Mit Hunderten von Millionen Schweizer Franken soll der San Bernardino in der Schweiz in ein attraktives Vier-Jahreszeiten-Ziel verwandelt werden. Doch hinter dem ehrgeizigen Tourismusprojekt „San Bernardino Swiss Alps“ rumpelt es gewaltig. Kürzlich gab es mehrere Entlassungen in der Geschäftsleitung, und es herrscht auffallendes Schweigen über die Wiedereröffnung des Skigebiets.
Milliardär rettet Bergdorf
Der milliardenschwere Investor Stefano Artioli investiert viel in San Bernardino und wird deshalb auch als „Retter von San Bernardino“ bezeichnet. Das kleine Skigebiet war jahrelang geschlossen, aber seit zwei Wintern ist es dank Artioli, der bereits rund 300 Millionen Schweizer Franken in das Dorf investiert hat, wieder geöffnet. Sein Ziel: ein neues, attraktives Ziel im Stil von Andermatt zu schaffen. Doch die jüngste Umstrukturierung deutet auf einen Richtungswechsel hin. Anstatt voll ins Hotelgeschäft einzusteigen, scheint der Fokus eher auf profitableren (Ferien-)Wohnungen zu liegen. So könnten die Pläne für ein Hotel mit 63 Zimmern zugunsten kleinerer Apartmentkomplexe und Veranstaltungsräume aufgegeben werden.
Mehrere Führungskräfte entlassen
Was letztes Jahr noch eine vielversprechende Wintersportdestination war, bekommt jetzt einen anderen Klang. Vor ein paar Wochen wurden mehrere Schlüsselpersonen bei der übergeordneten San Bernardino Mountain Leisure AG – verantwortlich für das ehrgeizige Projekt „Little Andermatt“ – suspendiert. Eine ungewöhnlich harte Maßnahme für ein Gebiet, das gerade in voller Entwicklung zu sein schien.
Seit Jahren ein beliebtes Ziel
Viele Jahre lang war das Skigebiet San Bernardino ein beliebtes Ziel vor allem für Familien aus der Schweiz und Norditalien. Das Gebiet bot rund 40 Pistenkilometer mit leichten und mittelschweren Abfahrten. Das Gebiet war vor allem wegen seiner ruhigen Atmosphäre, den kurzen Wartezeiten an den Liften und den relativ günstigen Preisen beliebt. Es gab zwei Hauptgebiete: Pian Cales, das sich besonders für Anfänger und Kinder eignet, und Confin, das höher gelegen ist und schwierigere Pisten bietet. Die Infrastruktur war etwas veraltet, aber funktional und wurde in den letzten Jahren nach und nach modernisiert.
Seit 2024 nach 12 Jahren wieder geöffnet
Im letzten Winter waren die Lifte zum ersten Mal wieder in Betrieb und auch San Bernardino war im letzten Winter geöffnet. Die Skilifte waren in Betrieb, die Pisten waren gut präpariert – trotz des geringen Schneefalls – und auch die Langläufer hatten Zugang zu einem Loipennetz. Es gab sogar neue Initiativen wie Après-Ski-Veranstaltungen und Snowtubing, um die Attraktivität des Gebiets zu steigern. Alles schien darauf abzuzielen, den Tourismus nach Jahren der Stagnation wieder anzukurbeln.
Zukunft des Skigebiets ungewiss
Doch die Zukunft des Skigebiets ist jetzt ungewiss. Der Schwerpunkt scheint sich von den traditionellen Wintersportanlagen auf die Entwicklung von Immobilien und Veranstaltungen zu verlagern. Der Hotelplan in der Residenza Albarella hat sich inzwischen in ein flaches Projekt verwandelt, und auch andere Anzeichen – wie das Fehlen konkreter Liftpläne für die Zukunft auf der offiziellen Website – werfen Fragen auf. Für Familien und Wintersportler, die auf einen klassischen Wintersporturlaub hoffen, bleibt also abzuwarten, ob der San Bernardino sein verschneites Erbe bewahren oder sich langsam in ein modernes Bergdorf mit überwiegendem Wohn- und Kulturcharakter verwandeln wird.






