Das Sommerskifahren auf dem Grande-Motte-Gletscher in Tignes scheint in seine letzte Phase zu gehen. Aufgrund der hohen Temperaturen friert der Gletscher nachts nicht mehr auf, es tritt immer mehr Eis an die Oberfläche und der Schnee verschlechtert sich im Laufe des Vormittags schnell. Laut dem Betreiber schmilzt der Gletscher jährlich um 3 bis 4 Meter, und Tignes rechnet damit, dass Sommerskifahren innerhalb von zehn bis fünfzehn Jahren nicht mehr möglich sein wird.
Im Überblick:
- Der Grande-Motte-Gletscher schmilzt laut dem Betreiber jährlich um 3 bis 4 Meter.
- Auf 3456 Metern Höhe waren es um 09:00 Uhr bereits 5 °C.
- Die Frostgrenze lag bei etwa 4200 Metern, sodass der Gletscher nachts nicht erneut einfror.
- Seit dem 20. Juni wurden 7856 Skitage verkauft.
- Tignes erwartet, dass das Sommerskifahren innerhalb von zehn bis fuffzehn Jahren verschwindet.
- Skifahren während der Hauptwintersaison soll Untersuchungen zufolge noch jahrzehntelang möglich bleiben.
Um 9:00 Uhr bereits 5 °C auf dem Gletscher
Die Bedingungen auf dem Grande-Motte-Gletscher zeigen diesen Sommer deutlich, wie anfällig das Sommerskifahren geworden ist. Auf 3456 Metern Höhe zeigte das Thermometer um 9:00 Uhr bereits 5 °C an. Die Frostgrenze lag bei etwa 4200 Metern, sodass der Gletscher auch während der Nacht nicht erneut gefrieren konnte.
Ein Großteil der Gletscheroberfläche ist mittlerweile schneefrei. An verschiedenen Stellen sind graues Eis und Gletscherspalten sichtbar. Die geöffnete Skipiste wird maschinell präpariert und führt um die schlechtesten Teile des Gletschers herum. Später am Vormittag stiegen die Temperaturen noch weiter an. Um 9:30 Uhr wurden in der Sonne bereits 19 °C gemessen. Skifahrer beschrieben den Schnee als weich und matschig, mit Löchern, Wasser und immer mehr sichtbarem Eis.
Schnee wird unter Planen aufbewahrt
Tignes versucht, einen Teil des vorhandenen Schnees durch Snowfarming zu erhalten. An drei Stellen wird Schnee unter großen Abdeckplanen gelagert, damit dieser später dort wiederverwendet werden kann, wo Engpässe entstehen. Die Schutzplanen wurden zuvor auch eingesetzt, um das Schmelzen rund um die Anlagen der Seilbahn zu verlangsamen.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt der Rückgang sichtbar. Tignes war in den achtziger Jahren noch als ein Ziel bekannt, an dem man 365 Tage im Jahr skifahren konnte. Dieses Versprechen konnte das Skigebiet schon lange nicht mehr einlösen. Warme Sommer führten in den letzten Jahrzehnten immer häufiger zu Einschränkungen und vorzeitigen Schließungen.
Weniger als 8000 Skitage verkauft
Das Sommerskigebiet öffnete am 20. Juni. Seitdem wurden 7856 sogenannte Skitage verkauft. Diese Zahl liegt weit unter den Besucherzahlen im Winter und steht auch in krassem Gegensatz zu der Zeit, in der das Sommerskifahren in Tignes noch eine große Anziehungskraft hatte. Der Gletscher wird im Sommer nicht nur von Freizeitskifahrern genutzt. Auch Skiclubs und Wettkampfsportler kommen nach Tignes, um an ihrer Technik und ihrem Schneegefühl zu feilen.
Sommerskifahren könnte innerhalb von fünfzehn Jahren verschwinden
Laut Clément Colin, dem Vorsitzenden von Altta, erlebt das Sommerskifahren auf der Grande Motte seine letzten Jahre. Altta ist die öffentliche Organisation, die seit Juni im Namen der Gemeinde das Skigebiet verwaltet. Der Gletscher verliert laut Colin jährlich 3 bis 4 Meter. Wissenschaftler erwarten wohl, dass der Gletscher beim derzeitigen Schmelztempo innerhalb von zehn bis fünfzehn Jahren weitgehend verschwindet. Damit würde auch das Sommerskifahren in Tignes innerhalb dieses Zeitraums enden.
Für Tignes ist das eine schmerzliche Entwicklung. Das Sommerskifahren war jahrzehntelang Teil der Identität des Skigebiets, aber die Bedingungen lassen sich jedes Jahr schwieriger organisieren.
Wintersaison bleibt vorerst möglich
Das drohende Ende des Sommerskifahrens bedeutet den zitierten Untersuchungen zufolge nicht, dass auch die reguläre Wintersaison kurzfristig verschwindet. Während des wichtigsten Teils des Winters, von Ende Dezember bis Mitte April, könnte Skifahren in Tignes noch etwa fünfzig Jahre lang möglich bleiben.
Damit entsteht ein deutlicher Unterschied zwischen dem Skifahren auf dem Gletscher im Sommer und dem Skiurlaub während der kältesten Monate. Die Zukunft des Gletschers selbst scheint laut den Beteiligten jedoch festzustehen.
Mehr Fokus auf Wandern und Mountainbiken
Tignes bereitet sich daher auf eine Zukunft vor, in der die Grande Motte im Sommer nicht mehr in erster Linie als Skigebiet genutzt wird. Oben bei der Seilbahn gibt es Pläne für einen Aussichtsbereich und einen Lehrpfad über den Gletscher.
Die Gemeinde will in den nächsten zehn Jahren zudem weiter in Aktivitäten abseits des Skifahrens investieren. Wandern und Mountainbiken sollen eine größere Rolle im Sommerangebot spielen. Die Seilbahn befördert schon jetzt viele Fußgänger in das hochgelegene Gletschergebiet.
Die Naturschutzorganisation Mountain Wilderness sieht die Art und Weise, wie Sommerskifahren präsentiert wird, unterdessen weiterhin kritisch. Laut der Organisation passt das Bild vom Skifahren als coole und hippe Alternative während einer Hitzewelle nicht mehr zum aktuellen Zustand des Gletschers.






