Überraschende Wende nach Verkauf von deutschem Skigebiet für 10,4 Millionen €

Gut ein Jahr nach dem Verkauf des Skigebietes am Fichtelberg bei Oberwiesenthal im Erzgebirge (Sachsen) ist noch wenig Sichtbares passiert. Investor Rainer Gläß möchte nun, dass die Stadt über eine gemeinsame Gesellschaft wieder Miteigentümerin wird. Der alte Schlepplift Himmelsleiter macht Platz für eine moderne 6er-Sesselbahn, die planmäßig 2028 in Betrieb gehen soll.

Kurz gefasst

  • Das Skigebiet am Fichtelberg wurde vor gut einem Jahr für 10,4 Millionen € an die Liftgesellschaft Oberwiesenthal (LGO) verkauft.
  • Der veraltete Schlepplift Himmelsleiter wird durch eine 6er-Sesselbahn ersetzt.
  • Investor Gläß bot der Stadt Oberwiesenthal an, gemeinsam eine Gesellschaft zu gründen und so wieder Miteigentümerin zu werden.
  • Die Hauptbauarbeiten an der Himmelsleiter sollen laut Planung am 1. September 2027 beginnen.

Verkauft, aber noch kaum gebaut

Das Skigebiet am Fichtelberg, mit 1215 Metern der höchste Berg Sachsens, gilt als das größte alpine Skigebiet Ostdeutschlands. Vor gut einem Jahr ging es für 10,4 Millionen € an die Liftgesellschaft Oberwiesenthal (LGO) über, hinter der die Unternehmerfamilie Gläß aus Schöneck im Vogtland steht. Der Stadtrat von Oberwiesenthal hatte dem Verkauf bereits im Juni zugestimmt; der Kaufpreis war durch ein externes Gutachten ermittelt worden.

Seitdem ist wenig Sichtbares passiert. Die Hoffnung, dass die LGO mit der Finanzkraft von Software-Millionär Rainer Gläß (67) schnell investieren würde, erfüllte sich vorerst nicht. Der Baustart für eine neue 6er-Sesselbahn war bislang vor allem symbolisch.

Stadt soll wieder Miteigentümerin werden

Statt eines ersten Spatenstichs präsentierte LGO-Geschäftsführer Constantin Gläß (31) am Montag ein Angebot an die Stadt Oberwiesenthal. Es geht um die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, die für das Bauprojekt und die Entwicklung der Infrastruktur verantwortlich sein wird. Damit würde die Stadt laut Gläß wieder „gewissermaßen Miteigentümerin des Skigebietes“ werden.

Das Konzept enthält laut Gläß unter anderem Gutachten zu Fördermitteln und zur Haftung bei Rückforderungen. Welche Rolle und Risiken das Angebot konkret für Oberwiesenthal mit sich bringt, wollte die Familie Gläß nicht näher erläutern.

Investor Rainer Gläß kam eigens nach Oberwiesenthal und sprach vor den anwesenden Stadträten von einem „Jahrhundertprojekt“. „Wir brauchen Strukturen, damit das in einem Mittelgebirge überhaupt funktioniert. Das geht nicht ohne Risiken“, so Gläß. Bürgermeister Jens Benedict (41) ließ sich bei der Übergabe wegen Terminschwierigkeiten entschuldigen.

Schlepplift Himmelsleiter macht Platz für Sesselbahn

Der veraltete Schlepplift Himmelsleiter wird durch eine moderne 6er-Sesselbahn ersetzt. Als das Skigebiet verkauft wurde, war von einer Investition in zweistelliger Millionenhöhe für diese neue Bahn, neue Beschneiungsanlagen und einen Speicherteich für die Beschneiung die Rede.

Trotz des ausbleibenden Schnees wurde der Bau inzwischen formell in Gang gesetzt. „Wir haben den Baustart angemeldet und die ersten vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen“, sagte Constantin Gläß gegenüber der Presseagentur dpa.

Wann du mit der neuen Bahn rechnen kannst

Die Zeit drängt, denn die Baugenehmigung für das Liftprojekt an der Himmelsleiter läuft Ende dieses Jahres ab. Laut Constantin Gläß ist der 1. September 2027 der Stichtag, an dem die Hauptbauarbeiten an der Himmelsleiter beginnen sollen. Der Skibetrieb auf der neuen Bahn soll 2028 starten. Die Stadträte von Oberwiesenthal sollten laut LGO bereits während ihrer Sitzung am Dienstag hinter verschlossenen Türen über die Beteiligung der Stadt beraten.

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