Neue Verzögerung für Skiverbindung Sillian-Sexten: Plan komplett umgeworfen

Die lang ersehnte Skiverbindung zwischen Sillian in Osttirol und Sexten in Südtirol verzögert sich weiter. Der ursprünglich geplante Lift auf österreichischem Staatsgebiet kann nicht gebaut werden, da die Trasse durch sensible Natur und Lebensräume geschützter Vogelarten verläuft. Die Schultz Gruppe entscheidet sich daher für einen komplett neuen Plan mit zwei separaten Liften und einem Umstieg an der Leckfeldalm.

Kurz zusammengefasst

  • Die ursprüngliche Liftverbindung auf der österreichischen Seite wird nicht realisiert.
  • Die geplante Trasse verläuft durch sensible Biotope und Brutgebiete, unter anderem von Schneehühnern.
  • Im neuen Plan sind zwei Lifte statt einem vorgesehen.
  • Skiurlauber müssen künftig an der Leckfeldalm umsteigen.
  • Vereinbarungen mit Grundeigentümern müssen neu verhandelt werden.
  • Die Initiatoren hoffen, die neuen Unterlagen noch im Jahr 2026 einzureichen.
  • Eine eventuelle Genehmigung wird frühestens für 2027 erwartet.

Ein einzelner Lift erweist sich als nicht machbar

Die geplante Verbindung zwischen dem Skizentrum Hochpustertal bei Sillian und dem Skigebiet 3 Zinnen Dolomites in Südtirol wird bereits seit Jahrzehnten diskutiert. Auf österreichischer Seite war bisher ein einzelner Lift geplant, der vom Tal zur Hochgrube, kurz oberhalb der Sillianer Hütte, führen sollte.

Bei der Vorbereitung der Umweltverträglichkeitsprüfung stellte sich heraus, dass die gewählte Trasse durch ökologisch sensible Gebiete verläuft. Entlang der Route befinden sich unter anderem Lebens- und Brutgebiete von Raufußhühnern, darunter das Alpenschneehuhn. Laut den beteiligten Parteien würde die Schultz Gruppe unter diesen Umständen keine Genehmigung für den bestehenden Plan erhalten. Zudem gab es Fragen zur Sicherheit und zu den Möglichkeiten, Passagiere bei einer Störung oder einem Zwischenfall zu evakuieren.

Neue Route mit Umstieg an der Leckfeldalm

Das Projekt ist nicht vom Tisch, wird aber völlig neu geplant. Anstelle einer durchgehenden Seilbahn wird es auf der österreichischen Seite zwei verschiedene Anlagen geben. Der erste Lift startet, wie zuvor geplant, bei den bestehenden Liften in Sillian und führt zur Leckfeldalm. Dort müssen Skiurlauber in eine Pendelbahn mit zwei großen Kabinen umsteigen. Diese bringt sie anschließend zur Hochgrube, etwas oberhalb der Sillianer Hütte und nahe der Grenze zu Italien.

Durch den Zwischenstopp entsteht auch die Möglichkeit, bereits an der Leckfeldalm auszusteigen und von dort abzufahren. Nicht jeder Skiurlauber muss dadurch automatisch bis zum höchsten Punkt der Verbindung fahren.

Warum entscheidet man sich für eine Pendelbahn?

Für den oberen Abschnitt wurde bewusst eine Pendelbahn gewählt. Dieser Lifttyp benötigt deutlich weniger Liftstützen als eine normale Gondelbahn mit umlaufenden Kabinen.

Dadurch sind weniger Eingriffe in die Berglandschaft nötig und die Route kann leichter um die sensiblen Naturgebiete herumgeführt werden. Eine Pendelbahn ist zudem relativ windstabil.

Auch bei Lawinensprengungen bietet dieser Lifttyp Vorteile. Wenn im Gebiet präventive Lawinensprengungen nötig sind, lässt sich der Betrieb laut Maximilian Schultz besser organisieren als bei dem ursprünglich geplanten Lift.

Neue Gespräche mit Grundeigentümern erforderlich

Die geänderte Route bedeutet, dass früher getroffene Vereinbarungen mit Grundeigentümern nicht mehr zum Projekt passen. Die alten Verträge und Dienstbarkeiten basierten auf der ursprünglichen Trasse und müssen neu abgeschlossen werden. Die Gespräche mit den betroffenen Grundeigentümern haben bereits begonnen. Erst wenn hierüber ausreichend Einigkeit besteht, können die neuen Pläne vollständig eingereicht werden.

Die Schultz Gruppe hofft, alle angepassten Unterlagen noch im Jahr 2026 beim Land Tirol einreichen zu können. Wenn die Verfahren danach ohne neue größere Probleme verlaufen, könnte 2027 eine Entscheidung über die Genehmigung folgen. Ein konkreter Baubeginn oder Eröffnungstermin ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Umweltverfahren muss neu in Gang kommen

Die Umweltverträglichkeitsprüfung für den vorherigen Plan war bereits ins Stocken geraten. Die zuständige Behörde in Tirol hatte der Projektgesellschaft aufgegeben, die eingereichten Unterlagen zu ergänzen. Hierfür galt eine Frist bis Oktober 2026. Die eigentliche Umweltprüfung kann erst beginnen, wenn alle Unterlagen vollständig sind. Durch die einschneidende Änderung der Trasse und den Einsatz von zwei verschiedenen Liften muss ein Großteil des Projekts neu ausgearbeitet werden. Die Anpassung sorgt zudem für höhere Kosten. Bei einer Projektpräsentation im Jahr 2023 war noch von einer Gesamtinvestition von rund 60 Millionen Euro die Rede. Wie viel die neue Ausführung mit zwei Liften kosten wird, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Südtiroler Teil bleibt unverändert

Die Anpassungen beziehen sich nur auf den österreichischen Teil der Verbindung. Auf der Seite von Sexten verfügt die 3 Zinnen AG bereits seit 2020 über eine Genehmigung für ihr eigenes Projekt. Laut dem Südtiroler Liftbetreiber hat die neue Planung bei Sillian keine Auswirkungen auf die geplante Trasse auf dem Gemeindegebiet von Sexten. Die 3 Zinnen AG vertraut weiterhin auf die Verbindung und verfolgt die Überarbeitung des österreichischen Teils. Die Schultz Gruppe und die 3 Zinnen AG besitzen jeweils 50 % der gemeinsamen Projektgesellschaft Hochgruben Seilbahn GmbH.

Zugang zu 3 Zinnen Dolomites und Dolomiti Superski

Die Verbindung ist vor allem für Osttirol von großer Bedeutung. Skifahrer aus Sillian hätten nach der Fertigstellung direkten Zugang zu 3 Zinnen Dolomites und damit zu Dolomiti Superski. Was geografisch relativ einfach erscheint, erweist sich in der Praxis seit mehr als vierzig Jahren als schwierig umsetzbar. Genehmigungen, Naturwerte, Grundeigentum und technische Anforderungen sorgten immer wieder für Verzögerungen.

Das Projekt bleibt bestehen, aber durch die komplette Neuplanung verschiebt sich die Realisierung erneut nach hinten. Zuerst müssen die Vereinbarungen mit den Grundeigentümern erneuert werden und die angepassten Unterlagen das österreichische Genehmigungsverfahren durchlaufen.

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