De Schneefälle in den Anden bleiben fast unwirklich. In Portillo wurden mittlerweile 528 cm Schnee gemessen, wovon 466 cm in nur sieben Tagen fielen. Hinter diesem enormen Schneefall steckt nicht nur ein einzelner außergewöhnlicher Schauer, sondern eine fast perfekte Kombination aus aufeinanderfolgenden Störungen, einer ständigen Zufuhr von Feuchtigkeit vom Pazifik und der enormen Höhe der Anden.
Kurz zusammengefasst
- Portillo hat mittlerweile 528 cm Schnee gemeldet.
- Davon fielen 466 cm in den vergangenen sieben Tagen.
- Mehrere Tiefdruckgebiete zogen kurz hintereinander vom Pazifik in Richtung Chile.
- Eine lang anhaltende Luftströmung führte ständig neue Feuchtigkeitsmengen heran.
- An den Anden wurde die feuchte Luft gezwungen, schnell aufzusteigen.
- Aufgrund der niedrigen Temperaturen fiel der Niederschlag in großer Höhe vollständig als Schnee.
- El Niño kann die Wahrscheinlichkeit für nasses Wetter erhöhen, erklärt diesen Schneesturm aber nicht allein.
Mittlerweile mehr als 5 Meter Schnee in Portillo
Der Schneemesser in Portillo steht aktuell bei 528 cm für die Saison. Ganze 466 cm davon fielen in den letzten sieben Tagen. Allein in den letzten 24 Stunden kamen noch einmal 33 cm hinzu. Die Schneehöhe am Boden ist geringer als der summierte Schneefall, da Neuschnee zusammensackt, komprimiert wird und durch den Wind verweht wird. Rund um das Hotel und auf dem Plateau liegt derzeit eine Schneedecke von etwa 2,5 bis 2,6 Metern.
Portillo bleibt vollständig geschlossen. Sowohl die Straße von Santiago als auch die Route von der argentinischen Seite aus ist gesperrt, und kein einziger Lift ist in Betrieb. Das Skigebiet teilte am 23. Juli mit, dass Dauer und Intensität des Sturms sehr ungewöhnlich seien.
Kein einzelner Schneeschauer, sondern eine Kette von Störungen
Die wichtigste Erklärung für die enormen Mengen ist die lange Dauer des schlechten Wetters. Es zog nicht nur eine Front über die Anden, nach der es aufklarte. Verschiedene Depressionen und Frontalsysteme erreichten kurz hintereinander vom Pazifik aus die Westküste Südamerikas. Dadurch hatte die Atmosphäre kaum Gelegenheit abzutrocknen. Sobald eine Front abzog, stand die nächste Feuchtigkeitsmenge schon bereit. Der Schnee konnte hierdurch tagelang fast ununterbrochen fallen.
Wettermodelle sahen dieses Muster bereits im Vorfeld voraus. Sie berechneten eine komplette Reihe von Störungen, die vor allem die zentralen Anden von Chile und Argentinien treffen würden. Die größten Mengen wurden auf der chilenischen Seite erwartet.
Eine enorme Zufuhr von Feuchtigkeit vom Pazifik
Für mehrere Meter Schnee wird vor allem viel Wasserdampf benötigt. Während dieses Sturms wurde feuchte Luft über eine große Distanz vom Pazifik nach Chile geführt. Ein solcher langer und relativ schmaler Streifen mit viel Wasserdampf wird als atmosphärischer Fluss bezeichnet. Man kann ihn sich wie ein Förderband für Feuchtigkeit in der Atmosphäre vorstellen. Die Luft enthält keinen echten Fluss aus flüssigem Wasser, aber deutlich mehr Wasserdampf als normal.
Atmosphärische Flüsse ziehen oft zusammen mit Kaltfronten und Tiefdruckgebieten über den Ozean. Die Störung wandelt den vorhandenen Wasserdampf anschließend in Regen oder Schnee um. Je stärker und langanhaltender der Feuchtigkeitsstrom ist, desto größer können die endgültigen Niederschlagssummen ausfallen.
Die Anden pressen die Wolken sozusagen aus
Die Lage von Portillo, Valle Nevado, La Parva und El Colorado spielt eine Hauptrolle. Feuchte Luft erreicht Chile von Westen her und prallt dann fast direkt gegen die Anden. Die Luft kann nicht durch die Berge hindurch und wird gezwungen aufzusteigen. Während dieses Aufstiegs kühlt die Luft ab, der vorhandene Wasserdampf kondensiert und es entstehen dicke Niederschlagswolken. Dieser Prozess wird orografischer Niederschlag genannt.
Je stärker die Luft gegen das Gebirge gedrückt wird und je mehr Feuchtigkeit zugeführt wird, desto heftiger kann es schneien. In den Anden kann dieser Effekt besonders kraftvoll sein, da die Gebirgskette in kurzer Entfernung zur Küste bis weit über 4000 und 5000 Meter reicht. Untersuchungen in den chilenischen Anden zeigen, dass die Niederschlagsmenge mit der Höhe und der Stärke der westlichen Luftströmung stark zunehmen kann.
