Wer glaubt, clever zu sein und eine Saisonkarte über WhatsApp oder eine Gebrauchtseite zu ‚mieten‘, wird betrogen. Der illegale Handel mit Skipässen in Österreich nimmt besorgniserregende Ausmaße an. Laut Experten ist der aktuelle Betrug nur die Spitze des Eisbergs, während sich der Schaden auf Hunderttausende von Euro beläuft.
In kürzem
- Der illegale Handel mit Skipässen über WhatsApp-Gruppen und soziale Medien verursacht einen Schaden von Hunderttausenden von Euro.
- Skigebiete setzen jetzt KI und strenge Kontrollen ein, wobei Betrüger ihren Pass direkt verlieren und Bußgelder oder Rechtsstreitigkeiten riskieren.
Betrug
In einem Interview mit ServusTV schlägt Hansjörg Kogler, Vorsitzender der Snow Card Tirol, Alarm. Obwohl der Prozentsatz derzeit auf etwa 2 bis 3 Prozent ihrer Pässe geschätzt wird, befürchtet man, dass die tatsächliche Zahl viel höher liegt. „Es ist Betrug“, so Kogler.
WhatsApp-Gruppen mit vielen Mitgliedern
Der Handel findet längst nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand statt. Auf Plattformen wie Willhaben und sozialen Medien werden Pässe aktiv zur Miete angeboten. Es wurde sogar eine WhatsApp-Gruppe mit rund 1000 Teilnehmern entdeckt, in der Skipässe angeboten und gesucht werden. Es handelt sich hierbei vor allem um Studenten, so die Vermutung.
Um einer Entdeckung vorzubeugen, gehen Betrüger raffiniert vor. Es werden Personenbeschreibungen ausgetauscht: Der ‚Mieter‘ muss vom Aussehen und der Haarfarbe her schließlich ein wenig der Person auf dem Passfoto ähneln.
Die Folgen: hohe Geldstrafen und Anzeigen
Die Kontrolle auf den Pisten wird jedoch immer strenger. Wer mit einem Pass erwischt wird, der nicht auf seinen Namen lautet, muss vor Ort ein neues Ticket kaufen, aber die eigentlichen Probleme hat der rechtmäßige Eigentümer:
- Der Pass wird sofort gesperrt: Sie als ‚Vermieter‘ sind Ihre teure Saisonkarte sofort los. Der Mieter muss ’nur‘ einen neuen Skipass kaufen.
- Bußgelder: Dem Eigentümer drohen hohe Geldstrafen.
- Strafrechtliche Verfolgung: Es kann Anzeige erstattet werden, was zu einem Gerichtsverfahren führen kann.
Schwarz auf weiß
In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen großer Pässe wie der Snow Card Tirol und dem Freizeitticket Tirol steht nämlich schwarz auf weiß, dass die Weitergabe des Passes an Dritte strengstens untersagt ist. Die Skipässe sind nicht übertragbar. Und dasselbe gilt für die anderen Pässe, das finden Sie schnell auf den Webseiten der Skigebiete. Auch wenn Sie für eine Woche in einem Skigebiet sind, können Sie nicht einfach einen Skipass teilen. Möchten Sie sparen? Dann haben wir hier ein paar Spartipps für Sie (auf Snowplaza).
Einsatz von künstlicher Intelligenz
Skigebiete schlagen jetzt mit modernen Techniken zurück. In Kitzbühel wird derzeit ein System mit künstlicher Intelligenz getestet. Diese KI vergleicht Fotos der Passinhaber an den Liftportalen und filtert die Zweifelsfälle direkt heraus. Es wird erwartet, dass dieses System ab dem nächsten Jahr breit eingesetzt wird, um den Betrug endgültig zu stoppen.
Skipass teilen kann mit speziellem Pass
Möchten Sie Ihren Skipass mit beispielsweise Ihrem Partner teilen? Das ist in einigen Fällen möglich, aber dafür benötigen Sie einen speziellen Pass. So gibt es in der Ski amadé beispielsweise das Young Family Ticket. Damit können Eltern auf demselben Pass abwechselnd Ski fahren. Daran sind dann aber wieder bestimmte Bedingungen geknüpft. So müssen sowohl die beiden Elternteile als auch das Kind auf dem Foto abgebildet sein. Auch andere Skigebiete wie Serfaus-Fiss-Ladis bieten einen solchen Pass für junge Eltern an. Und Dolomiti Superski hat einen Familienpass, den Sie mit der ganzen Familie teilen können. Dafür gelten wieder andere Bedingungen.
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Häufig gestellte Fragen zum Thema Skipassbetrug
Nein. Prinzipiell nicht. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Skipässen (wie der Snow Card Tirol) steht explizit, dass der Pass streng persönlich ist. Das Verleihen oder Vermieten eines Passes wird offiziell als Betrug angesehen. Es gibt jedoch spezielle Familienpässe in einigen Skigebieten zu kaufen, für die andere Regeln gelten.
Laut Hansjörg Kogler von der Snow Card Tirol wird geschätzt, dass 2 bis 3 % ihrer Pässe illegal genutzt werden, aber dies ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Der Gesamtschaden beläuft sich auf Hunderttausende von Euro.
Der Handel findet auf Social Media und Plattformen wie Willhaben (dem österreichischen Marktplaats) statt. Es gibt sogar WhatsApp-Gruppen mit mehr als 1.000 Teilnehmern, in denen Pässe angeboten und gesucht werden, einschließlich einer Beschreibung des Aussehens des Passinhabers, um die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung zu verringern.






