Das endgültige Aus für das Skigebiet Braunwald könnte weitreichende Folgen für das Schweizer Bergdorf haben. Besitzer von Chalets und Ferienhäusern befürchten, dass ihre Immobilien deutlich an Wert verlieren, da man dort nicht mehr Skifahren kann. Immobilienexperten rechnen mit Preisrückgängen von bis zu 10 % oder sogar 20 %, auch wenn die genauen Auswirkungen noch ungewiss sind. Besonders wer seine Immobilie schnell verkaufen möchte, muss sich wohl mit einem deutlich niedrigeren Preis zufriedengeben.
Kurz zusammengefasst
- Ferienhäuser könnten laut einem Experten möglicherweise 10 % bis 20 % an Wert verlieren.
- In Braunwald bleiben Wintersportaktivitäten wie Rodeln und Schneeschuhwandern weiterhin möglich.
- Die Lage in der Nähe von Zürich könnte einen stärkeren Preisverfall möglicherweise begrenzen.
Ende des Skigebiets sorgt für große Sorgen
Der Verwaltungsrat der Sportbahnen hat am Mittwochabend beschlossen, den Skibetrieb in Braunwald endgültig einzustellen. Der Beschluss wurde von einer knappen Mehrheit der Aktionäre unterstützt.
Kleinaktionäre, lokale Unternehmer, Einwohner und Ferienhausbesitzer reagieren besorgt. Sie fürchten nicht nur um die Attraktivität des Dorfes, sondern auch um die lokale Wirtschaft und den Wert der Immobilien.
In Braunwald kann man künftig zwar noch rodeln und schneeschuhwandern. Die Skilifte und Pisten fallen jedoch als wichtiger Grund für einen Besuch des Dorfes im Winter weg.
Preisrückgang von 10 % bis 20 % möglich
Laut Claudio Saputelli, Chefökonom der UBS, hat ein Skigebiet großen Einfluss auf den Wert von Ferienhäusern. Wintersportler bilden in der Regel eine kaufkräftige Zielgruppe und sind bereit, mehr für eine Immobilie mit direktem Zugang zu Pisten und Liften zu bezahlen.
Ohne Skigebiet wird Braunwald seiner Meinung nach für diese Käufer weniger attraktiv. Wie groß der Wertverlust ausfallen wird, ist schwer vorherzusagen. Saputelli spricht gegenüber der Schweizer Zeitung Blick von einem möglichen Rückgang um 10 % oder 20 %, betont aber, dass der Verlust auch viel geringer ausfallen kann.
Die Ungewissheit über die Zukunft des Skigebiets spielte schon länger eine Rolle. Zahlen der UBS zeigen, dass die Immobilienpreise in Braunwald in den zwölf Monaten bis zum Frühjahr 2026 bereits leicht gesunken waren.
Schnell verkaufen wird schwierig
Besonders Eigentümer, die ihr Chalet oder Ferienhaus kurzfristig verkaufen wollen, könnten laut Saputelli mit einem ordentlichen Preisabschlag konfrontiert werden. Potenzielle Käufer wissen, dass das Skigebiet schließt, und werden diese Veränderung in ihr Gebot einfließen lassen.
Gleichzeitig basieren Verkäufer ihre Preisvorstellung oft noch auf den Beträgen, die Immobilien in der Vergangenheit erzielt haben. Dadurch entsteht möglicherweise erst einmal eine Phase, in der Immobilien lange zum Verkauf stehen, bevor die Eigentümer bereit sind, ihren Preis zu senken.
Eine vergleichbare Situation entstand in Les Paccots/Châtel-Saint-Denis im Kanton Freiburg. Nachdem das Skiangebot dort stark reduziert wurde, mussten Verkäufer älterer Ferienhäuser Preisnachlässe von 10 % bis 15 % akzeptieren. Wer nicht mit dem Preis runtergehen wollte, blieb manchmal jahrelang auf der Immobilie sitzen.
Das kosten Ferienhäuser aktuell
Auf der Schweizer Immobilienplattform Homegate standen nach dem Beschluss zwei Ferienwohnungen und zwei Chalets in Braunwald zum Verkauf. Drei Objekte hatten einen Angebotspreis zwischen 7.850 und 8.300 Schweizer Franken pro Quadratmeter.
Für eines der Chalets wurden 12.400 Schweizer Franken pro Quadratmeter verlangt. Laut dem Immobilienberatungsunternehmen Wüest Partner lagen die jüngsten Verkaufspreise für Ferienobjekte meist zwischen 7.500 und 8.000 Schweizer Franken pro Quadratmeter. Chalets mit schöner Aussicht und hohem Ausbaustandard können teurer sein.
Auch Robert Weinert von Wüest Partner erwartet, dass Eigentümer kurzfristig Preiszugeständnisse machen müssen.
Nähe zu Zürich kann helfen
Dennoch gibt es laut den Immobilienexperten auch Faktoren, die einen massiven Preissturz begrenzen könnten. Die Immobilienpreise in Braunwald sind in den letzten Jahren weniger stark gestiegen als in vielen anderen Schweizer Skiurlaub-Destinationen. Dadurch könnte die Korrektur geringer ausfallen.
Zudem liegt Braunwald relativ nah an der Region Zürich, wo viele kaufkräftige potenzielle Besucher und Immobilienbesitzer wohnen. Auch das kann die Nachfrage nach Ferienhäusern stützen.
Neue Zielgruppe für Braunwald
Mittelfristig kann sich der Immobilienmarkt im Dorf verändern. Wintersportler, die ihr Appartement oder Chalet wegen des Skigebiets gekauft haben, entscheiden sich möglicherweise zum Verkauf. An ihre Stelle könnten neue Eigentümer treten, die gerade Ruhe und Überschaubarkeit suchen.
Laut Jürg Grünenfelder von Remax Immobilien gibt es schon jetzt Besucher, die Braunwald vor allem wegen seines ruhigen Charakters schätzen. Um diese Zielgruppe zu erreichen, wird das Dorf sein Angebot in den anderen Jahreszeiten weiter stärken müssen.
Diese Käufer sind den Experten zufolge oft kritischer beim Preis. Ob Braunwald das Wegfallen der Skifahrer vollständig mit Ruhestandsuchenden und Sommergästen kompensieren kann, wird sich daher in den kommenden Jahren zeigen.
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