In Levi wurde gestern ein besonderer Moment in der Geschichte des alpinen Skisports geschrieben. Lucas Pinheiro Braathen hat als erster Brasilianer überhaupt ein Weltcup-Rennen gewonnen. Unter der künstlichen Beleuchtung des Levi Black fuhr der 25-jährige Slalomspezialist schneller und präziser als die traditionellen Großmächte aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Norwegen. Sein Siegesruf „Vamos Brasil!“ ging um die Welt: ein Sieg, der weit über den sportlichen Ruhm hinausreicht.
Starker erster Lauf, atemberaubender zweiter
Braathen legte den Grundstein mit einem cleveren, kontrollierten ersten Lauf, in dem er oben geduldig blieb und unten volles Risiko einging. Das brachte ihm einen Vorsprung von gut vier Zehnteln ein. Aber mit Clement Noël und dem finnischen Publikumsliebling Eduard Hallberg in der Verfolgung war noch nichts entschieden. Im zweiten Lauf begann er überzeugend, aber ein fast fataler Fehler an einem steilen Stück schien ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Mit beeindruckenden Aufholkurven und festem Fokus hielt er jedoch stand. Die grünen Lichter am Ende der Piste bestätigten es: ein historischer brasilianischer Sieg war Tatsache.
Che gioia per Braathen! 🥹🇧🇷
— Eurosport IT (@Eurosport_IT) November 16, 2025
Lucas Pinheiro Braathen si conferma nella 2a manche dello slalom sulla Levi Black e diventa il primo atleta del Brasile a vincere una gara di Coppa del Mondo in questo sport 💛#EurosportSCI #Braathen #AlpineSkiing pic.twitter.com/ciU7KOeoYI
Emotionen, die über den Sport hinausgehen
An der Ziellinie sank Braathen in die Knie, nicht aus Erschöpfung, sondern aus Emotion. Die brasilianische Flagge in Lappland, 170 Kilometer nördlich des Polarkreises, wehen zu lassen, war für ihn ein persönlicher Sieg. Nachdem er zuvor ein Jahr aus dem Sport ausgestiegen war, seine Nationalität gewechselt und seine Freude wiedergefunden hatte, fühlte sich dieser Sieg wie eine Bestätigung seiner Entscheidungen an. „Dies ist ein Sieg für das, was ich bin, nicht nur für den Athleten“, sagte er später.
Podium voller Geschichten: Frankreich und Finnland jubeln mit
Hinter Braathen belegte der französische Olympiasieger Clement Noël mit nur 0,31 Sekunden Rückstand den zweiten Platz. Auch er zeigte, dass seine Form in Richtung der olympischen Saison stimmt. Das finnische Publikum erlebte zudem ein Traumszenario: Der junge Eduard Hallberg wurde Dritter und holte damit das erste finnische Slalom-Podium überhaupt in Levi. Auffällig war auch der vierte Platz des Briten Laurie Taylor, der mit dem schnellsten zweiten Lauf des Tages einen persönlichen Rekord aufstellte.
Mühsamer Tag für die etablierte Ordnung
Für einige Favoriten verlief das Rennen enttäuschend. Henrik Kristoffersen fand nie wirklich seinen Rhythmus und wurde Dreizehnter. Atle Lie McGrath schied nach einem Torfehler aus und Weltmeister Loïc Meillard kämpfte erneut mit dem Levi Black, wie so oft in seiner Karriere.
Ein Sieg mit Auswirkungen
Für Braathen ist das mehr als nur ein Sieg: Es ist die Bestätigung, dass seine persönliche Reise – vom Austritt aus dem norwegischen Team bis zur Wahl der Staatsbürgerschaft seiner Mutter – ihn näher zu sich selbst und zu seiner Topform gebracht hat. Die Welt des alpinen Skisports hat mit einem Schlag ein neues, internationales Aushängeschild bekommen.






