Französisches Skigebiet entfernt nach Skandal um sexuellen Missbrauch den Namen von der Piste

Das französische Skigebiet La Rosière hat angekündigt, dass es alle Hinweise auf den ehemaligen Ski-Olympioniken Joël Chenal von einer seiner Pisten entfernt. Der Schritt erfolgt nach schweren Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs durch mehrere ehemalige junge Skitalente.

Schwere Vorwürfe gegen Ex-Top-Trainer

Auslöser ist ein Artikel in der französischen Zeitung Le Monde, in dem fünf Skifahrerinnen über sexuelle grenzüberschreitende Handlungen von Chenal, dem ehemaligen Olympioniken und Ex-Trainer des französischen Skiteams, berichteten. Dem Artikel zufolge näherte er sich den Mädchen, von denen einige damals minderjährig waren, über E-Mails und soziale Medien, wobei die Gespräche schnell eine sexuelle Wendung nahmen. Nach der Veröffentlichung berichteten sieben weitere Frauen von ähnlichen Erlebnissen.

Junge Opfer

Die Berichte decken einen Zeitraum von 16 Jahren ab, zwischen 2005 und 2021. Chenal, der bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin Silber gewann, nutzte seinen Status aus, um junge Skitalente zu kontaktieren, angeblich als Trainer. Eines der Opfer gibt an, dass er sie jahrelang belästigt hat, vom Alter von 11 Jahren bis sie 18 war. „Er schickte Nachrichten, während er Pornos schaute, versprach mir Geld und ließ mich wissen, dass er eine Erektion hatte“, sagt sie. Außerdem soll er sie während einer Autofahrt ignoriert haben, weil sie nicht über Sex reden wollte.

La Rosière schreitet sofort ein

Obwohl die Ermittlungen gegen Chenal noch nicht abgeschlossen sind, hat La Rosière bereits Sofortmaßnahmen ergriffen. Die Piste, die seinen Namen trug, wird mit sofortiger Wirkung in „Slalomstadion“ umbenannt. In einer Erklärung in den sozialen Medien heißt es: „Mit großer Empörung haben wir von den schwerwiegenden Anschuldigungen gegen Herrn Joël Chenal erfahren. La Rosière steht für Respekt, Solidarität und Integrität. Um unsere Werte zu stärken und aus Respekt vor den mutmaßlichen Opfern, entfernen wir alle Hinweise auf ihn.“

Systematisches Problem im französischen Skiteam?

Dies ist nicht der erste Skandal innerhalb des französischen Skiverbands. Anfang dieses Jahres wurde bereits aufgedeckt, dass Skifahrerinnen innerhalb der Nationalmannschaft strukturell ausgeschlossen und verunglimpft wurden. Sie sprachen von einer Kultur mit „Patrons“ versus „jodidas princesas“ (frei übersetzt: „die verdammten Prinzessinnen“), in der Mobbing und psychologischer Druck an der Tagesordnung waren.

Film Slalom: ähnliche Geschichte

Bemerkenswerterweise kam 2020 der Film Slalom in die Kinos, der eine ähnliche Geschichte über ein 15-jähriges Skitalent erzählt, das unter dem Druck eines Ex-Champions emotional und körperlich manipuliert wird. Damals schien es Fiktion zu sein – aber inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Realität sehr nahe ist.

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