Fellhorn: Rechtsstreit um neue Scheidtobelbahn beendet, Lift öffnet kommenden Winter

Im deutschen Skigebiet Fellhorn-Kanzelwand im Oberallgäu wurde ein langjähriger Konflikt um den Neubau der Scheidtobelbahn außergerichtlich beigelegt. Die Naturschutzorganisation LBV zieht ihre Klage zurück, der Betreiber sagt zusätzliche Naturschutzmaßnahmen zu. Dadurch kann der neue Sessellift noch in dieser Saison gebaut werden und soll im kommenden Winter in Betrieb gehen.

Kurz zusammengefasst

  • Der LBV und der Betreiber des Skigebiets haben einen Vergleich über die neue Scheidtobelbahn geschlossen. Der LBV zieht seine laufende Klage zurück; der zuvor verhängte Baustopp wird damit aufgehoben.
  • Ein Gebiet von etwa 2,4 Hektar wird im Winter für Skiurlauber gesperrt, als Schutzgebiet für das Birkhuhn.
  • Der neue Sessellift kann noch in der laufenden Saison gebaut werden und soll im kommenden Winter laufen.

Scheidtobelbahn darf noch in dieser Saison gebaut werden

Das Skigebiet Fellhorn-Kanzelwand liegt im Oberallgäu, an der Grenze zum österreichischen Kleinwalsertal. Rund um den geplanten Neubau der Scheidtobelbahn gab es schon länger einen Konflikt zwischen Naturschützern, dem Bergbahnbetreiber, der Politik und dem Verwaltungsgericht in Augsburg. Dieses Gericht verhängte Anfang Juli einen vorläufigen Baustopp für das Millionenprojekt. Lies hier mehr über den Baustopp

Am Dienstag gaben der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und der Betreiber bekannt, dass sie sich außergerichtlich geeinigt haben. Im Austausch für zusätzliche, verbindlich vereinbarte Naturschutzmaßnahmen zieht der LBV seine laufenden Verfahren zurück. Dadurch kann der neue Sessellift noch in der laufenden Saison gebaut werden und soll im kommenden Winter in Betrieb gehen.

2,4 Hektar für das Birkhuhn gesperrt

Der Kern der Vereinbarungen dreht sich um den Schutz bedrohter Tierarten. Ein Gebiet von etwa 2,4 Hektar unterhalb der Mittelstation wird im Winter für Skiurlauber gesperrt. Diese Zone dient als Rückzugsgebiet für das Birkhuhn, von dem am Fellhorn eine größere Population lebt.

Für Skiurlauber bedeutet dies, dass ein Teil des Geländes bei der Mittelstation künftig nicht mehr zugänglich ist. Eine weitere Off-Piste-Nutzung in dieser Zone wird damit ausgeschlossen.

Maßnahmen für Libellen und andere alpine Arten

Neben der Sperrzone wird es weitere Maßnahmen geben. Für die Alpen-Mosaikjungfer, eine bedrohte Libellenart, wird ein Fünfjahresplan erstellt, um die Art im Gebiet zu schützen. Zudem legt der Betreiber unter anderem Wasserstellen an, um seltenen alpinen Arten zu helfen. Laut LBV profitieren davon neben dem Birkhuhn auch Arten wie der Zitronenzeisig und die Waldbirkenmaus.

Naturschützer bleiben kritisch

Der LBV betont, dass der Vergleich keine nachträgliche Genehmigung aller Eingriffe ist. „Die Vereinbarung bedeutet nicht, dass der LBV nachträglich allen Eingriffen zustimmt. Unsere grundlegenden fachlichen Einwände sind berechtigt“, so Geschäftsführer Helmut Beran. Seiner Meinung nach verbessert der Vergleich jedoch den Schutz der betroffenen Arten im Vergleich zu dem, was zuvor genehmigt worden war.

Der Betreiber räumt ein, dass die Vereinbarungen zusätzliche Anstrengungen erfordern, sieht in der Lösung jedoch ein Ergebnis, das sowohl der Region als auch dem Naturschutz zugutekommt.

Was jetzt passiert

Mit dem Rückzug der Klage entfällt die rechtliche Blockade und der Bau der Scheidtobelbahn kann fortgesetzt werden. Der neue Sessellift soll laut Betreiber im kommenden Winter in Betrieb gehen. Ein genaues Eröffnungsdatum wurde noch nicht bekannt gegeben. Wir behalten die Entwicklungen im Auge.

Lies auch über das andere Lift-Update in Oberstdorf Kleinwalsertal: Neue Walmendingerhornbahn nimmt Gestalt an: Eröffnung für Heiligabend 2026 geplant

Teile diesen Artikel:

Wonach suchen Sie?