Das Schweizer Lötschental, normalerweise ein ruhiges, aber beliebtes Ziel für Winterwanderer und Skiurlaub mit der Familie, erholt sich gerade von einem katastrophalen Bergsturz, der das Dorf Blatten im Mai weitgehend ausgelöscht hat. Obwohl das Tal wieder geöffnet ist und die Lifte in Betrieb sind, bleiben die Besucher noch immer fern. Aus Respekt vor den betroffenen Einwohnern oder aus Angst, als „Katastrophentouristen“ angesehen zu werden, sind viele Urlauber unsicher, ob ein Aufenthalt angemessen ist. Die örtlichen Unternehmer und die Tourismusbranche hoffen nun auf Solidarität.
Zugang wieder offen, aber Buchungen bleiben aus
Seit Pfingsten ist das Tal wieder geöffnet. Die Lifte laufen, die meisten Wanderwege sind begehbar und auch die Unterkünfte außerhalb des betroffenen Gebietes sind in Betrieb. „Ferien im Lötschental sind möglich und auch sicher“, betont Mathias Fleischmann, Tourismusdirektor der Region. Dennoch bleiben die Buchungen für den Sommer stark zurück. Viele Stammgäste stornieren oder warten ab.
Große Verluste in Blatten
Die Schäden an der touristischen Infrastruktur sind beträchtlich. In Blatten, viele Jahre lang das touristische Herz des Tals, wurden drei Hotels komplett zerstört. Damit hat das Lötschental auf einen Schlag mehr als 80 Prozent seiner Hotelbetten verloren. Vor allem für den Wintertourismus, wo Gruppen und Stammgäste in diesen Unterkünften übernachteten, ist das ein schwerer Schlag.
Emotionale Schwelle und Respekt für die Opfer
Laut Hoteliers trauen sich einige Reisende nicht mehr in das Gebiet, nicht aus Angst um ihre Sicherheit, sondern aus emotionalem Respekt. „Ich habe das Gefühl, die Leute haben Angst, hierherzukommen“, sagte Herbert Bürgisser, Hotelbesitzer. „Der Buchungsstand für den Sommer ist bis jetzt schlecht. Zudem gab es auch Absagen von Gästen, die noch vor dem Bergsturz gebucht hätten. Die Region um Blatten war immer das Herzstück des Sommertourismus im Tal, das ist nun weg“.
Tourismus ist lebenswichtig
Dennoch fordert Fleischmann die Menschen auf, trotzdem zu kommen. „Der Tourismus ist entscheidend für das Überleben des Tals. Jeder Gast hilft uns, uns zu erholen.“ Im Sommer kann ein Teil des Verlustes durch Ferienhäuser aufgefangen werden, aber im Winter bleibt es angespannt. Die Hoffnung ist, dass die gesammelte Loyalität der Gäste sich trotz der sichtbaren Narben in der Landschaft in Rückgaben niederschlagen wird.
Neue Zukunft für das Tal
Trotz allem sieht Fleischmann auch Chancen. „Wir sind gezwungen, uns neu zu erfinden und neue Ideen zu entwickeln. Das bietet auch Chancen.“ Denn jetzt ist klar: Das Lötschental braucht seine Touristen.






