Lawinenunfälle bleiben ein großes Risiko in den Alpen, wobei Erstickung bei Verschüttung der tödlichste Faktor ist. Es gibt jetzt jedoch eine bedeutende Hoffnung für Skiurlauber: Das norwegische Gerät Safeback SBX, das Luft aus dem Schnee pumpt, hat sich in einer unabhängigen „Extremstudie“ von Eurac Research als wirksam erwiesen. Die veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die entscheidende Überlebenszeit um mehr als das Fünffache verlängert werden kann.
Safeback SBX
Das Gerät namens Safeback SBX wurde in Norwegen entwickelt. Es ist ein Gerät, das in den Rucksack integriert ist. Im Falle einer Lawine kann es anderthalb Stunden lang 150 Liter Luft pro Minute über zwei Schläuche zum Opfer leiten. „Das Gerät macht eine Lawine nicht weniger lebensbedrohlich, aber es kann die Sterblichkeit verringern“, sagt Hermann Brugger von Eurac Research. Das Gerät gibt dem Opfer die Möglichkeit, länger unter dem Schnee auszuharren, während gesucht wird.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für Erstickung?
Sobald jemand unter dem Schnee verschüttet ist, wird die Zeit knapp. Lawinenopfer sterben in zwei Dritteln der Fälle an Erstickung, mit einer durchschnittlichen tödlichen Frist von 35 Minuten. Dies liegt daran, dass der Sauerstoff in der Atemhöhle schnell verbraucht wird und sich schädliches Kohlenmonoxid ansammelt. Wird das Opfer innerhalb von 20 Minuten gefunden, ist die Rettungschance groß. Nach einer halben Stunde hast du nur noch 30 % Überlebenschance. Nach einer Stunde ist die Überlebenschance sogar auf 3 % gesunken. Der Safeback SBX wurde entwickelt, um genau diese kritische Zeitspanne zu überbrücken.
Eurac Research testet unter realistischen Bedingungen
Um unabhängig zu testen, ob das Gerät funktioniert, hat Eurac Research eine Studie unter realistischen Bedingungen durchgeführt. Dreißig Männer und Frauen wurden als Probanden mit dem Gerät unter dem Schnee begraben. Auf dem Bauch liegend wurden diese Personen unter dem Schnee verschüttet. Die Hälfte der Probanden erhielt das echte Safeback SBX Gerät, die andere Hälfte ein nicht funktionierendes Gerät, das nur nachgeahmte Geräusche erzeugt. Während der Aktion wurden verschiedene Werte gemessen. Dazu gehören die Verteilung von Sauerstoff und Kohlendioxid während der Atmung und die Stressreaktion des Körpers.
- Aufbau: Im März 2023 wurden in den Südtiroler Dolomiten auf 2000 Metern Höhe 24 gesunde Freiwillige (Männer und Frauen, 23 bis 54 Jahre alt) unter strenger medizinischer Überwachung unter mehr als 50 cm Schnee begraben.
- Kontrollgruppe: Von den Teilnehmern mit einem nicht funktionierenden Gerät mussten vier Personen aufgrund akuter Atemnot vorzeitig abbrechen. Sieben andere blieben durchschnittlich nur 6,4 Minuten begraben, bevor ihre Sauerstoffsättigung unter 80 % sank.
- Aktive Gruppe: Von den Teilnehmern mit einem aktivierten Safeback SBX-System musste niemand wegen Atemnot abbrechen. Elf Personen blieben die vollen 35 Minuten unter dem Schnee, ohne einen relevanten Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut.
Das Fazit: In einer realistischen Situation gibt dies den Rettungsdiensten mehr als fünfmal so viel Zeit, um das Opfer zu lokalisieren und zu retten. Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden in der maßgeblichen medizinischen Fachzeitschrift JAMA veröffentlicht. Die Funktion des Safeback SBX hängt von Faktoren wie freien Atemwegen und der Tiefe/Dichte des Schnees ab. Die Studie wurde unter sehr hoher Schneedichte (ungünstige Bedingungen) durchgeführt, was darauf hindeutet, dass das Gerät bei leichterem Schnee wahrscheinlich noch besser funktioniert.
Verfügbarkeit + Zukunftsvision
Laut der offiziellen Website zum Safeback SBX ist das Gerät inzwischen erhältlich. Die Kosten für den Safeback SBX, inklusive Rucksack, liegen derzeit zwischen 600 € und 840 €. Der Hersteller arbeitet an einer kombinierten Lösung, bei der der Safeback SBX mit einem Lawinenairbag in einem Rucksack integriert wird. Diese Kombination würde einerseits die Wahrscheinlichkeit einer Verschüttung verringern und andererseits die Überlebensdauer bei einer kritischen Verschüttung erhöhen.








