Die Schneeanlage von Adelboden-Lenk könnte im Sommer eine völlig andere Funktion bekommen. Bei einem Naturbrand können die Wasserreservoirs, kilometerlangen Leitungen und Schneekanonen genutzt werden, um Löschwasser im Schweizer Skigebiet zu verteilen. Der Kanton Bern hat diese Möglichkeit inzwischen in die Einsatzplanung aufgenommen.
Kurz zusammengefasst
- Adelboden-Lenk kann die Schneeanlage bei Naturbränden einsetzen.
- Die Reservoirs und Leitungen bringen schnell viel Löschwasser an schwer erreichbare Orte.
- Das System ist in die Einsatzplanung aufgenommen, aber noch nicht tatsächlich verwendet worden.
Wasser durch kilometerlange Leitungen
Im Winter nutzt Adelboden-Lenk ein umfangreiches Netzwerk aus Reservoirs, Pumpen und Wasserleitungen, um Kunstschnee zu produzieren. Während trockener Sommer kann die Feuerwehr dieselbe Infrastruktur nutzen. Über die unterirdischen Leitungen kann Wasser über mehrere Kilometer in verschiedene Teile des Berggebiets gebracht werden. Die Feuerwehr kann es dort direkt anzapfen. Auch können Schneekanonen als große Sprinkler fungieren, um trockenen Boden, Gebäude oder Liftanlagen feucht zu halten. Das System soll vor allem nasse Pufferzonen schaffen, das Feuer verlangsamen und Zeit gewinnen, bis mehr Hilfe eintrifft. Es ist nicht beabsichtigt, dass die Schneekanonen eigenständig einen großen Waldbrand löschen.
Reservoir enthält 60 Millionen Liter Wasser
Eine wichtige Rolle spielt der Speichersee Leiterli bei Lenk. Dieses Reservoir kann maximal 60 Millionen Liter Wasser enthalten. Im Sommer wird unter anderem Regen- und Schmelzwasser gespeichert, das im Winter für die Schneeproduktion verwendet wird.
Auch Löschhubschrauber können ihre Tanks oder Wasserbehälter direkt an den Reservoirs füllen. Das spart Zeit bei einem Brand in schwer erreichbarem Berggelände. Insgesamt versorgt das Netzwerk in Adelboden-Lenk 210 Schneekanonen und 50 Schneelanzen mit Wasser. Laut SRF kann das verfügbare Wasser außerdem zwischen verschiedenen Reservoirs verlagert werden.
Noch nicht nötig gewesen
Die Bergbahnen haben die Möglichkeiten mit der örtlichen Feuerwehr besprochen. Bei einem Naturbrand kann die Feuerwehr Kontakt aufnehmen, woraufhin die Infrastruktur innerhalb kurzer Zeit verfügbar gemacht werden kann. Bisher wurde die Schneeanlage noch nicht für einen Brand eingesetzt. Der Kanton Bern hat das System jedoch in die Vorbereitung auf zukünftige Naturbrände aufgenommen.
Die Notwendigkeit solcher Pläne nimmt zu. Laut dem Schweizer Bundesamt für Umwelt gibt es seit dem Frühjahr 2026 ein großes Niederschlagsdefizit. In fast der gesamten Schweiz galt Anfang August eine hohe bis sehr hohe Wahrscheinlichkeit für Naturbrände.
Genug Wasser für den Winter
Der Einsatz bei einem Brand muss laut den Bergbahnen nicht direkt auf Kosten der Schneeproduktion gehen. Es wäre ein außergewöhnlich großer Brand nötig, um die Reservoirs vollständig zu leeren. Die Bekämpfung eines Naturbrands hat außerdem Vorrang. Ein Feuer kann nicht nur Wälder beschädigen, sondern auch Liftanlagen, Bergrestaurants und andere Infrastruktur des Skigebiets bedrohen.
Adelboden-Lenk bietet fast 200 km Pisten und 60 % der wichtigsten Pisten können künstlich beschneit werden. Die dafür angelegte Infrastruktur könnte also auch außerhalb des Winters eine wichtige Sicherheitsfunktion bekommen.






