Endgültiges Aus für das Skifahren in diesem Schweizer Skigebiet

Das Skifahren im Schweizer Bergdorf Braunwald im Kanton Glarus ist endgültig vorbei. Auf einer hitzigen, vierstündigen Generalversammlung setzte der Verwaltungsrat der Sportbahnen Braunwald seinen Beschluss durch, die meisten Skilifte stillzulegen. Laut Verwaltungsrat ist der Skibetrieb nicht mehr rentabel. Nur die Gondelbahn nach Grotzenbüel wird im kommenden Winter weiterfahren – als Ausgangspunkt für Skitouren, Schneeschuhwandern und Schlitteln.

Kurz zusammengefasst

  • Die Skilifte in Braunwald bleiben im kommenden Winter definitiv stehen; die Pisten werden nicht mehr präpariert.
  • Der Verwaltungsrat, der 52 % der Stimmen hielt, setzte den Beschluss trotz heftigen Widerstands der Kleinaktionäre durch.
  • In der vergangenen Saison belief sich das Defizit auf 1,6 Millionen Schweizer Franken; nur ein zusätzlicher Kredit verhinderte den Konkurs.
  • Als Grund nennt der Rat unter anderem den Schneemangel, der die Gäste vertreibt; Kritiker verweisen auf stark gestiegene Personal- und Betriebskosten.

Vier Stunden Diskussion, ein Ergebnis

Laut Schweizer Medien sprachen die Aktionäre der Sportbahnen Braunwald AG fast vier Stunden lang über die Vergangenheit und Zukunft des Skigebiets. Rund 200 Personen kamen in das Bergrestaurant Chämistube – so viele wie noch nie. Was Verwaltungsratspräsident Richard „Richi“ Bolt (57) als „respektvolle, ordentliche Versammlung“ eröffnete, entwickelte sich laut der Plattform Blick schnell zu einer harten Abrechnung mit den Chefs der Bergbahnen.

Der Verwaltungsrat, der mit 52 % der Stimmen vertreten war, setzte sich in fast allen Punkten durch. Die anwesenden Aktionäre lehnten Tagesordnungspunkt um Tagesordnungspunkt ab, doch aufgrund der Stimmenmehrheit wurden diese dennoch jeweils angenommen. „Warum sind wir dann überhaupt hier?“, fragte eine Frau im Saal. Ein Antrag auf eine Sonderprüfung der Amtsführung des Rates wurde ebenfalls abgelehnt.

Jahrelang tiefrote Zahlen

Laut Verwaltungsrat rentiert sich der Betrieb der vier Skilifte nicht mehr. Als Grund nennt der Vorstand unter anderem den Schneemangel, der seiner Meinung nach viele Gäste aus Braunwald fernhält. Langzeitdaten des Forschungsinstituts WSL würden zeigen, dass die Schneemenge und die Anzahl der Schneetage in Braunwald stetig abnehmen.

Die Sportbahnen kämpfen schon länger mit finanziellen Problemen. In der letzten Saison betrug das Defizit laut Geschäftsbericht 1,6 Millionen Schweizer Franken. Nur dank eines Zusatzkredits konnte ein Konkurs abgewendet werden. Laut Revisionsbericht ging es um rund vier Millionen Franken. Die Liquiditätslage sei „angespannt“, schreiben die Prüfer. Auch in den Jahren zuvor schrieben die Bergbahnen tiefrote Zahlen.

Kritik an der Begründung

In einem offenen Brief, der online inzwischen von rund 6.000 Personen unterzeichnet wurde, wurde gefordert, den Skibetrieb nicht überstürzt aufzugeben. Unternehmer, Einwohner, Ferienwohnungseigentümer und Gäste sollten einbezogen und angehört werden. Eine Schließung würde ihrer Meinung nach den Fortbestand vieler Betriebe gefährden.

Kritiker stellten auch das Schnee-Argument infrage. Das eigentliche Problem seien vielmehr die massiv gestiegenen Personal- und Betriebskosten. Der Rat versuchte, diese Vorwürfe teilweise zu entkräften: Aufgaben, die der vorherige Direktor alle allein übernommen hatte, seien nun auf mehrere Personen verteilt, und die Personalkosten seien allgemein gestiegen.

Nur die gelbe Gondel fährt weiter

Ganz vom Wintertourismus verabschieden will sich Braunwald nicht. Die Gondelbahn zur Bergstation Grotzenbüel fährt auch im kommenden Winter weiter. Die gelben Kabinen sind künftig der einzige Transportweg nach oben – als Ausgangspunkt für Skitouren, Schneeschuhwanderungen und Schlittenabfahrten. Über die Übernahme eines der Skilifte werden noch Gespräche geführt. Der Rest steht still, und die Pisten werden nicht mehr präpariert.

„Wir haben diese Entscheidung nicht leichtfertig oder überstürzt getroffen“, sagte Verwaltungsratspräsident Richard Bolt nach Ende der Versammlung. Mit Kritik müsse man laut ihm leben können. Auf der anderen Seite klang es weniger versöhnlich. „Ich bin desillusioniert und wütend, dass der Verwaltungsrat so deutlich über unsere Wünsche und Ansprüche hinweggegangen ist“, sagte ein Kleinaktionär im Anschluss.

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