Das österreichische Skigebiet Karkogel in Abtenau scheint nun doch auf ein endgültiges Aus zuzusteuern. Eine monatelang vorbereitete Rettungsaktion ist diese Woche im letzten Moment gescheitert, wodurch das Insolvenzverfahren fortgesetzt wird. Die Lifte werden verkauft und sogar die Sommersaison findet nicht mehr statt.
Im Überblick:
- Die Sanierung des Skigebiets Karkogel in Abtenau ist gescheitert.
- Das Insolvenzverfahren wird als offizielles Konkursverfahren fortgesetzt.
- Ein Rettungsplan scheiterte letztlich an einer fehlenden Unterschrift.
- Die geplante Eröffnung der Sommersaison wurde gestrichen.
- Lifte, Anlagen und andere Vermögenswerte werden verkauft.
- Auch die letzten Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Rettung scheitert im letzten Moment
Am Mittwoch schien es noch eine Chance auf einen Neustart für die Abtenauer Bergbahnen, den Betreiber des Skigebiets Karkogel, zu geben. Ein verbesserter Sanierungsplan lag auf dem Tisch und die Finanzierung schien gesichert. Laut österreichischen Medien fehlte am Ende jedoch die Zustimmung eines Grundeigentümers für die notwendigen Verträge rund um die Lifttrassen. Dadurch konnte die Rettungsaktion nicht abgeschlossen werden und der Sanierungsplan wurde kurz vor der Abstimmung zurückgezogen. „Ich habe wirklich an diese Sanierung geglaubt“, erklärte Masseverwalter Markus Stranimaier im Anschluss. Seiner Meinung nach wäre das Gebiet nicht nur touristisch wichtig gewesen, sondern auch für Familien aus Salzburg und der Region, die hier das Skifahren lernen.
Insolvenzverfahren wird fortgesetzt
Nachdem der Sanierungsplan zurückgezogen wurde, wird das Verfahren als Konkurs fortgeführt. Das Gericht hat zudem die sofortige Schließung des Betriebs genehmigt.
Bisher haben 56 Gläubiger Forderungen in Höhe von rund 6,3 Millionen Euro angemeldet. Davon wurden über 4,4 Millionen Euro offiziell anerkannt. Ein Teil der Forderungen wird noch bestritten. Die Situation ist laut Beteiligten ernst. Der Erlös aus dem Verkauf von Liften und Material wird wahrscheinlich größtenteils für Abbruch- und Renaturierungskosten draufgehen.
Auch Sommersaison gestrichen
Die Folgen sind sofort spürbar. Die geplante Sommersaison, die Anfang Juli starten sollte, wurde komplett gestrichen. Besucher können daher diesen Sommer weder die Bergbahn noch die Sommerrodelbahn oder die Mountaincarts nutzen. Auch die letzten fünf Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Probleme häuften sich an
Die finanziellen Probleme des Skigebiets bestehen nicht erst seit gestern. Laut dem Betreiber sorgten enttäuschende Winter, weniger Besucher und Schneemangel in den letzten Jahren für immer größere Verluste. Hinzu kamen Verzögerungen und massive Kostensteigerungen beim Bau eines neuen Speicherteichs für die Schneeproduktion. Gerade dieses Projekt wurde als entscheidend für die Zukunft des Gebiets angesehen. Durch Konflikte mit Bauunternehmen und steigende Kosten entwickelte sich das Projekt jedoch zu einem finanziellen Problem, das das kleine Skigebiet letztlich nicht mehr tragen konnte.
Vor einem Monat haben wir bereits über dieses Skigebiet geschrieben: Kleines österreichisches Skigebiet hat jetzt über 6 Millionen € Schulden
Historisches Skigebiet
Karkogel ist ein bekannter Name im Salzburger Land. Die Liftgesellschaft wurde 1962 gegründet und betrieb eine Gondelbahn sowie vier Schlepplifte. Zudem spielte das Gebiet eine wichtige Rolle im österreichischen Skisport. Größen wie die Weltmeister Alexandra Meissnitzer, David Zwilling und Matthias Lanzinger machten hier ihre ersten Schritte auf Skiern. Genau deshalb trifft die Nachricht die Region besonders hart.
Wird doch noch ein Neustart gefunden?
Vorerst liegt der Fokus auf dem Verkauf der Vermögenswerte und der Abwicklung der Insolvenz. Ob sich doch noch ein neuer Investor meldet, ist ungewiss.
Für die Einwohner von Abtenau und viele Wintersportler aus der Region bedeutet es vorerst vor allem den Verlust eines beliebten Familienskigebiets. Was vor mehr als sechzig Jahren als lokales Skiurlaub-Projekt begann, steht nun vor der größten Herausforderung seiner Geschichte.
