Noch mehr Muren: Bus mitgerissen und Tal gesperrt

Noch keinen Tag nachdem 250 Menschen aus dem hinteren Kaunertal mit Hubschraubern evakuiert wurden, hat neues Unwetter erneut für gefährliche Situationen in Tirol gesorgt. Montagabend gingen an mehreren Stellen Muren nieder. Im Stanzertal wurde ein Linienbus von Wasser, Schlamm und Geröll getroffen. Auch im Pitztal gingen mehrere Muren ab und die Zufahrtsstraße ins Tal wurde gesperrt.

Im Überblick:

  • Tirol war am Montagabend erneut von heftigen Unwettern betroffen.
  • Im Stanzertal wurde ein Linienbus zwischen Schnann und Flirsch von einer Mure getroffen.
  • Die drei Fahrgäste blieben unverletzt, der Busfahrer wurde verletzt.
  • Die Stanzertalstraße und mehrere Gemeindestraßen wurden gesperrt.
  • Auch im Pitztal gingen Muren nieder und die Pitztalstraße wurde teilweise beschädigt.
  • Zwei Wohnhäuser wurden dort vorsorglich evakuiert.
  • In Südtirol gehen die Aufräumarbeiten nach früheren Murenabgängen unterdessen weiter.

Linienbus von Mure getroffen

Die gefährlichste Situation ereignete sich am Montagabend im Stanzertal, in der Region um Pettneu am Arlberg. Gegen 20:20 Uhr gingen nach heftigen Regenfällen mehrere Muren nieder. Auf der Gemeindestraße zwischen Schnann und Flirsch wurde ein Linienbus von den Massen aus Wasser, Schlamm und Steinen getroffen.

Laut österreichischen Medien stand das Wasser mit Schlamm auf der Straße bis zu 80 Zentimeter hoch. Der Schlamm drang in den Bus ein und das Fahrzeug blieb stecken. Der 49-jährige Busfahrer und drei Fahrgäste konnten nicht selbstständig aussteigen und mussten von der Feuerwehr aus dem Bus befreit werden.

Fahrer ins Krankenhaus gebracht

Die drei Fahrgäste, ein 31-jähriger Mann, eine 39-jährige Frau und ein 14-Jähriger, blieben unverletzt. Der Busfahrer wurde jedoch verletzt und nach der Erstversorgung mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus Zams gebracht. Über die Schwere seiner Verletzungen ist noch nichts bekannt. Durch die Muren wurden mehrere Straßen in dem Gebiet gesperrt. Die Stanzertalstraße und eine Gemeindestraße blieben zunächst dicht. Die Tiroler Straße konnte später am Abend wieder geräumt und für den Verkehr freigegeben werden.

Auch Probleme im Pitztal

Nicht nur das Stanzertal war betroffen. Auch im Pitztal gingen am Montagabend mehrere Muren nieder. Besonders das Gebiet um den Bichlbach bei St. Leonhard im Pitztal wurde schwer getroffen. Die Pitztalstraße wurde überspült und teilweise beschädigt. Dadurch war das hintere Pitztal vorübergehend nicht mehr über die Straße erreichbar. Zwei Wohnhäuser wurden aufgrund der bedrohlichen Lage vorsorglich evakuiert. Soweit bekannt, wurde dort niemand verletzt.

Die Einsatzkräfte riefen die Bevölkerung dazu auf, Straßensperren strikt zu beachten und sich von Gefahrenzonen fernzuhalten. Erst nach einer erneuten Einschätzung durch Experten kann schweres Gerät eingesetzt werden, um die Straßen zu räumen.

Muren auch bei Innsbruck

Auch oberhalb von Innsbruck gingen am Montagabend Muren ab. Auf der Nordkette, im Bereich der sogenannten Direttissima östlich des Hafelekars, gingen zwei Muren nieder. Zwei Wanderwege wurden gesperrt. Laut Behörden bestand keine Gefahr für Wohngebiete und es wurde niemand verletzt. Geologen begutachten die Situation erneut, um zu beurteilen, wann die Wege wieder sicher freigegeben werden können.

Kaunertal inzwischen evakuiert

Die neuen Vorfälle folgen kurz nach dem schweren Unwetter im Kaunertal. Dort beschädigten Muren am Sonntagnachmittag die Kaunertaler Gletscherstraße. Etwa 250 Menschen konnten den hinteren Teil des Tals nicht mehr verlassen und wurden unter anderem im Gepatschhaus und im Gletscherrestaurant versorgt.

Die Evakuierung ist inzwischen abgeschlossen. Alle eingeschlossenen Personen wurden mit Hubschraubern aus dem Gebiet gebracht. Die Gletscherstraße bleibt vorerst gesperrt, da Teile der Straße weggespült wurden und die Schäden noch weiter untersucht werden müssen.

Südtirol räumt weiter auf

Auch direkt über der Grenze in Südtirol wird nach den schweren Gewittern vom Sonntag immer noch hart gearbeitet. Besonders das Gebiet zwischen Meran und Hafling wurde schwer getroffen. Dort mussten 69 Menschen ihre Häuser verlassen, mehrere Personen wurden leicht verletzt und verschiedene Häuser sind vorerst unbewohnbar. In der Region fielen innerhalb einer Stunde etwa 50 Millimeter Regen. Dadurch löste sich eine Mure, die über den Weißplatterbach in Richtung des Gebiets um den Naifdammweg zog. Häuser wurden bis zum zweiten Stock von Schlamm und Geröll getroffen. Feuerwehr, Zivilschutz und Baufirmen sind immer noch damit beschäftigt, Straßen zu räumen, Auffangbecken zu leeren und die Hänge zu sichern.

Gewitter bleiben ein Risiko in den Bergen

Die Situation zeigt erneut, wie schnell das Wetter in den Alpen gefährlich werden kann. Besonders nach warmen Tagen können heftige Gewitter in kurzer Zeit viel Regen und Hagel verursachen. Kleine Bergbäche können sich dann blitzschnell in Muren verwandeln, die Straßen, Brücken und Gebäude beschädigen. Wer in den kommenden Tagen in Tirol, Südtirol oder anderen Teilen der Alpen unterwegs ist, sollte die aktuellen Wettervorhersagen, Verkehrsinformationen und lokalen Warnungen gut im Auge behalten.

Teile diesen Artikel:

Wonach suchen Sie?

Wonach suchen Sie?