ADAC Winterreifentest 2026: Enorme Unterschiede zwischen 32 getesteten Reifen

Wer mit einem voll beladenen Auto in den Skiurlaub fährt, muss sich auf seine Winterreifen verlassen können. Der Winterreifentest 2026 zeigt jedoch, dass längst nicht jedes Modell ausreichend Sicherheit bietet. Von 32 getesteten Reifen sind 15 nicht zu empfehlen. Besonders auf nasser Fahrbahn sind die Unterschiede enorm. Zu den Siegern gehören Continental, Michelin, Pirelli und Goodyear.

Kurz zusammengefasst

  • Getestet wurden 32 Winterreifen in zwei beliebten Dimensionen
  • 15 Modelle erhalten keine Kaufempfehlung
  • Nur sechs Winterreifen erreichen das Urteil „gut“
  • Die größten Sicherheitsunterschiede zeigen sich auf nasser Fahrbahn
  • Die Testergebnisse gelten in erster Linie für die untersuchten Reifendimensionen

Woher stammt der Winterreifentest?

Der Winterreifentest wird vom ADAC gemeinsam mit mehreren europäischen Verbraucher- und Mobilitätsorganisationen durchgeführt. In Österreich veröffentlicht der ÖAMTC die Ergebnisse, in der Schweiz der TCS und in den Niederlanden der ANWB.

Es handelt sich also nicht um mehrere voneinander unabhängige Tests, sondern um einen umfangreichen europäischen Gemeinschaftstest. Die Reifen werden anonym im freien Handel gekauft. Von jedem Modell werden insgesamt 28 Reifen in mehreren kleinen Bestellungen bei bis zu sechs Händlern beschafft. Dadurch können die Hersteller keine speziell für den Test präparierten Reifen zur Verfügung stellen. Für den Winterreifentest 2026 wurden jeweils 16 Modelle in zwei Dimensionen untersucht:

  • 185/65 R15 T, eine häufig verwendete Größe für Klein- und Kompaktwagen
  • 225/50 R17 V, eine Reifendimension für Fahrzeuge der Mittelklasse

Die Reifen müssen sich auf trockener und nasser Fahrbahn sowie auf Schnee und Eis beweisen. Zusätzlich untersuchen die Tester unter anderem Laufleistung, Abrieb, Kraftstoffverbrauch, Gewicht, Geräuschentwicklung und Nachhaltigkeit.

So entsteht das ADAC-Urteil

Die Fahrsicherheit fließt mit 70% in das Gesamturteil ein. Innerhalb dieses Bereichs zählt die Leistung auf nasser Fahrbahn zu 40%, auf trockener Fahrbahn zu 30% und unter winterlichen Bedingungen ebenfalls zu 30%.

Die Umweltbilanz bestimmt die übrigen 30% des Gesamturteils. Dabei werden Laufleistung, Reifenabrieb, Effizienz, Geräuschentwicklung und Nachhaltigkeit bewertet.

Ein Reifen muss in allen wichtigen Bereichen ein ausreichend ausgewogenes Ergebnis erzielen. Eine gravierende Sicherheitsschwäche kann nicht durch einen niedrigen Kraftstoffverbrauch oder ausgezeichnete Eigenschaften auf Schnee ausgeglichen werden. Deshalb können besonders schlechte Einzelnoten das Gesamturteil nach unten ziehen.

Beim deutschen Bewertungssystem gilt: Je niedriger die Note, desto besser.

ADAC-NoteBewertung
0,6 bis 1,5Sehr gut
1,6 bis 2,5Gut
2,6 bis 3,5Befriedigend
3,6 bis 4,5Ausreichend
4,6 bis 5,5Mangelhaft

Winterreifentest 2026: Ergebnisse 185/65 R15 T

Das allgemeine Niveau in der kleineren Reifendimension fällt enttäuschend aus. Nur zwei der 16 Modelle erhalten das Urteil „gut“. Fünf Reifen werden mit „befriedigend“, sechs mit „ausreichend“ und drei mit „mangelhaft“ bewertet. Damit sind neun Modelle nicht zu empfehlen.

