Von 50 cm bis über einen Meter Schnee: Vorhersagen für die Alpen gehen stark auseinander

Es liegt jede Menge Niederschlag für die Alpen in der Luft! Ab heute, Dienstag, den 20. Oktober, zieht eine aktive Störung über das Alpengebiet und die Schneekarten färben sich in großen Höhen ordentlich weiß. Aber wie viel Neuschnee wird wirklich fallen? Darüber sind sich die Wettermodelle noch lange nicht einig. Während Meteorologen für die kommenden Tage auf vielen hohen Berggipfeln einige Dutzend Zentimeter erwarten, zeigen manche Schneemodelle lokal sogar mehr als einen Meter an. Das große Fragezeichen ist vor allem die Schneefallgrenze: Zuerst fällt viel Niederschlag noch als Regen, aber ab Mittwochabend strömt kältere Luft in die Alpen. Danach folgen wahrscheinlich noch weitere Störungen.

Kurz zusammengefasst

  • Dienstag und Mittwoch fällt vor allem an der Süd- und Westseite der Alpen viel Niederschlag. Oberhalb von etwa 2500 bis 3000 Metern kann das ordentliche Schneemengen bringen.
  • Die Schneemodelle unterscheiden sich stark: von einigen Dutzend Zentimetern bis lokal mehr als einem Meter über die nächsten sechs Tage. Vor allem die hohen Westalpen haben Chancen auf viel Schnee.
  • Mittwochabend sinkt die Schneefallgrenze deutlich, örtlich bis auf etwa 1500 Meter oder tiefer. Ab Freitag folgen wahrscheinlich neue Niederschlagsgebiete.

Wettermodelle zeigen enorme Unterschiede

Wer heute die Schneekarten für die Alpen nebeneinander legt, sieht völlig unterschiedliche Erwartungen. Einige Modelle berechnen für die kommenden Tage in den höchsten Lagen rund um Argentière stolze 140 cm Schnee. Für Chamonix in der Höhe stehen 130 cm auf der Karte und für Saas-Fee 110 cm. Auch rund um Zermatt und Cervinia färben sich die Karten beeindruckend weiß.

Andere Meteorologen sind ein Stück vorsichtiger. MeteoSchweiz erwartet bis Mittwochabend oberhalb von 2500 Metern in den zentralen und östlichen Schweizer Alpen 20 bis 40 cm. Laut La Chaîne Météo können es auf den höchsten, am meisten exponierten Gipfeln der französischen Alpen 40 bis 50 cm werden. Dieser Unterschied hat drei Erklärungen:

  • Zeitraum: Manche Karten addieren den gesamten Schnee bis einschließlich Wochenende, andere Vorhersagen beziehen sich nur auf Dienstag und Mittwoch.
  • Niederschlag: Die Modelle rechnen nicht mit denselben Mengen.
  • Schneefallgrenze: Im Oktober entscheiden ein paar hundert Meter Unterschied, ob derselbe Niederschlag als Regen oder als Schnee fällt.

Rechne also mit einigen Dutzend Zentimetern in großer Höhe, mit nur lokal deutlich mehr.

Heute viel Niederschlag durch Südstau

Die erste Phase des nassen Wetters beginnt heute. Ein Tiefdruckgebiet westlich von Europa sorgt für eine feuchte südliche Strömung Richtung Alpen. An der Südseite werden die Wolken gegen das Gebirge gedrückt, wodurch sie viel Niederschlag hinterlassen können. Dieses Phänomen wird als Südstau bezeichnet.

Vor allem in den südlichen französischen Alpen, im Nordwesten Italiens und später auch in den südlichen Schweizer Alpen kann es kräftig regnen und schneien. In den südlichen französischen Alpen und im Nordwesten Italiens werden heute lokal 30 bis 50 mm Niederschlag erwartet. Die größten Mengen können im Piemont, im Aostatal und in Teilen der französischen Alpen fallen.

An der Nordseite der Alpen sieht das Wetterbild zunächst ganz anders aus. Hier sorgt Föhn für relativ trockene und milde Bedingungen mit gelegentlichen Aufheiterungen.

