Belgische Stadt verkauft ihr Skigebiet in den französischen Alpen

Ein Kapitel in der Geschichte von Charleroi geht zu Ende. Die wallonische Stadt in der Provinz Hennegau verkauft ihr Skigebiet Marcinelle-en-Montagne am Fuße des Mont Blanc, in dem Generationen von Schulkindern Skiunterricht nahmen. Der Grund: finanzieller Druck und mangelnde Schneesicherheit.

Die Geschichte des Skigebiets Marcinelle-en-Montagne

Die Geschichte von Marcinelle-en-Montagne begann in den frühen 1960er Jahren. Der damalige belgische Bürgermeister Lucien Harmegnies von Marcinelle (Teil der Stadt Charleroi) wollte den Kindern aus seiner Gemeinde die Möglichkeit geben, Ferien in der gesunden Bergluft zu verbringen. 1962 wurde ein erster Schneeurlaub in einem Hotel in den Alpen organisiert, mit großem Erfolg. Wenig später wurde ein 25 Hektar großes Grundstück in Saint-Nicolas-la-Chapelle gekauft, einem Dorf auf 1.000 Metern Höhe in der Nähe des Mont Blanc. Ein Hauptgebäude und später drei weitere große Chalets entstanden auf dem Grundstück. Es wurde zu einem sozialen Ferienort, nicht nur für Kinder, sondern auch für Familien, Senioren und Gruppen. Jahr für Jahr kamen Hunderte von Schulkindern zum Wintersport dorthin, finanziert von der wallonischen Stadt. Im Jahr 1977 fusionierte Marcinelle mit Charleroi und das Anwesen ging offiziell in den Besitz der Stadt über.

Lies auch: Österreichisches Skigebiet definitiv pleite und jetzt zum Verkauf stehend

Nicht mehr verschneit…

Während die Domäne in den Anfangsjahren ein Schneeparadies zu sein schien, hat sich das Klima in den letzten Jahrzehnten verändert. Die relativ geringe Höhe von 1.000 Metern bedeutete, dass der Schnee im Winter immer seltener wurde. Infolgedessen ging die Nutzung zurück und die Kosten pro Besucher stiegen. Gleichzeitig stiegen die Instandhaltungskosten, während Charleroi als Stadt unter finanziellem Druck stand und nach Einsparungen suchen musste.

Nach Angaben der Stadt sind die Kosten für die Domäne nicht mehr tragbar. Investitionen sind notwendig, aber mit dem aktuellen Budget nicht machbar. Die Entscheidung, die Domäne zu verkaufen, wurde daher aus der Not heraus getroffen, nicht aus Unwillen, betonen die Stadtbeamten.

Letzte Schneetouren im Jahr 2026

Für viele Einwohner von Charleroi und Umgebung wird es ein emotionaler Abschied sein. Die allerletzten Schneetouren in Marcinelle-en-Montagne sind für das Frühjahr 2026 geplant, zwischen Januar und April. Danach wird die Domäne verkauft werden. Ob sie dann wieder einer sozialen oder pädagogischen Nutzung zugeführt wird, ist noch nicht bekannt. In der Zwischenzeit verspricht Charleroi, nach Alternativen zu suchen, damit die Schulkinder weiterhin einen lehrreichen Winterausflug machen können. Die Stadt möchte ein Konzept entwickeln, das sowohl finanziell tragfähig ist als auch die Tradition des Wintersports für junge Menschen aufrechterhält. Ob dies auf belgischem Boden oder anderswo geschehen wird, ist noch nicht klar.

Ein seltenes Beispiel für ausländisches Eigentum

Eine belgische kommunale Feriendomäne im Ausland ist eine Ausnahme. Während Städte wie Gent und Brügge in der Vergangenheit Ländereien in den Niederlanden oder den Ardennen besaßen, sind ausländische Bergdomänen selten. Der Abschied von Saint-Nicolas-la-Chapelle markiert daher das Ende eines bemerkenswerten Kapitels in der Kommunalpolitik von Charleroi. Was in den 1960er Jahren als ehrgeiziges Sozialprojekt begann, endet nun, mehr als 60 Jahre später, unter dem Druck von Klima und Finanzen.

Teile diesen Artikel:

Wonach suchen Sie?