise und in Teilen der Berge wurde die Gefahr sogar auf die maximale Stufe 5 hochgestuft, was sehr selten und außergewöhnlich ist. Unter diesen Umständen können sich Lawinen von selbst lösen und sogar Täler erreichen. Dies ist nicht nur gefährlich für Wintersportler, sondern auch für Straßen, Lifte und Infrastruktur.
Schweiz
Auch in den Schweizer Alpen meldet das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), dass die Schneedecke sehr instabil ist, mit frisch gefallenem Schnee und Triebschneeansammlungen, die auf schwachen Schichten ruhen. Dadurch bleiben Lawinen leicht auslösbar – vor allem außerhalb der präparierten Pisten. Vielerorts gilt hier aktuell Lawinengefahrenstufe 4.
Italien
In Teilen Norditaliens, wie dem Aostatal und den Gebieten rund um den Mont Blanc, warnen Rettungsdienste ebenfalls vor großer Lawinengefahr nach mehreren Schneestürmen und früheren Vorfällen, bei denen es bereits Verletzte und Tote gab. Auch hier gilt meist Stufe 4 von 5.
Österreich
In Österreich variieren die Risiken je nach Region, aber auch dort sorgen Schneefall und Wind für unruhige Schneeschichten, die die Gefahr vergrößern, besonders außerhalb der gesicherten Zonen. Unter anderem in den Regionen Arlberg, Allgäuer Alpen, Lechtaler Alpen, Mieminger Gebirge, Karwendel, Verwallgruppe und Silvretta gilt momentan Stufe 4.
Bin ich auf der Piste in Gefahr?
Auf den präparierten und geöffneten Pisten der Skigebiete besteht im Prinzip ein geringes Lawinenrisiko. Skigebiete arbeiten mit Lawinenexperten zusammen, die Routen und Pisten täglich kontrollieren. Sie nutzen präventive Techniken wie kontrollierte Lawinensprengungen, um große Ansammlungen zu lösen, bevor Skifahrer den Hang befahren. Also: Solange du innerhalb der markierten und offenen Pisten bleibst, ist die Chance auf direkte Lawinengefahr gering. Lifte und Abfahrten können jedoch vorübergehend geschlossen werden, wenn die Bedingungen zu riskant sind.
Worauf muss ich besonders achten?
Lawinen entstehen vor allem, wenn:
- Schneeschichten untereinander schwach verbunden sind und zusätzliches Gewicht erhalten (durch Neuschnee oder Triebschnee),
- starker Wind herrscht, der Schnee in sogenannten Triebschneeplatten anhäuft,
- und Temperaturwechsel auftreten, die Strukturunterschiede in der Schneedecke verursachen.
Bei diesen Bedingungen sind gerade Hänge mit Neigungen zwischen circa 30° und 45° am empfindlichsten; dies sind steilere Off-Piste- und Freeride-Zonen. Skifahren abseits der Pisten an solchen Stellen erhöht das Risiko dramatisch und ist derzeit wirklich keine gute Idee.
Wie wird meine Sicherheit gewährleistet?
Skigebiete verfügen über mehrere Ebenen von Sicherheitsmaßnahmen:
- Tägliche Lawinenbulletins und Wettervorhersagen.
- Patrouillen und Lawinenexperten, die Gefahrenstellen einschätzen.
- Präventive Lawinensprengungen, um lockeren Schnee vor der Öffnung kontrolliert abgehen zu lassen.
- Schließung von Liften oder Pisten, wenn es zu risikoreich wird.
Was sollte ich absolut nicht tun?
- Gehe bei einer hohen Lawinengefahr, wie sie jetzt herrscht, nicht abseits der Pisten. Auch nicht direkt neben der Piste oder unter dem Lift – das kann genauso gefährlich sein.
- Ignoriere keine Warnschilder oder Sperrungen von Liften und Pisten.
- Doch abseits der Piste unterwegs? Dann geh immer mit einem Guide. Aber sei dir bewusst, dass dies niemals ohne Risiko ist. Mehr noch: Jüngste Tragödien zeigen, dass selbst Gruppen, die von einem Lehrer begleitet wurden, in eine Lawine gerissen werden konnten – mit tödlichem Ausgang.
Wie außergewöhnlich ist diese Situation?
Lawinengefahr der Stufe 5 kommt nur selten vor und deutet auf extreme Bedingungen durch große Mengen Neuschnee und instabile Schneestrukturen hin. Solche Situationen entstehen meist nur nach intensivem Schneefall in Kombination mit Sturm und Wind und können sogar Straßen, Infrastruktur und tiefer gelegene Hänge beeinflussen. Die aktuelle Saison hat bereits zu Dutzenden Opfern durch Lawinen in den Alpen geführt, darunter jüngste tödliche Unfälle.
Kurz gesagt: Auf der Piste in geöffneten Skigebieten ist das Risiko dank umfassender Sicherheitsmaßnahmen beherrschbar. Aber außerhalb der markierten Zonen, besonders bei Stufe 4 und 5, nimmt das Risiko lebensbedrohlicher Lawinen stark zu. Halte dich strikt an lokale Warnungen, folge den Anweisungen der Skigebiete und begib dich bei erhöhtem Risiko nicht außerhalb der gesicherten Bereiche.
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