Die normale Aufstiegsroute zum Mont Blanc von der italienischen Seite aus wird von den Bergführern aus Courmayeur vorerst nicht mehr angeboten. Aufgrund der anhaltenden Hitze hat sich der Zustand des Gletschers stark verschlechtert, es sind viele Spalten entstanden und die Gefahr von Steinschlag nimmt zu. Ein offizielles Verbot gibt es zwar nicht, aber die Bergführer halten es nicht länger für verantwortbar, Kunden über diese Route zum Gipfel zu begleiten.
Kurz zusammengefasst
- Die Bergführer von Courmayeur bieten die normale italienische Route zum Mont Blanc vorerst nicht mehr an.
- Der Gletscher ist durch die Wärme stark zerklüftet und schwer begehbar geworden.
- Schmelzendes Eis und tauender Permafrost erhöhen das Risiko von Steinschlag und Einstürzen.
- Es gibt kein offizielles Verbot der Behörden.
- Auch am Matterhorn wird vorübergehend davon abgeraten, über den Hörnligrat aufzusteigen.
Gletscher durch Wärme schnell verschlechtert
Die Bedingungen auf der italienischen Normalroute zum Mont Blanc haben sich in kurzer Zeit stark verschlechtert. Laut Alex Campedelli, dem Vorsitzenden der Bergführervereinigung von Courmayeur, hatte vor allem die Hitze im Juni große Auswirkungen auf den Gletscher.
„Die Bedingungen haben sich durch die Hitze schnell verschlechtert. Der Gletscher ist voller Spalten und es ist schwierig, eine gute Route zu finden“, erklärte Campedelli gegenüber der Presseagentur AFP. Die Bergführer entschieden daher letzte Woche, die Besteigung nicht länger für Kunden anzubieten. Es handelt sich um eine eigene Sicherheitsentscheidung der Société des Guides de Courmayeur und nicht um eine von den italienischen Behörden angeordnete Sperrung.
Kein vollständiges Verbot für die Besteigung des Mont Blanc
Die italienische Seite des Mont Blanc ist nicht vollständig gesperrt. Laut den Bergführern gibt es noch alternative Routen, die unter den aktuellen Bedingungen begehbar sind. Erfahrene Alpinisten können die Normalroute formal ebenfalls noch nutzen, da kein offizielles Zugangsverbot besteht. Die Entscheidung der Bergführer ist jedoch ein klares Signal, dass die Risiken auf der üblichen Strecke stark zugenommen haben.
Die Route führt über einen Gletscher, der durch die hohen Temperaturen immer instabiler wird. Wo Eis normalerweise Steine und Teile der Bergwand an ihrem Platz hält, nimmt diese Stabilität ab, sobald Schnee, Eis und Permafrost tauen.
Größere Gefahr von Steinschlag und Einstürzen
In den vergangenen Wochen wurden in den Alpen außergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen. Dadurch schmelzen die Gletscher schneller und auch der Boden in großen Höhen erwärmt sich immer weiter. Laut Pierre Mathey, dem Generalsekretär des Schweizer Bergführerverbandes, führt die Kombination aus schmelzendem Schnee, schwindendem Eis und tauendem Permafrost zu größeren Felsstürzen und Steinlawinen. Er ruft Bergsteiger dazu auf, unter diesen Umständen vorübergehend auf bestimmte Besteigungen zu verzichten. „Auf den Routen zum Mont Blanc und zum Matterhorn sollte man die Bescheidenheit besitzen, vorerst umzukehren“, so Mathey.
Französische Route vorerst noch geöffnet
Auf der französischen Seite finden die Besteigungen des Mont Blanc derzeit noch statt. Die Bergführer von Saint-Gervais beobachten die Situation jedoch genau. Ricardo Mora, Vizepräsident der Compagnie des Guides in Saint-Gervais-les-Bains, schließt nicht aus, dass auch auf der französischen Seite Maßnahmen erforderlich werden, wenn die Temperaturen hoch bleiben. Eine ähnliche Situation gab es im Juli 2022. Damals setzten die Bergführer von Chamonix und Saint-Gervais die geführten Besteigungen über die Normalroute wegen Steinschlaggefahr vorübergehend aus.
Auch Warnung für das Matterhorn
Nicht nur rund um den Mont Blanc bereiten die hohen Temperaturen Probleme. Bergführer in Zermatt raten bereits seit letzter Woche davon ab, vorerst über den Hörnligrat zum Gipfel des Matterhorns aufzusteigen. Auch dort sorgen schmelzender Schnee, Eisverlust und tauender Permafrost für instabile Bedingungen. Der Hörnligrat ist die bekannteste und am häufigsten genutzte Route zum Gipfel, enthält aber Passagen, in denen Steinschlag bei warmem Wetter ein großes Risiko darstellen kann.
Sehr großer Eisverlust erwartet
Der Schweizer Gletschermonitoringdienst Glamos warnte bereits Ende Juni, dass die Hitzewellen in diesem Jahr zu einem sehr großen Verlust an Gletschereis in den Alpen führen könnten. Für Bergsteiger bedeutet dies, dass sich die Bedingungen auf beliebten Routen manchmal innerhalb weniger Tage ändern können. Eine Strecke, die früher in der Saison noch gut begehbar war, kann nach einer Hitzeperiode viel gefährlicher werden.