Aber die Schneefallgrenze liegt noch sehr hoch

Es ist heute also reichlich Niederschlag vorhanden, aber leider fällt ein Großteil davon noch als Regen. Die herangeführte Luft ist relativ warm und die Schneefallgrenze liegt an vielen Orten zwischen 2600 und 3000 Metern. Das bedeutet, dass viele Bergdörfer und tiefer gelegene Pisten vor allem Regen abbekommen. Erst auf den höchsten Gipfeln und Gletschern fällt der Niederschlag als Schnee.

Laut Météo Alpes können am Dienstag oberhalb von etwa 2800 bis 3000 Metern in den französischen Alpen 5 bis 15 cm Schnee fallen. In der Haute-Maurienne und den Écrins sind lokal sogar 20 bis 30 cm möglich. Auch im Schweizer Wallis und an der Grenze zu Italien kann es in großer Höhe kräftig schneien. Für die Gletscher ist das eine gute Nachricht. Dort ist die Temperatur niedrig genug, um eine neue Schneeschicht aufzubauen. Weiter unten am Berg ist es vorerst vor allem eine nasse Angelegenheit.

Auch Österreich bekommt Schnee auf den Gletschern

In Österreich beginnt der Dienstag an vielen Orten noch relativ trocken und sonnig. Vor allem an der Nordseite der Alpen profitiert man zuerst von Föhnwetter. Im Laufe des Tages nimmt die Bewölkung zu und ab Dienstagabend erreicht Niederschlag aus Italien und der Schweiz auch die österreichischen Alpen.

Am Mittwoch wird es dann an vielen Orten deutlich unbeständiger. Vor allem entlang des Alpenhauptkamms und an der Südseite wird kräftiger Niederschlag erwartet, während von Nordwesten her allmählich kältere Luft einströmt. Für die österreichischen Gletscher sieht die Vorhersage interessant aus. Die Wetterkarten rechnen bis Mittwochabend oberhalb von 3000 Metern mit etwa 10 bis 20 cm Neuschnee, unter anderem in Sölden, auf dem Stubaier Gletscher, dem Pitztaler Gletscher, dem Kaunertaler Gletscher und dem Kitzsteinhorn. Andere Schneemodelle berechnen örtlich größere Mengen. Wie viel letztendlich fällt, hängt stark von der Niederschlagsintensität und dem Zeitpunkt ab, an dem die kältere Luft eintrifft.

Mittwochabend sinkt die Schneefallgrenze deutlich

Der echte Wetterumschwung folgt am Mittwoch, den 21. Oktober. Von Westen her zieht eine Kaltfront über die Alpen und es strömt deutlich kältere Luft ein. Dadurch sinkt die Schneefallgrenze an vielen Orten im Laufe des Nachmittags und Abends auf etwa 1500 bis 2000 Meter. Laut MeteoSchweiz kann die Schneefallgrenze in Teilen der Schweizer Alpen in der Nacht zum Donnerstag sogar auf etwa 1200 Meter sinken. In einigen Tälern von Graubünden ist vorübergehend Schnee bis knapp unter 1000 Meter möglich.

Auch für Österreich wird ein deutlicher Rückgang erwartet. Dort liegt die Schneefallgrenze zunächst noch bei 2800 bis 3100 Metern, kann aber bis Mittwochabend unter 2000 Meter und in der Nacht zum Donnerstag örtlich unter 1500 Meter sinken. In der Nacht zum Donnerstag ist örtlich Schnee um 1000 Meter möglich. Das bedeutet übrigens nicht, dass alle Dörfer auf dieser Höhe weiß werden. Genau in dem Moment, in dem die kältere Luft eintrifft, lässt der Niederschlag in einigen Regionen schon wieder nach. Wo es lange genug schneit, kann sich der Winter jedoch zum ersten Mal in diesem Herbst in tieferen Lagen zeigen.

Vor allem in der Schweiz Chance auf eine ordentliche Schneeschicht

Die Schweizer Alpen scheinen eine der interessantesten Regionen während dieses Wetterumschwungs zu sein. MeteoSchweiz erwartet am Mittwoch in den zentralen und östlichen Schweizer Alpen oberhalb von 2500 Metern etwa 20 bis 40 cm Neuschnee. Zwischen 2000 und 2500 Metern werden an verschiedenen Stellen 5 bis 15 cm erwartet.

