In Mailand laufen massive Korruptionsermittlungen, die sich auf große Stadtentwicklungsprojekte konzentrieren, darunter der Bau des Olympischen Dorfes für die Winterspiele 2026. Inzwischen steht auch Bürgermeister Giuseppe Sala offiziell im Visier der Justiz. Der Fall sorgt für große Unruhe in der Stadtpolitik und wirft auch einen Schatten auf die kommenden Spiele.
Bürgermeister schockiert: „Aus der Zeitung erfahren, dass ich verdächtigt werde
Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala, der dem Mitte-Links-Lager angehört, zeigte sich bei einer Krisensitzung mit seinen engsten Vertrauten sichtlich verzweifelt. „Es ist verrückt, dass ich aus der Zeitung erfahre, dass ich verdächtigt werde, anstatt von der Staatsanwaltschaft selbst informiert zu werden“, erklärte er. Die italienische Zeitung La Repubblica berichtete zuerst am Dienstag über die Nachricht, woraufhin der politische Druck schnell zunahm. Die Oppositionsparteien Fratelli d’Italia (FdI) und die Lega forderten, dass Sala im Gemeinderat zur Rechenschaft gezogen wird. Er hat versprochen, sich am Montag dazu zu äußern.
Illegale Absprachen rund um das Olympische Dorf?
Die Ermittlungen der italienischen Staatsanwaltschaft konzentrieren sich auf mutmaßlich illegale Absprachen und Korruption in mehreren Bauverfahren in Mailand. Eines der zentralen Projekte: das Olympische Dorf, das im nächsten Winter während der Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina Tausende von Athleten beherbergen soll. Die Justiz vermutet, dass Ausschreibungen und Genehmigungen auf unfaire Weise durchgeführt wurden, wobei Bestechung und Machtmissbrauch als mögliche Straftaten gelten. Insgesamt stehen derzeit 74 Personen unter Verdacht. Letzte Woche wurde die Verhaftung von sechs beteiligten Personen beantragt.
Bekannte Namen im Fadenkreuz
Zu den Verdächtigen gehören prominente Persönlichkeiten aus der Mailänder Stadtverwaltung und der Immobilienbranche:
- Giancarlo Tancredi, Stadtrat für Stadtentwicklung
- Manfredi Catella, CEO des Immobilienriesen Coima
- Stefano Boeri, international bekannter Architekt
- Giuseppe Marinoni, Vorsitzender des Landschaftsausschusses bis April
Nach Angaben der Justiz stand Marinoni angeblich unter dem Druck von Sala und seiner Entourage und handelte daher bei der Überprüfung der Projektakten nicht unabhängig.
Politik und Image der Winterspiele auf dem Spiel
Der Fall ist ein weiterer Vorfall, der die Mailänder Gemeinde unter Salas Führung betrifft. Dass die Verdächtigungen nun auch das Olympische Dorf betreffen, macht die Sache besonders schmerzhaft: Italien will sich auf der Weltbühne für die Spiele 2026 als modernes und transparentes Veranstalterland präsentieren. Kritiker warnen, dass der Skandal dem Image der Veranstaltung und dem Vertrauen der internationalen Partner ernsthaft schaden könnte. Es ist noch unklar, ob sich die Ermittlungen auf den Fortschritt der Bauprojekte auswirken werden. Für den Moment halten die Beteiligten den Atem an.
Sala Position wackelig
Bürgermeister Sala bleibt vorerst im Amt, aber seine Position scheint wackelig zu sein. Sein Auftritt bei der Stadtratssitzung am Montag wird entscheidend sein. Nicht nur für seine politische Zukunft, sondern auch für das Vertrauen in die Mailänder Cortina-Spiele.
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