Gletschersee als Wasserquelle: Tirol gibt grünes Licht für Pläne in Sölden

In Sölden wird geprüft, ob Wasser aus einem natürlichen Gletschersee auf fast 2700 Metern Höhe für Kunstschnee eingesetzt werden kann. Es handelt sich um den Rettenbachsee, direkt neben dem Ziel der Weltcup-Piste am Rettenbachferner. Laut dem Land Tirol ist für diesen Plan keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich.

Im Überblick:

  • Sölden prüft Nutzung von Wasser aus dem Rettenbachsee für Kunstschnee
  • Land Tirol sieht keine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung
  • Umweltanwalt nennt dies umweltfreundlicher als einen neuen Stausee
  • Maximal 250.000 m³ Wasserentnahme, Wasserspiegel sinkt um ca. 4 Meter
  • Endgültige Genehmigungen und Folgenabschätzungen folgen noch

Natürlicher See, entstanden durch schmelzenden Gletscher

Der Rettenbachsee ist kein angelegter Stausee, sondern entstand in den letzten Jahren durch Gletscherschmelze. Der See liegt auf 2655 Metern Höhe, umfasst über sechs Hektar und enthält schätzungsweise 700.000 Kubikmeter Wasser. Dieses Wasser sehen die Ötztaler Gletscherbahnen als eine mögliche zusätzliche Quelle für die Schneeproduktion, die auch in großen Höhen immer wichtiger wird.

Keine UVP, aber weitere Genehmigungen erforderlich

Die Liftgesellschaft reichte Ende 2025 einen Antrag ein, um prüfen zu lassen, ob die Nutzung des Sees automatisch eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfordern würde. Das Land Tirol entschied Mitte Januar, dass dies nicht der Fall ist. Damit ist der Weg frei für die weitere Planung, obwohl die Behörden betonen, dass dies keine endgültige Genehmigung bedeutet. Für die tatsächliche Umsetzung sind noch separate Natur- und Wassergenehmigungen erforderlich. Erst in diesen Verfahren wird beurteilt, welche Auswirkungen auf Ökologie, Wasserhaushalt und Landschaft entstehen.

Umweltanwalt: besser als ein neuer Stausee

Auffällig ist, dass auch der Tiroler Umweltschutz den Plan nicht direkt ablehnt. Laut der Landesumweltanwaltschaft ist es ökologisch günstiger, Wasser aus einem bestehenden natürlichen See zu nutzen, als in großer Höhe ein neues künstliches Becken mit schweren baulichen Eingriffen anzulegen. Dabei wird jedoch betont, dass es sich um eine erste Beurteilung handelt. Ob das Projekt tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt von den endgültigen Genehmigungsverfahren und -bedingungen ab.

Begrenzte Wasserentnahme geplant

Nach den aktuellen Plänen sollen maximal 250.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr entnommen werden, außerhalb der Periode, in der Schmelzwasser den See auffüllt. Der Wasserspiegel würde dadurch um etwa vier Meter sinken. Ein minimaler Abfluss in Richtung Rettenbach bleibt verpflichtend. Wichtiges Detail: Laut Glaziologen steht der See nicht mehr in direkter Verbindung mit aktivem Gletschereis. Die vorhandenen Eisreste werden als sogenanntes „Toteis“ betrachtet. Das war ein entscheidender Punkt, denn eine direkte Kopplung mit dem Gletscher hätte automatisch eine UVP verpflichtend gemacht.

Keine Eile: Umsetzung erst in einigen Jahren

Von einem schnellen Start ist keine Rede. Die Ötztaler Gletscherbahnen sprechen von einem Zeithorizont von maximal drei Jahren. Vorerst geht es vor allem darum, eine Option offenzuhalten, um das Gletscherskigebiet auch in Zukunft betriebsbereit zu halten.

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