Auch im Wallis steht Schnee auf dem Programm. Dort erwartet der Schweizer Wetterdienst oberhalb von 2500 Metern etwa 10 to 30 cm Neuschnee. Im Hochgebirge kann es also ordentlich winterlich werden. Vor allem rund um Saas-Fee, Zermatt und die höheren Gipfel der Viertausender sind die Bedingungen günstig für eine neue weiße Schicht. Wie viel davon auch auf den Pisten ankommt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

In Norditalien möglicherweise extrem viel Regen

Nicht überall ist die große Niederschlagsmenge eine gute Nachricht. Vor allem in Teilen Norditaliens kann es am Dienstag und Mittwoch besonders nass werden. Italienische Meteorologen warnen vor sehr intensiven Regenfällen, mit lokal möglich 200 bis 250 mm Niederschlag in kurzer Zeit in Teilen Liguriens. Auch das Piemont, die Lombardei, Venetien und Friaul-Julisch Venetien bekommen es mit der Störung zu tun. In den Hochalpen fällt ein Teil dieses Niederschlags als Schnee, aber in tieferen Lagen handelt es sich hauptsächlich um Regen. Dadurch kann es örtlich zu Überschwemmungen kommen.

Auch der Wind spielt eine wichtige Rolle. Auf den höheren Berggipfeln werden Windböen von 100 bis 120 km/h erwartet. Für Urlauber, die diese Woche bereits auf den Gletschern Ski fahren, kann das bedeuten, dass einige Lifte vorübergehend nicht in Betrieb sind.

Donnerstag kurzzeitig ruhiger, danach neue Störungen

Nach dem unbeständigen Dienstag und Mittwoch scheint der Donnerstag, 22. Oktober, eine vorübergehende Wetterbesserung zu bringen. Vor allem in den Westalpen und an der Südseite klart es auf und wir bekommen wahrscheinlich wunderschöne Bilder von frisch verschneiten Berggipfeln. In den Ostalpen kann sich die Bewölkung noch etwas länger halten. Aber viel Zeit, um das ruhige Wetter zu genießen, bleibt nicht. Ab Freitag, den 23. Oktober, steht schon wieder die nächste Störung auf den Wetterkarten.

Vor allem in den französischen und Schweizer Alpen werden dann neue Niederschlagsgebiete erwartet. Die Schneefallgrenze liegt bei dieser Störung wahrscheinlich ein Stück tiefer als während der ersten Niederschlagsphase. In den französischen Alpen kann diese am Freitagabend auf etwa 1500 Meter sinken und in der Nacht möglicherweise noch etwas weiter. Auch am Samstag und Sonntag bleibt die Chance auf Schnee bestehen, vor allem an der Nordwestseite der Alpen.

Die genauen Mengen für das Wochenende sind noch sehr unsicher. Das erklärt auch, warum manche Schneekarten so hohe Gesamtmengen anzeigen.

Wie viel Schnee wird letztendlich fallen?

Die wichtigste Nachricht von heute ist nicht, dass irgendwo garantiert ein Meter Schnee fällt, sondern dass den Alpen eine ziemlich niederschlagsreiche und wechselhafte Periode bevorsteht. Auf den höchsten Berggipfeln scheint eine ordentliche Menge Neuschnee wahrscheinlich. Vor allem die Gletscher in Frankreich, der Schweiz, Italien und Österreich können davon profitieren.

Die große Frage bleibt, wie viel Niederschlag als Schnee und wie viel als Regen fällt. Auch der Zeitpunkt, an dem die Kaltfront eintrifft, wird entscheidend sein. Vorerst rechnen wir mit einigen Dutzend Zentimetern auf vielen hohen Berggipfeln, mit lokal möglicherweise deutlich größeren Mengen, wenn die verschiedenen Störungen günstig zusammenwirken.

In den kommenden Tagen wird es daher besonders interessant sein, die Schneekarten und die Webcams in den Alpen im Auge zu behalten. Denn obwohl die Modelle stark auseinandergehen, sind sie sich in einem einig: Ruhiges Herbstwetter wird es vorerst nicht!

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