Lara Gut-Behrami beendet mit sofortiger Wirkung ihre beeindruckende Ski-Karriere. Die 35-jährige Schweizerin wollte nach ihrer schweren Knieverletzung eigentlich noch für eine letzte Saison zurückkehren, hat sich aber während ihrer Reha dazu entschieden, dies nicht mehr zu tun. Damit endet nach fast zwanzig Jahren eine Karriere mit unter anderem 48 Weltcupsiegen, zwei Gesamtweltcupsiegen und olympischem Gold.
Kurz zusammengefasst
- Lara Gut-Behrami (35) beendet mit sofortiger Wirkung ihre Karriere im Rennsport.
- Nach ihrer schweren Knieverletzung im November 2025 wird sie nicht mehr in den Weltcup zurückkehren.
- Sie schließt ihre Karriere mit 48 Weltcupsiegen, 101 Podestplätzen und zwei Gesamtweltcupsiegen ab.
Gut-Behrami entscheidet sich gegen eine Rückkehr
In den vergangenen Monaten blieb die Frage offen, ob Lara Gut-Behrami noch einmal in den Weltcup-Zirkus zurückkehren würde. Jetzt ist die Antwort endgültig: Dieses Comeback wird es nicht geben. Die Schweizerin gab am Mittwoch, den 5. August, bekannt, dass ihre Karriere als Profi-Skifahrerin vorbei ist.
Eigentlich hätte ihr Abschied ganz anders aussehen sollen. Gut-Behrami kündigte bereits im Juni 2025 an, dass die olympische Saison 2025/2026 ihre letzte sein würde. Die Olympischen Winterspiele in Mailand-Cortina sollten einer ihrer letzten großen Momente werden. So weit kam es nicht.
Schwere Knieverletzung beendete den olympischen Traum
Am 20. November 2025 ging bei einem Speed-Training in Copper Mountain in den USA einiges schief. Gut-Behrami stürzte schwer und zog sich ernsthafte Verletzungen am linken Knie zu. Unter anderem wurden ihr vorderes Kreuzband und das Innenband beschädigt, zudem erlitt der Meniskus Verletzungen.
Die Verletzung bedeutete das Ende ihrer Saison und damit auch ihres Traums, bei den Olympischen Spielen in Mailand-Cortina noch einmal um die Medaillen zu kämpfen.
Gut-Behrami begann daraufhin eine lange Rehabilitation. Sie stand sogar noch im Kader von Swiss-Ski für die neue Saison, und hinter den Kulissen wurde mit einer möglichen Rückkehr gerechnet. Letztendlich haben ihr Körper und ihr Gefühl den Ausschlag gegeben.
„Der richtige Moment ist gekommen“
In einem ausführlichen Abschiedsbrief erklärt die Schweizerin, dass sie ihren Körper nicht länger bis zum Äußersten treiben will. Gerade weil sie nach fast zwanzig Jahren Spitzensport, Stürzen und Verletzungen keine bleibenden Schmerzen hat, möchte sie, dass das so bleibt.
Skifahren soll für Gut-Behrami etwas Natürliches und Schönes bleiben. Einem neuen Comeback hinterherzujagen, bei dem sie ihren Körper erneut durch Schmerzen und schwere Belastungen schleusen müsste, passt für sie nicht mehr dazu.
„Das Gefühl absoluter Freiheit auf dem Schnee hat mich nie verlassen“, schreibt sie über ihre Liebe zum Sport. Diese Freiheit spürte sie als Kind, während ihrer Karriere und möchte sie auch nach ihrem Abschied weiterhin erleben. Skirennen zu fahren, muss dafür nicht mehr sein.
Das letzte Weltcup-Rennen war Sölden
Damit stellt sich im Nachhinein heraus, dass der Riesenslalom in Sölden im Oktober 2025 ihr allerletztes Weltcup-Rennen war. Gut-Behrami belegte dort den dritten Platz. Nicht die geplante große Abschiedstournee in Richtung Olympische Spiele, aber immerhin ein Podestplatz als Abschluss einer außergewöhnlichen Karriere.
