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Neue Studie: Kein Skihelm schützt bei Geschwindigkeiten über 50 km/h

Mittlerweile fährt fast jeder mit einem Skihelm Ski. Das ist zwar nicht in allen Ländern Pflicht, aber die überwiegende Mehrheit der Wintersportler trägt einen. Dennoch zeigen neue Tests, dass dieser vertraute Helm uns viel weniger schützt, als wir denken. Kein einziges getestetes Modell bietet ausreichenden Schutz bei Geschwindigkeiten, die für viele Wintersportler ganz normal sind.

Im Überblick:

  • Ein Schweizer Unternehmen untersuchte 16 beliebte Skihelme.
  • Kein Helm schützt gut über 50 km/h – und viele Wintersportler fahren sogar schneller.
  • Die aktuelle Norm testet nur bis 20 km/h, was veraltet ist.
  • Experten fordern neue Normen und besseren Schutz vor Rotationskräften, die derzeit kaum getestet werden.
  • Trotz Einschränkungen bleibt ein Helm beim Skifahren und Snowboarden dringend empfohlen.

Skihelme sind für 20 km/h ausgelegt

Eine neue Studie hat ein Problem aufgedeckt: Die gesetzliche Norm EN 1077 testet Skihelme auf Aufprallgeschwindigkeiten bis 20 km/h. Das war einst logisch, als Freizeitskifahren langsamer und weniger technisch war. Doch die Realität auf der Piste ist heute völlig anders. Laut der Schweizer Unfallversicherung SUVA fahren 75 % der Wintersportler schneller als 50 km/h und fast jeder Fünfte erreicht sogar 75 km/h. Ein Helm, der für Aufprallgeschwindigkeiten von 20 km/h ausgelegt ist, kann diese höheren Geschwindigkeiten nicht abfangen, und das zeigen die Testergebnisse deutlich.

Testergebnisse: Keine Marke hält über 50 km/h stand

In der Schweiz wurden 16 Modelle bekannter Marken getestet, darunter Oakley, Uvex, Atomic, Head, Salomon, Giro, POC und Wedze. Das Ergebnis war eindeutig: Kein einziges Modell kann einen Aufprall bei 50 km/h oder einen Frontalzusammenstoß zwischen zwei Skifahrern, die jeweils 35 km/h fahren, abfangen. Bei solchen Geschwindigkeiten kann eine Aufprallkraft von bis zu 2400 G entstehen. Das ist laut biomechanischen Experten vergleichbar mit einem potenziell tödlichen Schlag.

Warum die Norm veraltet ist

Die aktuelle gesetzliche Norm testet nur lineare Schläge, während die Gefahr auf der Piste oft durch rotierende Aufprälle verursacht wird. Zum Beispiel, wenn man schräg stürzt oder mit dem Helm an einer harten Oberfläche entlanggleitet. Gerade diese Drehbewegung ist extrem belastend für das Hirngewebe. Selbst Skihelme mit einem sogenannten MIPS-System bieten dabei keine Garantie. Der erkennbare gelbe Aufkleber sagt laut Experten vor allem etwas über die Anwesenheit des Systems aus, nicht über den tatsächlichen Schutz in schwerwiegenderen Szenarien.

Können Skihelme in Zukunft doch bei 50 km/h schützen?

Experten sind sich einig: Einen vollständigen Schutz bis 50 km/h zu gewährleisten, ist wahrscheinlich unmöglich, aber die Norm könnte deutlich angehoben werden. Forscher glauben, dass Skihelme in Zukunft etwa doppelt so stark werden könnten, möglicherweise bis zu etwa 40 km/h. Das würde viel besser zur Geschwindigkeit passen, mit der durchschnittliche Skifahrer heutzutage abfahren.

Hersteller reagieren

Marken wie Giro, POC, Head und Decathlon betonen, dass ihre Skihelme die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen vollständig erfüllen. Sie weisen darauf hin, dass die Tests von RTS und anderen Medien außerhalb der bestehenden Norm liegen. Helme werden entwickelt, um vor den häufigsten Stürzen zu schützen, aber nicht vor jedem möglichen Szenario. Dennoch wächst der Druck, die Norm zu modernisieren, da sich das Freizeitskifahren durch bessere Skier, breitere Pisten und höhere Geschwindigkeiten enorm verändert hat.

Was bedeutet das für dich als Wintersportler?

Die wichtigste Schlussfolgerung ist klar: Ein Skihelm bleibt absolut notwendig, bietet aber keinen vollständigen Schutz bei extremen Geschwindigkeiten. Wintersportler sollten sich bewusst sein, wie schnell sie tatsächlich unterwegs sind. Auf belebten Pisten, bei schlechter Sicht oder bei Müdigkeit steigt das Kollisionsrisiko. Ein Helm verringert das Risiko schwerer Verletzungen, beseitigt es aber nicht. Gerade deshalb bleiben Faktoren wie Geschwindigkeit, Abstand halten und das Einhalten der FIS-Pistenregeln entscheidend.

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