Was ist ein Lawinenrucksack?

Ein Lawinenrucksack ist ein spezieller Rucksack mit einem oder mehreren integrierten Airbags. Gerät man in eine Lawine, löst man einen Griff am Schultergurt aus. Dieser aktiviert eine Druckluftpatrone, die den Airbag innerhalb von Sekunden aufbläst. Das erzeugte große Volumen hilft der Person, an der Schneeoberfläche zu bleiben, und erhöht somit die Überlebenschancen erheblich.

Der Zweck eines Lawinenrucksacks

Die Hauptaufgabe eines Lawinenrucksacks, oft auch Lawinenairbag genannt, ist es, zu verhindern, dass man unter den Schneemassen begraben wird. Er nutzt ein physikalisches Prinzip, das als Inverse Segregation bekannt ist: In einer turbulenten Strömung neigen größere Partikel dazu, an die Oberfläche zu steigen. Indem das Rucksacksystem das Volumen des Körpers vergrößert, hilft es ihm, nach oben zu „schwimmen“.

Wie ein Lawinenrucksack funktioniert

Gerät man in eine Lawine, zieht man den Auslösegriff am Schultergurt. Dieser aktiviert eine Druckluftpatrone im Rucksack, die den/die Airbag(s) innerhalb kürzester Zeit mit Luft füllt. Das dadurch entstehende große Volumen erhöht die Wahrscheinlichkeit, an der Oberfläche zu bleiben und nicht verschüttet zu werden.

Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass ein Lawinenrucksack keine hundertprozentige Überlebensgarantie bietet. Je nach Lawinentyp und Gelände (z.B. in einer tiefen Spalte oder bei einem Aufprall auf Hindernisse) kann man trotzdem verschüttet werden. Aber auch in diesem Fall bietet der Airbag-Rucksack einen größeren Atemraum und erhöht die Überlebenschancen.

Skitouren mit einem Lawinenrucksack
Geh beim Skitourengehen nie ohne Lawinenrucksack los!

Technische Aspekte Lawinenrucksack

Beim Kauf eines Lawinenrucksacks hast du die Wahl zwischen einem Komplettsystem oder einem Rucksack, in den ein Airbagsystem nachgerüstet werden kann. Die wichtigsten Komponenten sind:

  • Druckluftpatrone: Oft aus Stahl oder leichtem Carbon gefertigt, füllt sie den Airbag mit komprimierter Luft. Nach der Aktivierung muss die Patrone ausgetauscht werden.
  • Airbags: Die Ballons blasen sich seitlich oder hinter dem Kopf auf. Bekannte Marken wie ABS, BCA und Mammut haben hierfür verschiedene Systeme entwickelt.
  • Auslösegriff: Der Griff löst die Druckluftpatrone aus. Er kann oft für Links- oder Rechtshänder angepasst werden.
So sieht es aus, wenn die Airbags aufgeblasen sind. (© EVOC)

Verschiedene Typen

Es gibt mehrere Arten von Lawinenrucksäcken auf dem Markt. Die bekanntesten sind von den Marken ABS, BCA und Mammut. Alle drei Marken bieten Rucksäcke von guter Qualität an. Das Wichtigste ist, dass der Rucksack gut zu dir passt.

Wartung von Lawinenrucksäcken

  • Lagere den Rucksack mit fest eingeschraubter Patrone, aber gelöstem Auslösegriff.
  • Teste das System vor der Saison, indem du es zur Probe auslöst (mit oder ohne Patrone). So weißt du, was dich im Ernstfall erwartet.
  • Ein Lawinenrucksack ist eine teure Anschaffung. Verwende ihn am besten nur für den Off-Piste-Einsatz.

Übung vor dem Gebrauch

Wenn du einen Lawinenrucksack zum ersten Mal benutzt, mache dich zu Hause mit dem System vertraut. Übe das Ziehen des Auslösegriffs, bis du genau weißt, wie viel Kraft dafür nötig ist und wie sich das Auslösen anfühlt. Lasse den Airbag einmal probeweise aufblasen, um zu sehen, wie er sich entfaltet. Im Ernstfall zählt jede Sekunde.

Im Inneren des Lawinenrucksacks
Hier kannst du das Innere eines Lawinenrucksacks sehen (Foto: © Evoc)

Wichtig zu wissen

Statistiken belegen die Wirksamkeit von Lawinenrucksäcken: Die Überlebenswahrscheinlichkeit steigt bei ihrer Benutzung deutlich. Doch er ist ein Hilfsmittel, kein Garantieschein. Er ersetzt weder die korrekte Ausrüstung noch das nötige Wissen.

Lawinenrucksack: Teil der Lawinenausrüstung

Wer abseits der Piste unterwegs ist, sollte die richtige Lawinenausrüstung haben. Zu dieser Ausrüstung gehört nicht nur ein Lawinenrucksack, sondern auch ein:

Lawinenausrüstung: Lawinenschaufel, Lawinensonde und Lawinenverschüttetensuchgerät

Geh nicht unvorbereitet raus

Unabhängig davon, ob du Skifahren, Snowboarden oder Schneeschuhwandern gehst: Vorbereitung ist alles.

  • Nimm niemals unnötige Risiken in Kauf.
  • Informiere dich über den Lawinenlagebericht.
  • Absolviere einen Lawinenkurs, um das nötige Wissen zu erwerben.
  • Gehe nie allein und am besten immer mit einem erfahrenen Bergführer.

Behandle den Berg mit Respekt. Deine Sicherheit und die deiner Begleiter stehen an erster Stelle.

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