Wie anstrengend ist eine Abfahrt für einen Profi-Skifahrer eigentlich? Bald können wir das vielleicht buchstäblich hören! Der internationale Skiverband FIS arbeitet an einer neuen Technologie, bei der Weltcup-Skifahrer Mikrofone an ihrer Rennkleidung tragen. Damit könnten die Fernsehzuschauer die Atmung der Athleten, ihre Anstrengungsrufe und das Geräusch der Ski auf dem Schnee viel besser hören. Die ersten Tests wurden bereits durchgeführt und laut Schweizer Medien sind die Ergebnisse positiv. Wird der Weltcup im Fernsehen bald noch spektakulärer?
Kurz zusammengefasst
- Die FIS untersucht, wie Mikrofone bei Rennskifahrern während Fernsehübertragungen eingesetzt werden können.
- Während der offiziellen Abfahrtstrainings in Kitzbühel wurden bereits vier Athleten mit Mikrofonen ausgestattet.
- Künstliche Intelligenz soll störende Geräusche wie Windrauschen herausfiltern. Wann die Technologie tatsächlich eingeführt wird, ist noch nicht bekannt.
Mikrofone an der Rennkleidung der Skifahrer
Während eines Weltcup-Rennens sehen wir genau, wie schnell die Skifahrer abfahren, wie viel Zeit sie verlieren und wo sie den Unterschied machen. Aber was unterwegs alles zu hören ist, bekommen die Fernsehzuschauer kaum mit. Das will die FIS nun ändern. Laut der Schweizer Zeitung Blick wird an kleinen Mikrofonen gearbeitet, die direkt an der Rennkleidung der Skifahrer befestigt werden.
Damit könnten die Zuschauer nicht nur das Geräusch der Ski auf dem Schnee hören, sondern auch die Atmung und die Anstrengung der Athleten selbst. Die Idee ist, den Zuschauer noch näher an das Geschehen heranzubringen. Während die aktuellen Fernsehübertragungen vor allem Mikrofone entlang der Piste und im Zielbereich nutzen, könnte der Ton bald direkt vom Skifahrer kommen.
Erste Tests bereits in Kitzbühel durchgeführt
Ganz neu ist die Idee nicht. Hinter den Kulissen wird schon länger an Möglichkeiten gearbeitet, den Ton direkt von der Piste zu übertragen. Im Jahr 2024 berichtete SVG Europe, dass der österreichische Rundfunk ORF zusammen mit Red Bull Media House und der FIS mit Mikrofonen für Rennskifahrer experimentierte.
Inzwischen wurden auch Praxistests durchgeführt. Aus einem offiziellen FIS-Bericht über die Saison 2024/2025 geht hervor, dass während der Abfahrtstrainings in Kitzbühel vier Athleten mit Mikrofonen ausgestattet wurden. Die Mikrofone waren an den Startleibchen befestigt, während die benötigten Sender in einem separaten Fach mitgeführt wurden. Laut der jüngsten Berichterstattung von Blick sind die Tests positiv verlaufen. Wann die Mikrofone tatsächlich bei Weltcup-Rennen eingesetzt werden, ist jedoch noch nicht bekannt.
Künstliche Intelligenz soll Windrauschen entfernen
Eine der größten Herausforderungen ist der Lärm während des Skifahrens. Bei hohen Geschwindigkeiten entsteht viel Windrauschen, was es schwierig macht, die Atmung und andere Geräusche gut zu registrieren. Deshalb wird nach den Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz gesucht. KI soll die störenden Hintergrundgeräusche so weit wie möglich herausfiltern, damit die Geräusche des Skifahrers besser hörbar werden.
Stell dir vor, dass du während einer Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel nicht nur den Kommentator hörst, sondern auch, wie der Skifahrer atmet, auf eine schwierige Passage reagiert oder die Ski über den harten Schnee gleiten lässt. Das könnte die Art und Weise, wie wir Skirennen schauen, erheblich verändern. Es gibt allerdings wichtige Voraussetzungen: Die Ausrüstung darf die Bewegungsfreiheit der Athleten nicht einschränken und muss sicher genug sein, um sie während der Rennen zu tragen. Zudem muss die Technologie den Anforderungen der FIS entsprechen.
Weltcup in Sölden zeigt, was Sound bewirken kann
Am vergangenen Wochenende, am 24. und 25. Oktober 2026, startete die neue Weltcup-Saison in Sölden. Auf dem Rettenbachgletscher standen die traditionellen Riesenslaloms für Damen und Herren auf dem Programm. Während des Rennens der Damen war unter anderem zu hören, wie die Schweizerin Wendy Holdener im Ziel ihre letzten Kräfte mobilisierte. Dank der Mikrofone im Zielbereich kam ihre Anstrengung im Fernsehen deutlich rüber.
Mit Mikrofonen an den Athleten selbst wären solche Geräusche bald nicht nur im Ziel, sondern während der gesamten Abfahrt hörbar. Die Weltcup-Eröffnung in Sölden lieferte zudem sofort spannende Rennen. Paula Moltzan gewann am Samstag den Riesenslalom der Damen mit nur 0,01 Sekunden Vorsprung vor Lara Colturi. Am Sonntag ging der Sieg bei den Herren an Lucas Pinheiro Braathen.
Noch mehr technologische Neuerungen für den Weltcup
Die Mikrofone sind nicht die einzige Innovation, an der die FIS arbeitet. Auch die Fernsehbilder selbst werden weiterentwickelt. Während der Weltcup-Eröffnung in Sölden wurden bereits erneuerte TV-Grafiken eingeführt. Darüber hinaus wird an umfassenderen Live-Daten und neuen Wegen gearbeitet, um die Leistungen der Athleten sichtbar zu machen.
So wird untersucht, ob Zuschauer bei Speed-Disziplinen in Zukunft deutlicher sehen können, wo ein Skifahrer Zeit gewinnt oder verliert. Auch zusätzliche Daten wie Geschwindigkeit, G-Kräfte und die Zeit, die ein Skifahrer bei Sprüngen in der Luft verbringt, sollen die Übertragungen interessanter machen. Weiterhin wird mit Kameras an Skibrillen experimentiert. Damit könnten Zuschauer eine Abfahrt aus der Perspektive des Skifahrers erleben. Bei einigen Techniken laufen die Tests noch, und es ist nicht bekannt, wann sie tatsächlich bei Rennen eingesetzt werden.
Wann bekommen Weltcup-Skifahrer Mikrofone?
Obwohl die ersten Tests vielversprechend sind, hat die FIS noch kein Datum bekannt gegeben, ab dem Mikrofone standardmäßig bei Weltcup-Rennen eingesetzt werden. Es ist also noch nicht sicher, ob wir die Technologie bereits in der Wintersaison 2026/2027 sehen werden.
Klar ist jedoch, dass der internationale Skiverband massiv in ein moderneres und attraktiveres Fernseherlebnis investiert. Von neuen Kameraperspektiven und umfassenderen Renndaten bis hin zum Ton direkt vom Skifahrer: In den kommenden Jahren kann sich einiges ändern. Und wir sind vor allem gespannt, wie es klingt, wenn ein Profi-Skifahrer mit mehr als 100 km/h über eine eisige Weltcup-Piste nach unten rast!






