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Vierte Hitzewelle jagt Nullgradgrenze Richtung 5000 Meter: nur noch drei Gletscher offen

Die Alpen bekommen es ab Mitte dieser Woche erneut mit extremer Hitze zu tun. In den Tälern können die Temperaturen auf weit über 35 °C steigen, während die Nullgradgrenze in den Westalpen Richtung 5000 Meter klettert. Für die ohnehin schon anfälligen Gletscher bedeutet das erneut Tage mit intensiver Schmelze. Nur noch drei Gebiete bieten derzeit Sommerski an.

Kurz zusammengefasst

  • Ab Mitte dieser Woche wird die vierte Hitzewelle dieses Sommers erwartet.
  • In Teilen des Alpenraums kann das Quecksilber bis in die hohen 30 Grad steigen.
  • Die Nullgradgrenze steigt in den Westalpen möglicherweise auf fast 5000 Meter.
  • Nur Cervinia/Zermatt, Saas-Fee und das Stilfser Joch bieten noch Sommerski an.

Neue Hitzewelle ab Mitte der Woche

Nach einer etwas kühleren Phase am Wochenende steigen die Temperaturen in den Alpen ab Mittwoch erneut schnell an. Vor allem in den Westalpen wird eine sehr warme Luftmasse erwartet. In den tiefer gelegenen Tälern können die Höchsttemperaturen örtlich bis in die hohen 30 Grad steigen.

Laut Wetterspezialisten kann die Nullgradgrenze dabei Richtung 5000 Meter gehen. Das bedeutet, dass die Temperatur in der freien Atmosphäre selbst in der Höhe der höchsten Alpengipfel zeitweise über den Gefrierpunkt steigen kann. Die kommende Hitze folgt auf drei vorangegangene, fast aufeinanderfolgende Hitzewellen in Europa. Der Juni 2026 war der wärmste Junimonat, der jemals in Westeuropa gemessen wurde.

Was bedeutet eine Nullgradgrenze von fast 5000 Metern?

Die Nullgradgrenze, auch Nullgradniveau genannt, ist die Höhe, in der in der freien Atmosphäre eine Temperatur von 0 °C gemessen wird. Unter dieser Grenze ist die Luft in der Regel wärmer, darüber kälter. Die Schneefallgrenze liegt bei Niederschlag oft tiefer und ist daher nicht genau dasselbe.

Wenn die Nullgradgrenze auf fast 5000 Meter steigt, ist fast der gesamte Alpenraum positiven Temperaturen ausgesetzt. Auch auf den höchsten Gletschern fehlt dann nachts der übliche Frost, der die Schneeschicht wieder hart und fest macht.

Die Pisten werden dadurch schneller weich und nass. Später am Vormittag entstehen Rinnen, Schmelzwasser und ein unregelmäßiger Untergrund. Gletscherspalten werden größer und Schneebrücken, die sie abdecken, können instabil werden.

Nur noch drei Gletschergebiete offen

Momentan kann in den Alpen noch an drei Orten Ski und Snowboard gefahren werden: im grenzüberschreitenden Gletschergebiet von Cervinia und Zermatt, in Saas-Fee und am Stilfser Joch in Italien. Auch dort sind die Bedingungen schlechter als normalerweise Ende Juli. Es ist nicht sicher, ob alle Gebiete, die normalerweise länger offen haben, ihre Sommersaison tatsächlich wie geplant beenden können.

Cervinia und Zermatt

Bei Cervinia und Zermatt ist das Sommergebiet noch offen, aber der Skitag wurde aufgrund der hohen Temperaturen bereits verkürzt. Die Pisten schließen derzeit um 12:00 Uhr statt um 13:00 Uhr. Die letzte Möglichkeit für Skifahrer, nach oben zu fahren, ist um 10:00 Uhr. Durch die frühe Öffnung versuchen die Gletscherskigebiete, die kühlsten Stunden des Tages zu nutzen. Sobald die Sonne höher steht, verschlechtert sich die Schneequalität rapide.

Saas-Fee

Auch Saas-Fee bietet noch Sommerski auf dem Mittelallalin an. Bis einschließlich 30. August sind die Lifte für Skifahrer laut Planung täglich zwischen 07:00 und 12:00 Uhr geöffnet. Die Saison soll danach mit immer späteren Öffnungszeiten bis zum 31. Oktober weitergehen. Ob dieses vollständige Programm machbar bleibt, hängt stark von den Temperaturen und dem Zustand des Gletschers im August und September ab.

Passo Stelvio

Am Stilfser Joch wird derzeit von 07:30 bis 12:00 Uhr Ski gefahren. Für Trainingsgruppen kann unter bestimmten Bedingungen bereits ab 05:00 Uhr gestartet werden. Der Sommerskibetrieb ist vorerst bis Ende Juli geplant, wodurch die reguläre Saison hier ohnehin fast endet.

Hintertux und Tignes bereits früher geschlossen

Der Hintertuxer Gletscher beendete den Sommerskibetrieb eine Woche vor dem ursprünglichen Schließungsdatum am 26. Juli. Die Hitze und die schlechter werdenden Schneebedingungen machten ein Weitermachen unverantwortlich. Im offiziellen Liftstatus steht mittlerweile, dass kein Skibetrieb stattfindet. Der Neustart wird erst Ende September erwartet.

Anfang dieses Monats stellte auch Tignes den Sommerskibetrieb auf dem Grande-Motte-Gletscher vorzeitig ein. Damit verschwanden innerhalb kurzer Zeit zwei bekannte Möglichkeiten für Sommerskifahrer aus dem Angebot.

Hitze macht auch Bergsteigen gefährlicher

Die Folgen beschränken sich nicht nur auf die Skipisten. Durch die lang anhaltende Wärme schmelzen Schnee und Eis schnell, und auch der Untergrund im Hochgebirge heizt sich immer weiter auf. Bergführer in Zermatt rieten bereits Anfang des Monats dazu, Besteigungen des Matterhorns wegen eines erhöhten Steinschlagrisikos zu verschieben. Auf der italienischen Seite des Mont Blanc stellten Bergführer aus Courmayeur die Begleitung von Kunden über die klassische Route über den Miage-Gletscher ein. Der Gletscher weist viele offene Spalten auf, und das Finden einer sicheren Route ist schwieriger geworden.

Das Schweizer Forschungsinstitut SLF bestätigt, dass das Auftauen von Permafrost steile Felswände schwächen kann. Schmelzendes Eis verliert seine stabilisierende Wirkung, während Wasser in Spalten die Reibung verringern und den Druck erhöhen kann. Damit steigt die Gefahr von Steinschlag und größeren Felsstürzen.

Vorübergehende Abkühlung hilft kaum

Auf den höchsten Gletschern kann die kühlere Luft von gestern und heute lokal ein wenig Neuschnee gebracht haben. Das bringt höchstens eine vorübergehende Verbesserung. Die neue Hitze trifft auf einen Sommer, in dem die Gletscher bereits mehrere lang anhaltende Schmelzperioden überstanden haben.

Für Sommerskifahrer bedeutet dies, dass sich Öffnungszeiten und Pistenangebot von Tag zu Tag ändern können. Ein früher Start wird immer wichtiger, während Skigebiete Lifte und Pisten sofort schließen können, sobald der Untergrund nicht mehr sicher ist.

Die aktuelle Vorhersage macht vor allem deutlich, wie anfällig der Sommerskibetrieb inzwischen geworden ist. Selbst über 3000 Meter ist ein Großteil des verbleibenden Schnees nicht gegen mehrere Hitzewellen und Nächte ohne Frost gewappnet.

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