In diesem Skilift sitzt bald vielleicht ein echter Jacuzzi

Vergiss Sitzheizung, Champagner-Gondeln und Panoramakabinen: Wenn es nach dem 27-jährigen Österreicher Paul Demschar geht, steigen wir demnächst in Badekleidung in den Skilift. Der Ingenieur und Doktorand der Montanuniversität Leoben hat eine echte Whirlpool-Gondel entwickelt. Während einer Fahrt von maximal 30 Minuten entspannen zwei Passagiere in 400 bis 500 Litern warmem, sprudelndem Wasser. Das System wurde zum Patent angemeldet und sogar der Skilifthersteller Doppelmayr sieht Möglichkeiten.

Kurz zusammengefasst

  • Paul Demschar entwickelte die „Bubble Peak Whirlpoolgondel“.
  • In der Kabine ist Platz für zwei Badegäste und 400 bis 500 Liter Wasser.
  • Das Wasser bleibt während einer Fahrt von maximal 30 Minuten warm und in Bewegung.
  • Eine Wasserstation im Bahnhof kann bis zu sechs Gondeln bedienen.
  • Sechs Kabinen und die Wasserstation kosten zusammen etwa 230.000,– €.

Vom Skilift-Fan zum Erfinder

Dass ausgerechnet Paul Demschar auf diese Idee kommt, ist kein Zufall. Der Österreicher ist schon seit seiner Kindheit von Skiliften und allem, was dazugehört, fasziniert. Im Alter von sechs Jahren bekam er von seiner Tante einen alten Schleppliftbügel. Fünf Jahre später folgte ein Sessel eines Einersessellifts.

Mittlerweile besitzt Demschar eine umfangreiche Sammlung alter Liftsessel, Bügel und Schilder. Sein Interesse gilt vor allem der Technik und der Geschichte von Skiliften. Der 27-jährige Dipl.-Ing. arbeitet heute als Doktorand am Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft der Montanuniversität Leoben.

Ein Jacuzzi in einer fahrenden Gondel

Ein Becken mit warmem Wasser in eine Gondel zu hängen, klingt einfach, aber technisch ist es ziemlich anspruchsvoll. Wasser bewegt sich, ist schwer und muss sauber sowie auf Temperatur bleiben. Außerdem möchte man lieber keinen Strom neben einem schwappenden Whirlpool haben, ohne dass das Ganze gut durchdacht ist.

Demschar arbeitete deshalb zweieinhalb Jahre lang mit Maschinenbauern und Verfahrenstechnikern an seiner „Bubble Peak Whirlpoolgondel“. Die Kabine hat ein maximales Gesamtgewicht von 800 kg. Darin ist Platz für 400 bis 500 Liter Wasser und zwei Badegäste.

Während der Fahrt wird das Wasser ständig umgewälzt und auf Temperatur gehalten. Das funktioniert maximal 30 Minuten lang: genug Zeit, um nach oben und wieder zurück ins Tal zu schweben. Danach muss die Gondel in der Station erneut an die Wasserstation angeschlossen werden.

Wasseraufbereitung bleibt in der Station

Eine wichtige Herausforderung war die Hygiene. Die Lösung besteht aus zwei separaten Teilen. Das Bad und die Zirkulation befinden sich in der Gondel, während die Anlage zur Aufbereitung und Erneuerung des Wassers in der Liftstation bleibt.

Nach jeder Fahrt wird die Kabine erneut an diese Anlage angeschlossen. Da unterwegs keine anderen Passagiere zusteigen, sieht Demschar kein hygienisches Problem. Eine Wasserstation kann bis zu sechs Whirlpool-Gondeln bedienen.

Die speziell entwickelten Kabinen könnten zudem ohne große Umbauten zwischen die normalen Gondeln gehängt werden. Das System ist sowohl für Einseil- als auch für Dreiseilumlaufbahnen gedacht.

Vor allem für den Sommer gedacht

Obwohl wir bei einer Gondel sofort an Skiurlaub denken, sieht Demschar vor allem Möglichkeiten im Sommer. Moderne Skilifte können viele Menschen befördern und sind im Winter gut ausgelastet, werden im Sommer aber oft weniger intensiv genutzt.

Gleichzeitig investieren immer mehr Bergdestinationen in Wellness und besondere Erlebnisse. Die Whirlpool-Gondel bringt diese zwei Entwicklungen zusammen. Denk nur an eine Fahrt während des Sonnenuntergangs, eventuell kombiniert mit einem Abendessen im Tal.

Die Kabine kann auch unabhängig von einem Skilift genutzt werden. Ein Hotel könnte die Gondel beispielsweise als besonderen Jacuzzi auf dem Dach platzieren. In diesem Fall ist eine getrennte Wasserstation nicht erforderlich.

Doppelmayr will Gondeln bauen

Das Projekt ist mehr als nur eine nette Visualisierung. Laut der Wirtschaftskammer Steiermark hat Doppelmayr die technische Machbarkeit geprüft und grünes Licht gegeben. Der österreichische Skilifthersteller würde die Kabinen gerne fertigen.

Für sechs Whirlpool-Gondeln und eine Anlage zur Wasseraufbereitung wird derzeit von einer Gesamtinvestition von etwa 230.000,– € ausgegangen. Demschar hat seine Erfindung mittlerweile zum Patent angemeldet.

Wann und bei welchem Skilift die erste Kabine tatsächlich in Betrieb geht, ist noch nicht bekannt. Die Bilder, die derzeit kursieren, zeigen also nur, wie der Bubble Peak aussehen KÖNNTE. Von einer funktionierenden Jacuzzi-Gondel voller Badegäste kann vorerst noch keine Rede sein.

Wellness beginnt bald schon unterwegs

Wenn das Konzept Wirklichkeit wird, bekommt „Wellness am Berg“ plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Keine kalten Hände am Sicherheitsbügel, sondern warmes Sprudelwasser und Blick auf die Berge. Bleibt nur eine praktische Frage offen: Steigst du oben im Bademantel aus oder bleibst du einfach für die Rückfahrt sitzen?

Schau dir das Video über die Whirlpool-Gondel beim ORF an

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