Im Schweizer Bergdorf Braunwald, im Süden des Kantons Glarus, werden ab dem kommenden Winter keine Pisten mehr präpariert. Die Sportbahnen Braunwald halten den Skibetrieb nicht mehr für rentabel und setzen künftig auf Winterwandern, Schlittenfahren und Langlaufen. Skischulleiter Reto Glarner versucht gemeinsam mit einer Interessengruppe im letzten Moment, einen Teil des Skigebiets zu retten.
Kurz zusammengefasst
- Die Sportbahnen Braunwald präparieren ab dem kommenden Winter keine Pisten mehr, da der Skibetrieb nicht rentabel ist.
- Sie konzentrieren sich künftig auf Winterwandern, Schlittenfahren und Langlaufen.
- Skischulleiter Reto Glarner (48) möchte gemeinsam mit einer Interessengruppe den Mattwaldlift kaufen.
- Ziel ist es, mindestens eine blaue Piste sowie das Kinderland offen zu halten, damit die Skischule weiterbestehen kann.
- Laut Glarner haben sich bereits mehr als 100 Unterstützer gemeldet.
- Die ersten Gespräche mit den Sportbahnen sind für nach den Sommerferien geplant; der benötigte Betrag ist noch nicht bekannt.
Keine präparierten Pisten mehr ab dem kommenden Winter
Die Entscheidung der Sportbahnen Braunwald hat das Dorf in Glarus Süd ordentlich aufgewühlt. Da sich der Skibetrieb wirtschaftlich nicht mehr lohnt, werden ab dem kommenden Winter keine Pisten mehr präpariert. Stattdessen setzen die Bergbahnen auf Winterwandern, Schlittenfahren und Langlaufen. Für viele Einwohner ist das ein Schock. Besonders Hoteliers sind über das Ende des Skigebiets nicht glücklich.
Initiativgruppe will den Mattwaldlift kaufen
Reto Glarner (48) setzt sich dafür ein, zumindest einen Teil des Skigebiets zu erhalten. Der Landwirt und SVP-Politiker leitet die Ski- und Snowboardschule Braunwald und ist Vorsitzender des Vereins „Braunwald aufwärts“. Braunwald ist ein autofreies Dorf auf 1.300 Metern Höhe.
Gemeinsam mit einer Interessengruppe hat er den Sportbahnen ein Kaufangebot für den Mattwaldlift mit der charakteristischen Talstation gemacht. Das Ziel: Mindestens eine blaue Piste soll im kommenden Winter offen bleiben. Zusammen mit dem Kinderland könnte die Skischule so weiterbestehen und Familien behalten ein kleines, aber attraktives Angebot.
Warum es laut Glarner um mehr als nur Lifte geht
Für Glarner steht mehr auf dem Spiel als nur ein paar Skilifte. „Die Entscheidung ist für die Destination Braunwald unverantwortlich“, sagt er gegenüber dem „Schweizer Bauer“. Die Folgen würden die gesamte Region treffen. Viele Bergbauern verdienen im Winter einen wichtigen Teil als Skilehrer, Pistenbully-Fahrer oder am Skilift dazu. Fallen diese Jobs weg, fehlt plötzlich ein wichtiger Teil des Einkommens, sagt er den „Glarner Nachrichten“. Gleichzeitig verliert die Landwirtschaft seiner Meinung nach eine Chance, Gästen das Bergleven aus nächster Nähe zu zeigen.
„Wir dürfen unsere eigenen Leute nicht verlieren“
Glarner denkt auch an die Mitarbeiter seiner Skischule. „Wir dürfen unsere eigenen Leute nicht verlieren. Sie sind alle gut ausgebildet und motiviert“, sagt er. Dadurch sind sie auch auf dem Markt gefragt. „Die sind weg, wenn wir ihnen keine Arbeit mehr bieten können.“ Sie stünden dann auch nicht mehr zur Verfügung, wenn das Dorf in Zukunft neue Winterangebote aufbauen möchte. „Man darf den Betrieb auf keinen Fall komplett auf Null zurückfahren“, so Glarner.
Erste Gespräche nach den Sommerferien
Laut Glarner haben sich bereits mehr als 100 Unterstützer gemeldet. Er hofft nun auf eine Einigung mit den Sportbahnen. „Nach den Sommerferien kommen wir zu ersten Gesprächen mit den Sportbahnen zusammen“, sagt er gegenüber Blick. Wie viel Geld benötigt wird, ist noch unklar.
Glarner ist nach eigenen Angaben optimistisch, dass die Rettung gelingt. „Die Sportbahnen müssen ja auch ein Interesse daran haben, dass wir eine Lösung finden.“ Ob es gelingt, im kommenden Winter mindestens eine blaue Piste und das Kinderland offen zu halten, hängt von diesen Gesprächen ab. Wir behalten die Entwicklungen im Auge.