Darum bekam Chile mehr Schnee als Argentinien
Die Skigebiete auf der chilenischen Seite liegen auf der Luvseite der Anden. Dies ist die Seite, an der die feuchte Luft als Erstes gegen das Gebirge nach oben gedrückt wird. Hier fällt daher der Großteil des Niederschlags. Sobald die Luft erst einmal über die höchsten Gipfel hinweg ist, hat sie bereits viel Feuchtigkeit verloren. Auf der argentinischen Ostseite sinkt die Luft wieder ab und wird trockener. Das ist der bekannte Regenschatteneffekt.
Auch Skigebiete in Argentinien erhielten während dieses Sturms viel Neuschnee, aber die Gesamtmengen waren an vielen Orten niedriger als in Portillo und den Skigebieten oberhalb von Santiago. Eine kleine Änderung der Windrichtung kann übrigens darüber entscheiden, wie viel Schnee letztlich über den Hauptkamm gelangt.
Warum fiel fast alles als Schnee?
Viel Feuchtigkeit allein reicht nicht aus. Die Temperatur muss ebenfalls niedrig genug sein. Wäre derselbe Sturm mit milderer Luft eingetroffen, wäre ein Teil des Niederschlags in tieferen Lagen als Regen gefallen. Portillo liegt auf etwa 2880 Metern Höhe. Während des Schneesturms lagen die Temperaturen dort größtenteils unter dem Gefrierpunkt. Dadurch konnte die enorme Niederschlagsmenge in dieser Höhe als Schnee fallen und der Schnee blieb auch liegen.
Beim Durchzug der verschiedenen Fronten strömte zudem regelmäßig kältere Luft ein. Die Kombination aus Feuchtigkeit, niedrigen Temperaturen und großer Höhe machte aus einer extrem nassen Wettersituation einen extremen Schneesturm.
Hat El Niño damit zu tun?
El Niño ist mittlerweile offiziell präsent. Das Meerwasser in Teilen des tropischen Pazifiks ist wärmer als normal, und der chilenische Wetterdienst erwartet für Juli, August und September überdurchschnittliche Niederschlagschancen in weiten Teilen des Landes. El Niño kann die allgemeinen atmosphärischen Bedingungen also günstiger für nasse Perioden in Zentral- und Südchile machen. Es ist jedoch zu einfach zu sagen, dass diese über 5 Meter Schnee ausschließlich durch El Niño verursacht wurden.
Der chilenische Wetterdienst betont, dass eine Saisonprognose nur einen allgemeinen Trend beschreibt. Sie sagt keine einzelnen Schneestürme voraus. Für diesen speziellen Schneefall waren vor allem die aufeinanderfolgenden Fronten, die Feuchtigkeitszufuhr vom Pazifik, die Temperatur und die exakte Lage der Zugbahn des Sturms entscheidend.
Warum unterscheiden sich die gemeldeten Schneehöhen?
Bei solch enormen Mengen können die Zahlen je nach Bericht variieren. Die eine Zahl beschreibt die Gesamtmenge des neu gefallenen Schnees, während eine andere Zahl die aktuelle Dicke der Schneedecke angibt. Neuschnee enthält viel Luft und sackt schnell in sich zusammen. Auch Wind kann Schnee von einem Messpunkt wegwehen oder dort meterhohe Verwehungen verursachen. Zudem messen Skigebiete in unterschiedlichen Höhen und an verschiedenen Standorten.
Das erklärt, warum Portillo über 5 Meter gefallenen Schnee meldet, während die tatsächliche Schneedecke am Hotel etwa 2,5 Meter dick ist. Beide Zahlen können gleichzeitig korrekt sein.
Vom Schneemangel zu viel zu viel Schnee
Der Kontrast zum Beginn des Winters ist enorm. Verschiedene Skigebiete in Chile und Argentinien konnten zunächst wegen Mangels an Naturschnee nur eingeschränkt öffnen. In etwas mehr als einer Woche änderte sich das hin zu gesperrten Straßen, geschlossenen Liften und Gebäuden, die fast im Schnee verschwinden. In Valle Nevado fielen mittlerweile 273 cm in sieben Tagen, und der Saisonzähler steht bei 316 cm. Dort konnten inzwischen 28 von 45 Pisten und 9 von 13 Liften öffnen. In Portillo ist die Menge jedoch so gewaltig, dass eine sichere Öffnung vorerst unmöglich bleibt.
Der Schnee bildet eine beeindruckende Basis für den Rest des südamerikanischen Winters. Zuerst müssen jedoch die Straßen, Lifttrassen und Gebäude freigemacht und lawinengefährdete Hänge kontrolliert werden. Mehr Schnee ist für ein Skigebiet also nicht immer direkt besser.
Mehr lesen: Es schneit und schneit: Mittlerweile über 4,5 Meter Schnee, Skigebiet dicht






