Bis zu 20 % weniger Schnee pro Jahrzehnt: Neue Studie zeigt dramatischen Trend

Im Moment ist eine große Menge Schnee auf dem Weg in die Alpen. Doch die durchschnittlichen Schneehöhen nehmen seit Jahrzehnten ab. In tiefer gelegenen Gebieten ist die Schneedecke in den letzten sechzig Jahren sogar um zehn bis zwanzig Prozent pro Jahrzehnt geschrumpft. Dies geht aus einer neuen, umfassenden Studie des Schweizer WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hervor.

Im Überblick

  • Ein neues Modell (SPASS) des SLF zeigt erstmals die Schneetrends für die ganze Schweiz und bestätigt einen deutlichen Rückgang durch den Klimawandel.
  • In den Bergen ist der absolute Verlust am größten, mit bis zu acht Zentimetern weniger Schnee pro Jahrzehnt in einigen Höhenlagen (seit 1962).
  • Im Flachland (Mittelland) ist der relative Verlust am höchsten, mit einem prozentualen Rückgang von zehn bis zu zwanzig Prozent pro Jahrzehnt.

Mithilfe eines neuen Modells namens „SPASS“ (SPatial Snow climatology for Switzerland) haben die Forscher erstmals die Schneetrends für die gesamte Schweiz und auf verschiedenen Höhenniveaus detailliert erfasst.

„Es ist das erste Mal, dass wir Trends flächig und für verschiedene Höhenstufen zeigen können“, sagt Christoph Marty, Klimatologe am SLF. „Wir sehen hier ganz klar die Folgen des Klimawandels.“

Die Studie, eine Zusammenarbeit zwischen dem SLF und MeteoSchweiz, analysierte den Zeitraum von 1962 bis 2023. Die Ergebnisse zeigen ein klares, aber komplexes Bild. Unten siehst du den zeitlichen Verlauf der Schneehöhe über das hydrologische Jahr für die beiden Perioden 1962 bis 1990 (blau) und 1991 bis 2020 (rot). Die Linien zeigen den Durchschnitt für die jeweilige Periode, die Flächen zeigen die Minima und Maxima. Deutlich zu erkennen ist die inzwischen deutlich niedrigere, durchschnittliche Schneehöhe ab Januar.

Relativer versus absoluter Verlust

Obwohl die Berge die meisten Zentimeter Schnee verloren haben, sind die tiefer gelegenen Gebiete prozentual am stärksten betroffen.

Absoluter Verlust (in Zentimetern)

In den Bergen, wo naturgemäß der meiste Schnee liegt, ist der Verlust in Zentimetern am größten. In einigen Höhenlagen ist die durchschnittliche Schneehöhe (gemessen von November bis April) um bis zu acht Zentimeter pro Jahrzehnt zurückgegangen. Unten siehst du die absolute Veränderung der durchschnittlichen Schneehöhe von November bis April zwischen 1962 und 2023 in Zentimetern pro Jahrzehnt: In den hohen Bergregionen ist der Verlust (das Minus) deutlich größer als im ohnehin schneearmen Mittelland (zentrales Flachland). Gelände über 3000 m über dem Meeresspiegel ist dunkelgrau markiert. In gestreiften Gebieten ist die Veränderung statistisch nicht signifikant.

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Relativer Verlust (in Prozent)

Im tiefer gelegenen Schweizer Mittelland ist das Bild prozentual am dramatischsten. „Prozentual gesehen, hat das Mittelland am meisten verloren“, erklärt Marty. Der Rückgang beträgt dort oft zwischen zehn und zwanzig Prozent pro Jahrzehnt. Zum Vergleich: Auf 2000 Metern Höhe beträgt der Rückgang circa vier Prozent pro Jahrzehnt.

Sieh dir unten die relative Veränderung der durchschnittlichen Schneehöhe von November bis April zwischen 1962 und 2023 in Prozent pro Jahrzehnt an. Gelände über 3000 m über dem Meeresspiegel ist dunkelgrau markiert. In gestreiften Gebieten ist die Veränderung statistisch nicht signifikant.

Dass der relative Verlust in den Tieflagen so hoch ist, überrascht Marty nicht: „Dort liegt ohnehin nur sehr wenig Schnee, es kann also nicht mehrere Zentimeter zurückgehen.“ Selbst ein kleiner absoluter Rückgang hat dort also einen großen prozentualen Effekt.

SPASS: Modell für die Zukunft

Für das SPASS-Modell wurde das Land in ein Raster von einem Quadratkilometer und in Höhenzonen von 500 Metern unterteilt. Um die Ergebnisse zu validieren, verwendete das Team Messdaten von 350 Stationen.

Die neuen Daten sind entscheidend für die Forschung, aber auch für die Wirtschaft, wie den Tourismus und die Seilbahnbetreiber. Das SLF plant, die Daten langfristig auch in öffentliche Apps wie White-Risk zu integrieren, um Wintersportler besser zu informieren.

Die Abbildungen in diesem Beitrag stammen von Christoph Marty / SLF. Mehr über die Studie kannst du auf der Website des SLF lesen.

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