Skibindingen op ski's

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Sturz von Lindsey Vonn eröffnet Debatte: Ist es Zeit für die „smarte“ Skibindung?

Lindsey Vonn steckte nach ihrem schweren Sturz in der olympischen Abfahrt in Cortina d’Ampezzo am 8. Februar noch in ihren Skiern fest – und genau dieses Bild sorgt nun für zusätzlichen Druck bei einem alten Schwachpunkt im Sport: der Bindung. Laut Beteiligten ist es unmöglich mit Sicherheit zu sagen, ob Vonn weniger schwer verletzt gewesen wäre, wenn sich ihre Skier gelöst hätten. Doch ihr komplizierter Schienbeinbruch, der bereits mehrere Operationen erforderte, legt erneut den Finger in die Wunde: Bindungssysteme sind technisch gesehen immer noch recht „klassisch“.

Im Überblick:

  • Vonns Sturz in Cortina (die Skier lösten sich nicht) verschärft die Diskussion über die Sicherheit von Bindungen erneut.
  • Die FIS und die Industrie prüfen „smarte Bindungen“, die auf Basis von Daten auslösen können, wenn die Kontrolle verloren geht.
  • Dainese teilt den Airbag-Algorithmus mit großen Bindungsmarken, um den Schritt zur Bindungsauslösung zu untersuchen.
  • Vorerst bleibt das Zukunftsmusik: Die Entwicklung ist komplex und kann noch Jahre dauern.

Warum Bindungen bei Profi-Skifahrern so fest eingestellt sind

Wer hobbymäßig Ski fährt, kennt Begriffe wie den Z-Wert oder die DIN-Einstellung: fest genug, um sich nicht bei jedem Buckel zu lösen, aber offen bei einem echten Sturz. Im Spitzensport ist das heikler. Bei einer Abfahrt mit enormen Kräften und Geschwindigkeiten kann eine unerwartete Auslösung sofort das Ende deines Laufs bedeuten – oder Schlimmeres. Deshalb werden Bindungen bei Rennläufern oft (viel) höher eingestellt, als man es im Laden als Empfehlung bekommt.

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Vom Airbag zur „smarten Bindung“

Die FIS sucht schon länger nach Wegen, um Bein- und Knieverletzungen zu reduzieren, und sieht einen möglichen Durchbruch in sogenannten „Smart Bindings“: Bindungen, die nicht nur auf mechanische Kraft reagieren, sondern auch auf Daten (Rotationen, Körperhaltung, Kontrollverlust). Die Idee: vergleichbar mit den Airbags, die mittlerweile in den Speed-Disziplinen Pflicht sind. FIS-Renndirektor Peter Gerdol sagt, dass ein solches System speziell für Situationen entwickelt wird, in denen ein Ski als „Hebel“ hängen bleibt und das Bein den Schlag abbekommt – genau das Szenario, das man bei schweren Stürzen zu oft sieht.

Dainese teilt Algorithmus mit Bindungsmarken

Auffallend: Laut AP News teilt Dainese (und das Schwesterunternehmen D-Air Lab) in Abstimmung mit der FIS den Airbag-Algorithmus mit großen Bindungsherstellern wie Look, Tyrolia, Salomon, Atomic und Marker, um zu untersuchen, wie man diese Logik in eine kontrollierte Auslösung der Bindung übersetzen kann.

Warum das technisch so schwierig ist

Ein Airbag, der (etwas zu früh) auslöst, ist ärgerlich, aber meistens nicht zusätzlich gefährlich. Eine Bindung, die im falschen Moment während einer Abfahrt aufgeht, kann das jedoch sehr wohl sein. Deshalb liegt die Messlatte extrem hoch: Ein solches System muss sowohl unerwartete Auslösungen verhindern als auch schneller und smarter auslösen, wenn es wirklich nötig ist. Das macht die Entwicklung teuer, komplex und vor allem zeitaufwendig.

Wann kann man damit rechnen?

Innerhalb des Sports ist von einem Zeitraum von mehreren Jahren die Rede, wobei es zuerst (falls es überhaupt klappt) bei der absoluten Spitze der Speed-Disziplinen zum Einsatz kommen wird. Reuters nennt einen möglichen Zeithorizont von 3 bis 4 Jahren, bevor es überhaupt breit im Sport einsetzbar sein könnte.

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