Schneekanonen stehen schon seit Jahren unter der Lupe. Wie viel Wasser kostet die technische Beschneiung, wie viel Strom ist dafür nötig und wie hoch ist eigentlich der CO₂-Ausstoß? Eine neue Studie von Forschern der Universität Innsbruck und der Hochschule München liefert nun konkrete Zahlen für Österreich.
Im Überblick:
- Österreichische Skigebiete verbrauchen schätzungsweise 51 Millionen m³ Wasser pro Saison für technischen Schnee
- Der Stromverbrauch liegt bei etwa 280 GWh pro Winter
- Pro Skitag beläuft sich der Ausstoß auf etwa 130 Gramm CO₂
- Forscher nennen die Anreise ins Skigebiet einen viel größeren Klimafaktor
Erstmals Zahlen aus den Skigebieten selbst
Die Studie ist bemerkenswert, da die Forscher nicht nur mit Modellen arbeiteten, sondern Daten direkt bei den Skigebieten sammelten. Insgesamt lieferten 30 österreichische Skigebiete brauchbare Daten. Zusammen repräsentieren sie 17,8 Millionen Skitage, was etwa einem Drittel des österreichischen Skitourismus entspricht.
Laut den Forschern fehlte bisher weltweit eine breite Analyse auf Basis echter Zahlen aus Skigebieten zu Wasserverbrauch, Energieverbrauch und Emissionen der technischen Beschneiung.
1000 Liter Wasser pro Skitag
Aus den Berechnungen geht hervor, dass Schneekanonen in Österreich pro Saison etwa 51 Millionen m³ Wasser benötigen. Umgerechnet sind das circa 1000 Liter pro Skitag und etwa 2900 m³ pro Hektar Piste.
Wichtiges Detail: Laut der Studie wird dieses Wasser lokal entnommen, nicht verbraucht oder verschmutzt. In Österreich sind Zusätze im Schneewasser gesetzlich verboten. Nach dem Schmelzen kehrt das Wasser in den natürlichen Kreislauf zurück.
Stromverbrauch niedriger als oft gedacht
Der jährliche Stromverbrauch für technischen Schnee wird auf etwa 280 GWh geschätzt. Das entspricht etwa 5,5 kWh pro Skitag. Laut den Forschern liegt dies deutlich unter früheren Schätzungen, bei denen für Österreich oft von 355 bis 950 GWh ausgegangen wurde.
Ein auffälliger Vergleich: Der Strom, der benötigt wird, um technischen Schnee für einen Skitag zu produzieren, entspricht etwa 25 km Fahrt mit einem durchschnittlichen Elektroauto.
CO₂-Ausstoß vor allem vom Strommix abhängig
Der Ausstoß hängt stark vom verwendeten Strom ab. Bei einem größtenteils auf Wasserkraft basierenden Strommix kommen die Forscher auf etwa 130 Gramm CO₂ pro Skitag.
Das ist vergleichbar mit weniger als 1 km Fahrt mit einem Benzin- oder Dieselauto. Damit kommen die Forscher zu dem Schluss, dass der CO₂-Ausstoß von Schneekanonen viel geringer ist als die Emissionen, die durch die Reise der Wintersportler zum und vom Skigebiet entstehen.
Technischer Schnee bleibt notwendig
Das bedeutet nicht, dass technischer Schnee keine Auswirkungen hat. Der Wasserverbrauch ist beträchtlich und die Schneeproduktion erfordert Infrastruktur, Energie und Eingriffe in die Landschaft. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass einige Annahmen in der Debatte möglicherweise zu hoch gegriffen waren, vor allem in Bezug auf Stromverbrauch und Emissionen.
Für österreichische Skigebiete sind Schneekanonen mittlerweile fast unverzichtbar geworden. Durch wärmere Winter, eine steigende Schneegrenze und kürzere Kälteperioden hat sich technischer Schnee laut den Forschern zur wichtigsten Anpassung des Skitourismus an den Klimawandel entwickelt.
Neue Basis für die Debatte
Die Studie gibt vor allem mehr Halt in einer Diskussion, die oft heftig und emotional geführt wird. Nicht jede Sorge verschwindet damit, aber die Debatte erhält konkretere Zahlen. Das wichtigste Fazit: Technischer Schnee benötigt viel Wasser und Energie, aber der direkte CO₂-Ausstoß pro Skitag erweist sich in Österreich als relativ niedrig, erst recht im Vergleich zur Reise in den Skiurlaub. Hier liest du die gesamte Studie.
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