Insgesamt ging sie 395 Mal bei einem Weltcup-Rennen an den Start. Dabei sammelte sie 101 Podestplätze und stolze 48 Siege.
Besonders im Super-G gehörte Gut-Behrami jahrelang zur absoluten Weltspitze. Sie gewann 24 Weltcups in dieser Disziplin. Zudem stehen 13 Abfahrten, zehn Riesenslaloms und eine Kombination auf ihrer Erfolgsliste. Damit ist sie die einzige Frau, die in drei verschiedenen Disziplinen mindestens zehn Weltcup-Rennen gewinnen konnte.
Zweimal die beste Skifahrerin des Weltcups
Gut-Behrami gewann zweimal den Gesamtweltcup. Ihre erste große Kristallkugel holte sie in der Saison 2015/2016. Acht Jahre später, 2023/2024, gelang ihr das erneut. Zudem sicherte sie sich sieben kleine Kristallkugeln: sechsmal im Super-G und einmal im Riesenslalom. Mit sechs Gesamtsiegen im Super-G-Weltcup hält sie zudem einen besonderen Rekord.
Ihre letzte vollständige Saison, 2024/2025, brachte ihr erneut den Super-G-Weltcup ein. In Sun Valley gewann sie beim Weltcup-Finale zudem den Super-G und einige Tage später den Riesenslalom. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ihr nächstes Weltcup-Rennen, Monate später in Sölden, auch ihr letztes sein würde.
Olympisches Gold und zwei Weltmeistertitel
Auch bei den großen Meisterschaften hinterließ Gut-Behrami eine beeindruckende Erfolgsbilanz. Der Höhepunkt bei den Olympischen Spielen war Peking 2022, wo sie Gold im Super-G holte. Bei denselben Spielen sicherte sie sich Bronze im Riesenslalom. 2014 hatte sie in Sotschi bereits olympisches Bronze in der Abfahrt gewonnen. Bei Weltmeisterschaften sammelte sie insgesamt neun Medaillen. Besonders die WM 2021 in Cortina d’Ampezzo war erfolgreich: Gut-Behrami wurde dort Weltmeisterin sowohl im Super-G als auch im Riesenslalom.
Vom Teenie-Phänomen zur Schweizer Skilegende
Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr bereits als Teenager. Am 2. Februar 2008 belegte die damals 16-jährige Gut bei der Abfahrt in St. Moritz den dritten Platz, trotz eines Sturzes kurz vor dem Ziel. Es war ihr erstes Weltcup-Podest und der Beginn einer Karriere, die schließlich achtzehn Saisons umfassen sollte.
Der Weg zu diesen Erfolgen verlief nicht ohne schwere Rückschläge. So verpasste sie nach einer Hüftverletzung die gesamte olympische Saison 2009/2010. 2017 riss sie sich bei der WM in St. Moritz das Kreuzband im linken Knie. Beide Male kämpfte sie sich zurück an die absolute Weltspitze. Mit 48 Weltcupsiegen beendet Gut-Behrami ihre Karriere als die zweiterfolgreichste Schweizer Alpin-Skifahrerin aller Zeiten, was Weltcupsiege betrifft. Nur Vreni Schneider gewann mit 55 mehr.
Kein Abschied wie geplant
Das Bittere an ihrem Abschied ist, dass Gut-Behrami ihre letzte Saison nie so bestreiten konnte, wie sie es sich vorgestellt hatte. Mailand-Cortina 2026 hätte der große Abschied werden sollen. Stattdessen wurde ein Trainingssturz im November ungewollt zu dem Moment, der ihren letzten Winter vorzeitig beendete.
Dennoch überwiegt bei Gut-Behrami nach eigenen Angaben nicht die Enttäuschung. In ihrem Abschiedsbrief blickt sie vor allem auf die Rennen, Trainings, Siege und Menschen zurück, die sie fast zwanzig Jahre lang begleitet haben.
Sie wird weiterhin Ski fahren, nur ohne Startnummer und Stoppuhr. Wie sie es selbst zusammenfasst: Es gibt im Leben für alles einen Moment. Für Skirennen ist dieser Moment für sie nun vorbei.
