Das Schweizer Skigebiet Splügen-Tambo steht finanziell unter starkem Druck. Nach mehreren schwierigen Wintern mit wenig Schnee und enttäuschenden Einnahmen ist die Kasse leer. Die Gemeinde Rheinwald will daher mit einem Darlehen von 800.000 Schweizer Franken eingreifen. Am 18. Juni dürfen die Einwohner über den Rettungsplan abstimmen.
Im Überblick:
- Splügen-Tambo kämpft mit einer schweren Finanzkrise.
- Die Gemeinde Rheinwald will das Skigebiet mit 800.000 Schweizer Franken unterstützen.
- Die Einwohner stimmen am 18. Juni über den Rettungsplan ab.
- Mehrere schneearme Winter sorgten für deutlich geringere Einnahmen.
- Auch Investor Jan Michal will erneut Geld in das Skigebiet stecken.
Kasse leer nach schwierigen Wintern
Splügen-Tambo liegt in Graubünden und verfügt über Pisten zwischen 1.484 und 2.215 Metern Höhe. In den letzten Jahren hatte das Skigebiet mehrfach mit milden Wintern und zu wenig Schnee zu kämpfen. Dadurch konnte das Gebiet nicht immer vollständig und zuverlässig öffnen, auch in wichtigen Ferienzeiten. Das hatte direkte Auswirkungen auf die Einnahmen. Es wurden weniger Skipässe verkauft und auch die Gastronomie lief schlechter. Der Winter 2024/2025 endete mit einem Defizit von 166.000 Schweizer Franken. Die Besucherzahlen sanken um 10 %.
Gemeinde will 800.000 Franken leihen
Laut Schweizer Medien kann Splügen-Tambo den Sommer nicht mehr aus eigener Kraft überstehen. Die Gemeinde Rheinwald ist bereits finanziell involviert, da etwa 300.000 Schweizer Franken an offenen Rechnungen vorliegen, vor allem für Stromkosten. Dieser Betrag könnte bis Anfang 2027 auf 500.000 Schweizer Franken ansteigen.
Die Gemeinde will diese offenen Forderungen in ein Darlehen umwandeln und zusätzliches Geld bereitstellen. Insgesamt geht es um 800.000 Schweizer Franken. Die lokale Bevölkerung entscheidet am 18. Juni, ob dieser Rettungsplan umgesetzt wird.
Schneesicherheit bleibt das größte Problem
Ein wesentlicher Schwachpunkt von Splügen-Tambo ist das Fehlen einer modernen und leistungsstarken Beschneiungsanlage. Gerade in Wintern mit wenig Naturschnee wird dies zunehmend problematischer. Deshalb wurde 2025 die Tambo Finanz-Infra AG gegründet, eine öffentlich-private Organisation, welche die Beschneiungsinfrastruktur übernehmen und weiterentwickeln soll. Die Pläne umfassen unter anderem ein Wasserreservoir sowie die Erneuerung und Erweiterung des bestehenden Beschneiungssystems.
Die Investition dafür wird auf 5,6 Millionen Schweizer Franken geschätzt. Einwohner der teilnehmenden Gemeinden würden als Gegenleistung 50 % Rabatt auf Saisonabonnements erhalten.
Investor will ebenfalls einspringen
Auch der tschechische Investor Jan Michal, derzeit Verwaltungsratspräsident, will helfen. Er besitzt 28 % der Aktien und wäre bereit, eine offene Forderung von 140.000 Schweizer Franken in ein Darlehen umzuwandeln. Zudem möchte er weitere 300.000 Schweizer Franken an Liquidität einbringen.
Michal hat in den letzten Jahren bereits kräftig in Splügen investiert. Er kaufte und renovierte unter anderem ein historisches Hotel, das nun über 33 Zimmer, sechs Apartments, 115 Betten, einen Konferenzraum, einen Saal und eine eigene Brauerei verfügt. Mit 35 Mitarbeitern ist das Hotel nach den Bergbahnen der größte Arbeitgeber im Tal.
Große Pläne für die touristische Entwicklung
Für Michal ist die Rettung der Bergbahnen Teil eines viel größeren Plans. Er möchte an der Talstation von Splügen-Tambo ein Feriendorf mit 500 Betten bauen, vor allem mit Ferienwohnungen. Die Investition könnte bis zu 150 Millionen Schweizer Franken betragen. Später könnten weitere 400 Betten hinzukommen. Ohne funktionierende Lifte hat eine solche Entwicklung jedoch kaum eine Chance. Daher ist die Abstimmung am 18. Juni entscheidend für die Zukunft des gesamten Gebiets.
Nicht die erste Krise
Splügen-Tambo besteht seit 1960 und geriet bereits 2017 in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten. Damals konnte ein Konkurs durch neue Aktionäre und den Verzicht der Banken auf einen Großteil ihrer Forderungen abgewendet werden. Nun steht das Gebiet erneut an einem entscheidenden Punkt. Wenn die Einwohner von Rheinwald dem Darlehen zustimmen, erhält Splügen-Tambo Zeit, die kommenden Monate zu überbrücken. Bei einem Nein droht laut Beteiligten das Aus für die Bergbahngesellschaft.
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