Arosa

„Dating-App“ soll Personalmangel in Schweizer Wintersportorten lösen

Der Winter naht, doch hinter den Kulissen der Wintersportorte herrscht Unruhe. Während sich Skigebiete auf eine geschäftige Saison vorbereiten, kämpfen viele Hotels, Restaurants und Liftbetriebe mit Personalmangel. Es wird erwartet, dass zwischen 5 % und 10 % der Stellen zum Saisonstart in den Schweizer Skigebieten noch unbesetzt bleiben. Die Branche versucht, mit kreativen Lösungen und attraktiven Extras neues Personal anzulocken.

Im Überblick:

  • Schweizer Wintersportorte kämpfen zum Saisonstart mit einem Mangel von 5–10 % an Saisonpersonal.
  • Hotels nutzen kreative Lösungen wie eine „Dating-App“, um Personal zu finden, und bieten zusätzliche Vorteile wie Unterkunft und kürzere Arbeitswochen.
  • Trotz Personalmangels wollen Hotels die Servicequalität aufrechterhalten; die Preise steigen leicht aufgrund höherer Löhne und Rohstoffkosten.

Personalmangel droht zum Saisonstart

Laut Branchenverbänden wird der Personalmangel diesen Winter in der ganzen Schweiz spürbar sein. In Graubünden und im Berner Oberland rechnen Hoteliers mit einem Mangel von etwa 5 %, während im Wallis möglicherweise bis zu 10 % fehlen. „Die Betriebe müssen ihr Angebot anpassen, ohne dass der Gast etwas davon merkt“, sagt Stefan Grossniklaus, Präsident von Hotellerie Berner Oberland. Der Personalmangel betrifft alle Abteilungen, von Housekeeping und Service bis hin zu Köchen und Skiliftmitarbeitern. Dennoch erwartet das Forschungsinstitut BAK Economics erneut einen starken Winter für den Schweizer Tourismus, dank stabiler Buchungen und anhaltend hoher Nachfrage.

Hotellerie greift zu innovativen Mitteln

In Graubünden wird diese Saison ein besonderes Rekrutierungsprojekt gestartet: eine „Dating-App für Hotels“. Ähnlich wie bei Tinder können Jobsuchende Stellenanzeigen liken, woraufhin das „Matchen“ beginnen kann. Rund dreißig Unternehmen nehmen an dem Pilotprojekt teil, darunter Hotels, Bergrestaurants und Skischulen.

Obwohl genügend Bewerbungen eingehen, kommt ein Großteil der Kandidaten aus dem Ausland und ohne die erforderliche Erfahrung oder Sprachkenntnisse. Jugendliche aus Spanien, Argentinien, Deutschland und Frankreich versuchen, eine Saison in der Schweiz zu arbeiten. Besonders für einfache Tätigkeiten hilft das, aber erfahrene Kräfte bleiben rar.

Wohnen: das größte Hindernis

Neben dem Personalmangel ist auch das Wohnungsproblem ein heißes Eisen. In beliebten Tourismusorten sind Saisonwohnungen knapp und sehr teuer. Einige Hoteliers mieten selbst Wohnungen, um ihr Personal unterzubringen. Hotels versuchen, Personal mit zusätzlichen Vorteilen zu locken: kostenlose oder günstige Mahlzeiten, Zugang zu Wellness oder Fitness, eine Fünf-Tage-Arbeitswoche und feste Arbeitszeiten.

Angebot angepasst!

Da viele Hotels nicht mit voller Auslastung betrieben werden können, passen sie ihr Angebot clever an. Weniger Gerichte auf der Speisekarte, kürzere Öffnungszeiten oder gemeinsame Abendessen mit Partnerhotels sollen den Druck mindern. Davon werden die Gäste nichts oder nur wenig merken. Besonders um Weihnachten und Neujahr, traditionell die geschäftigsten Wochen des Jahres, versuchen Hotels, zusätzliche Hilfskräfte aus dem Dorf einzusetzen, um Spitzenzeiten abzufangen.

Lohnerhöhungen und Preisdruck

Der Kampf um Personal treibt auch die Löhne in die Höhe. Erfahrene Köche oder Rezeptionisten können mit 10 % höheren Gehältern als in den Vorjahren rechnen. Gleichzeitig steigen die Lebensmittelpreise. Im Berner Oberland bleiben die Zimmerpreise voraussichtlich stabil, aber im Wallis und in Graubünden werden leichte Preissteigerungen von 2 % bis 5 % erwartet.

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