Dass die australische Skisaison 2026 besonders mühsam verläuft, war auf den Webcams bereits deutlich zu sehen. Nun bestätigen auch die Schneemessungen, wie außergewöhnlich die Situation ist. Während des wichtigsten Teils der Saison lag am Messpunkt Spencers Creek im Durchschnitt fast 45 Prozent weniger Schnee als normal. Damit erlebt Australien seinen schlechtesten Winter seit zwanzig Jahren…
Kurz zusammengefasst
- Während der Hochsaison lagen durchschnittlich 76,9 Zentimeter Schnee, gegenüber normalerweise 139 Zentimetern.
- Die höchste gemessene Schneehöhe des Jahres 2026 beträgt bisher 94,5 Zentimeter.
- Ende August wurde mit 55,9 Zentimetern ein Rekordtief für diesen Zeitraum gemessen.
- Verschiedene Skigebiete schlossen vorzeitig oder bieten nur noch eingeschränkt Skiurlaub an.
Nicht die schlechteste aller Zeiten, aber außergewöhnlich schlecht
Für die Analyse wurden Daten aus 73 Jahren von Snowy Hydro verwendet. Die Messungen stammen von Spencers Creek, zwischen den Skigebieten Perisher und Charlotte Pass in New South Wales. Dieser Messpunkt gilt als wichtiger Gradmesser für die natürlichen Schneebedingungen in den australischen Skigebieten.
Zwischen Mitte Juli und Ende August lagen im Jahr 2026 durchschnittlich 76,9 Zentimeter Schnee. Das langjährige Mittel über denselben Zeitraum beträgt 139 Zentimeter. Die Schneedecke blieb damit um 44,7 Prozent hinter dem Üblichen zurück.
Damit belegt 2026 den fünften Platz der schlechtesten Saisons seit Beginn der Messungen im Jahr 1954. Nur 1973, 1989, 1982 und 2006 verliefen während dieser wichtigen Wochen noch schlechter.
Maximale Schneehöhe bleibt unter einem Meter
Auch die maximalen Schneehöhen enttäuschen. Mitte August wurden bei Spencers Creek 94,5 Zentimeter gemessen. Das ist etwa die Hälfte weniger als der langjährige Durchschnitt von 195,5 Zentimetern. Seit 1954 gab es nur zwei Winter, in denen die höchste gemessene Schneeschicht noch geringer ausfiel. Im Jahr 2006 kam die Schneehöhe nicht über 85,1 Zentimeter hinaus und 1982 wurden maximal 91 Zentimeter gemessen.
Die Saison begann ebenfalls bemerkenswert schlecht. Ende Juni und Anfang Juli wurde bei einer der wöchentlichen Messungen zum ersten Mal seit 73 Jahren überhaupt kein Naturschnee registriert.
Regen baut Schneedecke erneut ab
Im August fiel zwar Neuschnee, aber Regen und milde Temperaturen setzten der aufgebauten Schneeschicht immer wieder zu. In der letzten vollen Augustwoche sank die natürliche Schneehöhe auf 55,9 Zentimeter. Für diese spezifische Woche ist das der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.
Auch die Temperaturen stiegen auffallend hoch an. In Perisher wurden 14,4 Grad gemessen und am Mount Hotham 11,1 Grad. Laut australischen Berichten waren dies an beiden Standorten neue Wärmerekorde für August. Durch den Regen verschwand nicht nur der Naturschnee. Auch ein Teil des Kunstschnees auf den Pisten wurde weggespült, wodurch die Skigebiete immer weniger Gelände zur Verfügung stellen konnten.
Skigebiete stellen Betrieb vorzeitig ein
Das Selwyn Snow Resort und Mount Baw Baw haben ihre Liftsaison inzwischen vorzeitig beendet. Auch Ben Lomond wurde in den jüngsten australischen Berichten als geschlossen gemeldet, nachdem das Skigebiet zuvor noch gehofft hatte, mit neuer Schneeproduktion wieder öffnen zu können.
Größere und höher gelegene Skigebiete wie Perisher, Thredbo und Mount Buller konnten länger weitermachen, aber auch dort blieb nur ein Teil der Lifte und Pisten geöffnet. Gerade Ende August gehört normalerweise zur geschäftigsten Zeit des australischen Skiwinters.
Die Folgen sind nicht nur auf den Pisten spürbar. Unterkünfte melden rückläufige Buchungen für September. Der Eigentümer von Thredbo hat zudem den Buchwert des Skigebiets um mehr als die Hälfte auf 143 Millionen Australische Dollar gesenkt.
Investitionen in Kunstschnee und Sommeraktivitäten
Australische Skigebiete investieren immer mehr in die Schneeproduktion, um kurze Kälteperioden optimal zu nutzen. In Thredbo und Mount Buller wurden in dieser Saison auch spezielle Systeme eingesetzt, die bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt Schnee erzeugen können. Deren Kapazität ist zwar noch begrenzt, aber die Technik ermöglichte es, im Juni einige Pisten zu öffnen, während Naturschnee völlig fehlte.
Zudem wird verstärkt auf Aktivitäten außerhalb der Skisaison gesetzt. Thredbo investiert unter anderem in Mountainbike-Strecken und einen Alpine Coaster. Laut Snow Resorts Australia sind für die kommende Saison Investitionen von mehr als 100 Millionen Australischen Dollar geplant.
Kann der September den Winter noch retten?
Ein ordentlicher Sneeuwdump im September ist noch nicht ausgeschlossen. In 34 der vorangegangenen 72 Saisons wurde die maximale Schneehöhe erst im September oder Oktober erreicht. Auch im extrem schlechten Jahr 1973 war dies der Fall: Ende August lagen nur 57 Zentimeter, woraufhin die Schneeschicht im September doch noch auf über 123 Zentimeter anwuchs.
Für mehrere Skigebiete kommt ein später Wintereinbruch jedoch zu spät. Die Lifte sind dort bereits geschlossen und eine Wiedereröffnung für nur wenige Tage ist praktisch und finanziell nicht immer machbar. Selbst wenn noch viel Schnee fällt, wird 2026 daher als eine der schlechtesten australischen Skisaisons seit Beginn der Messungen in die Geschichte eingehen.






