Strengere Umweltauflagen für den Ausbau des Pitztaler und Kaunertaler Gletschers

Die geplante Erweiterung der Skigebiete auf den Gletschern des Pitztals und des Kaunertals darf vorerst nicht ohne eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt werden. Dies hat das österreichische Bundesverwaltungsgericht in einer aktuellen Entscheidung bestätigt. Das Urteil gilt für den Pitztaler Gletscher, aber ein ähnliches Ergebnis wird auch für das Kaunertal erwartet.

Umweltprüfung für neue Lifte und Pisten

Zusammen planen die beiden Gletschergebiete in Tirol eine Investition von rund 45 Millionen Euro, um zwei Seilbahnen und 28 Hektar neue Pisten zu bauen. Vor allem auf der Kaunertaler Seite geht es dabei um die erstmalige Erschließung des Gepatschferners. Auf dem Kaunertaler Gletscher sind eine Funifor-Bahn (Gondelbahn mit vier Seilen und hohem Windwiderstand) und eine neue Skiroute geplant. Laut den zuständigen Behörden handelt es sich dabei um eine völlig neue Erschließung eines Gletschergebiets, die automatisch eine UVP erforderlich macht.

Karlesferner in Sichtweite auf dem Pitztaler Gletscher

Auch am Pitztaler Gletscher soll das Karlesfernergebiet erstmals für den Skiurlaub zugänglich gemacht werden. Laut dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts handelt es sich dabei um Eingriffe in die Kernzonen des Gletschergebiets, die „erhebliche schädliche und belastende Umweltauswirkungen“ erwarten lassen. Die Pläne gehen also über marginale Anpassungen hinaus. Eine UVP ist daher auch für diese unumgänglich.

Zeitplan ungewiss, Konsequenzen groß

Die Gletscherunternehmen hatten sich bisher gegen die UVP-Verpflichtung gewehrt, aber jetzt bekommen sie dafür eine Nullnummer. Die Entscheidung bedeutet eine erhebliche Verzögerung für das gemeinsame Ausbauprojekt. Zumal frühere ähnliche Pläne, wie das viel diskutierte – und nun eingestellte – Projekt, den Pitztaler Gletscher mit Sölden zu verbinden, auf massiven sozialen und ökologischen Widerstand stießen.

Umstritten, aber ehrgeizig

Die Ausbaupläne kommen zu einem heiklen Zeitpunkt. Die österreichischen Gletscher stehen aufgrund des Klimawandels unter Druck und der Ausbau wird zunehmend kritisiert. Gleichzeitig suchen kleinere Skigebiete nach Möglichkeiten, ihre Zukunft zu sichern. In diesem Zusammenhang wird der Bau neuer Höheninfrastruktur als eine Möglichkeit gesehen, die Schneesicherheit zu erhalten.

Ob und wie die Projekte auf dem Pitztaler und Kaunertaler Gletscher vorangetrieben werden, hängt vom Ergebnis der nun obligatorischen Umweltprüfungen und der öffentlichen Debatte ab, die damit zweifellos wieder aufflammen wird.

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