Deutsches Skigebiet stoppt Schneeproduktion nach über 1 Million € Verlust

Das Skigebiet am Kolben in Oberammergau stellt nach fünfzehn Jahren die Erzeugung von technischem Schnee ein. Durch milde Winter, immer kürzere Zeitfenster für die Beschneiung und stark gestiegene Kosten ist der Winterbetrieb nicht länger rentabel. Skifahrer dürfen das Gebiet bei ausreichend Naturschnee zwar weiterhin nutzen, jedoch künftig als nicht präpariertes und ungesichertes Gelände.

Im Überblick:

  • Die AktivArena am Kolben stoppt ab dem Winter 2026/2027 die technische Schneeproduktion.
  • Damit endet der organisierte Ski- und Rodelbetrieb.
  • In den vergangenen drei Wintern belief sich der Verlust auf mehr als 1 Million €.
  • Der Sessellift, die Kolbensattelhütte und der Alpine Coaster bleiben geöffnet.
  • Bei ausreichend Naturschnee kann noch Ski gefahren werden, allerdings auf eigene Verantwortung.
  • Der Betreiber will sich stärker auf Aktivitäten zwischen Frühjahr und Herbst konzentrieren.

Kein Kunstschnee mehr ab dem kommenden Winter

Nach fünfzehn Jahren ist Schluss mit der technischen Schneeproduktion am Kolben in Oberammergau. Der Betreiber hat die Einwohner des deutschen Skiurlaub-Ortes per Brief über diese einschneidende Entscheidung informiert.

Ohne technischen Schnee kann der organisierte Skiurlaub nicht mehr in der bisherigen Form fortbestehen. Pisten werden nicht länger strukturell beschneit und präpariert. Auch der Rodelbahnbetrieb wird eingestellt. Für viele Einwohner ist das eine schmerzliche Entscheidung. Generationen von Kindern aus Oberammergau haben genau auf diesem Berg das Skifahren gelernt.

Kolben wird zum freien Skiraum

Wintersportler werden nicht völlig vom Kolben verbannt. Wenn genügend Naturschnee liegt, bleibt das Gelände als sogenannter freier Skiraum zugänglich. Das bedeutet, dass die Pisten nicht präpariert oder auf die übliche Weise gesichert werden. Besucher sind selbst für ihre Sicherheit verantwortlich, vergleichbar mit dem Skifahren im freien Gelände. Große Informationstafeln sollen verdeutlichen, unter welchen Bedingungen das Gebiet genutzt werden kann.

Der Sessellift bleibt laut Betreiber weiterhin geöffnet. Auch die Kolbensattelhütte und der Alpine Coaster bleiben in Betrieb.

Mehr als 1 Million € Verlust in drei Wintern

Der Hauptgrund für das Einstellen der Schneeproduktion ist finanzieller Natur. Zwischen 2013 und 2020 erwirtschaftete die Wintersaison im Durchschnitt noch etwa 45.000 € Gewinn pro Jahr. Seit 2021 hat sich der Winterbetrieb laut Geschäftsführer Klement Fend jedoch zu einem Verlustgeschäft entwickelt. In den letzten drei Saisons summierte sich das Defizit auf über 1 Million €.

Allein die letzten zwei Winter endeten jeweils mit einem Verlust von rund 360.000 €. Dies geschah trotz früherer Maßnahmen zur Begrenzung der Kosten im Winterbetrieb.

Weniger Schnee und kürzere Zeitfenster zum Beschneien

Der Betreiber verweist vor allem auf die Folgen des Klimawandels. Mildere Winter sorgen für weniger Naturschnee, während auch die Zeiträume mit Temperaturen, die für Kunstschnee geeignet sind, kürzer werden.

Dadurch können die Pisten seltener öffnen und die Anzahl der Skitage sinkt. Gleichzeitig bleiben die Fixkosten hoch. Für die Beschneiungsanlagen wird Energie benötigt, Pisten müssen präpariert werden und für die Lifte, das Rodeln und die Schneeproduktion ist zusätzliches Personal erforderlich. Auch die höheren Energiepreise haben den Winterbetrieb weiter unter Druck gesetzt.

Investition in Beschneiungsanlage reichte nicht aus

Die AktivArena übernahm die Anlage vor fünfzehn Jahren von der Gemeinde. Die Gesellschafter rechneten schon damals mit den möglichen Folgen wärmerer Winter. Um das Skigebiet widerstandsfähiger gegen schneearme Perioden zu machen, wurden 2016 noch rund 600.000 € in eine effizientere Kunstschneeanlage investiert.

Dennoch konnte diese Investition die wirtschaftliche Entwicklung nicht umkehren. Vor allem das schlechte Ergebnis im Winter 2023/2024 markierte einen wichtigen Wendepunkt. Seitdem wurde die Abfahrt vom Kolbensattel ins Tal nicht mehr für Skifahrer und Snowboarder geöffnet. Nur die Rodelbahn wurde noch mit geringerem Aufwand beschneit und präpariert. Auch das brachte letztlich keine ausreichenden Einsparungen.

Der Sommer soll den Winter ersetzen

Der Betreiber will die AktivArena nun verstärkt als Ziel für das Frühjahr, den Sommer und den Herbst weiterentwickeln. Der Alpine Coaster spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Rodelbahn auf Schienen wurde als Einrichtung gebaut, die weniger von Schnee und Wetterbedingungen abhängig sein sollte. Seit 2024 kann die Attraktion das ganze Jahr über genutzt werden.

Es gibt bereits Ideen, das Sommerangebot weiter auszubauen, aber konkrete Pläne wurden noch nicht bekannt gegeben. Der Betreiber erwartet, dazu möglicherweise im Herbst mehr sagen zu können.

Ende des traditionellen Skiurlaubs am Kolben

Für Oberammergau bedeutet die Entscheidung das Ende des Kolbens als regulär präpariertes Skigebiet. Naturschnee kann in guten Wintern zwar immer noch Möglichkeiten bieten, aber ohne Kunstschnee und Pistenpräparierung wird der Winterbetrieb viel unsicherer.

Der Berg bleibt zugänglich und der Sessellift in Betrieb. Dennoch verändert sich der Charakter des Gebiets grundlegend: von einem lokalen Familienskigebiet hin zu einem Freizeitberg, der sich vor allem auf die wärmeren Monate konzentriert.

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