WinterreifenRichtpreisADAC-UrteilFahrsicherheitUnweltbilanz
Continental WinterContact TS 870€ 80,-2,22,02,8
Michelin Alpin 7€ 80,-2,52,32,9
Hankook Winter i*cept RS3€ 63,-3,12,93,4
Linglong Sport Master Winter€ 54,-3,13,13,2
Optimo Winter Touring OW41€ 49,-3,23,13,5
Goodyear UltraGrip Performance 3€ 75,-3,33,43,0
GT Radial WinterPro2 Evo€ 74,-3,53,53,4
Bridgestone Blizzak LM 005€ 73,-3,83,23,8
Nokian Tyres Snowproof 2€ 62,-3,83,83,1
Vredestein Wintrac€ 62,-3,83,83,3
Barum Polaris 6€ 59,-3,83,83,5
Kumho WinterCraft WP52+€ 47,-3,93,93,0
Viking WinTech NewGen€ 61,-3,93,93,6
Sunny Winter-max NW611€ 46,-4,84,82,9
Atlas Polarbear HP€ 60,-5,55,52,7
Rockblade Rock 868S€ 66,-5,55,53,1

Der Continental WinterContact TS 870 gewinnt den Test. Er lässt sich auf trockener Fahrbahn präzise steuern, bietet auf nasser Straße hohe Sicherheitsreserven und überzeugt auch auf Schnee.

Mit der Gesamtnote 2,5 landet der Michelin Alpin 7 auf dem zweiten Platz. Auch dieser Reifen zeigt ein ausgewogenes Fahrverhalten und ist ohne Einschränkungen zu empfehlen.

Überraschend ist das Ergebnis des Rockblade Rock 868S. Auf Schnee erzielt er die beste Leistung des gesamten Testfeldes. Wegen gravierender Schwächen auf trockener und insbesondere auf nasser Fahrbahn landet er trotzdem auf dem letzten Platz.

Geringe Laufleistung bei den kleineren Winterreifen

Kein einziger Reifen der Dimension 185/65 R15 erreicht bei der Umweltbilanz eine gute Bewertung. Die prognostizierte Laufleistung liegt im Durchschnitt bei lediglich rund 31.000 Kilometern.

Auch die beiden Testsieger sind in diesem Bereich keine Spitzenreiter. Für den Continental wird eine Laufleistung von etwa 34.300 Kilometern erwartet, für den Michelin sind es rund 33.100 Kilometer.

Die niedrigste prognostizierte Laufleistung beträgt nur etwa 22.000 Kilometer. Wer viele Kilometer fährt, sollte deshalb neben der Sicherheit auch die erwartete Lebensdauer berücksichtigen.

Winterreifentest 2026: Ergebnisse 225/50 R17 V

In der größeren Dimension fällt das Ergebnis deutlich besser aus. Vier Modelle erhalten das Urteil „gut“, sechs Reifen werden mit „befriedigend“ bewertet. Die übrigen sechs Modelle fallen mit einem „mangelhaft“ durch.

WinterreifenRichtpreisADAC-UrteilFahrsicherheitUnweltbilanz
Pirelli Cinturato Winter 3€ 149,-2,22,12,5
Continental WinterContact TS 870€ 150,-2,32,22,5
Goodyear UltraGrip Performance 3€ 148,-2,42,62,0
Michelin Alpin 7€ 165,-2,52,62,3
Bridgestone Blizzak 6€ 143,-2,62,62,6
Hankook Winter i*cept RS3€ 122,-2,72,62,8
ESA+TECAR Supergrip Pro2Nicht verfügbar2,72,92,2
Dunlop Winter€ 120,-2,93,41,8
Yokohama BluEarth Winter V906€ 98,-3,13,13,1
Vredestein Wintrac Pro+€ 114,-3,13,13,2
Falken Eurowinter HS02 Pro€ 108,-4,84,83,4
Toyo Tires Observe EWS1€ 108,-5,35,32,3
Tracmax Ice-Plus S210€ 68,-5,45,42,9
Aptany RW211€ 61,-5,45,43,1
Royal Black Royalwinter UHP€ 85,-5,55,52,1
Sunwide Snowide€ 116,-5,55,53,1

Der Pirelli Cinturato Winter 3 sichert sich mit der Gesamtnote 2,2 den Testsieg. Er erzielt die beste Fahrsicherheit im Testfeld und überzeugt insbesondere auf nasser Fahrbahn mit kurzen Bremswegen, hohen Aquaplaning-Reserven und präzisem Handling.

Knapp dahinter folgt der Continental WinterContact TS 870 mit der Note 2,3. Auch dieser Reifen bietet ein hohes Sicherheitsniveau und kurze Bremswege auf trockener und nasser Straße.

Der Goodyear UltraGrip Performance 3 punktet mit einer ausgewogenen Leistung und einer guten Umweltbilanz. Der Michelin Alpin 7 erreicht die besten Ergebnisse auf winterlicher Fahrbahn.

Gute Schneeeigenschaften reichen nicht aus

Der Sunwide Snowide erhält auf Schnee die starke Teilnote 1,3 und ist damit der beste Schneereifen seiner Dimension. Trotzdem lautet das Gesamturteil 5,5 und damit „mangelhaft“.

Der Grund dafür sind ein sehr schwammiges Fahrverhalten auf trockener Straße und erhebliche Probleme bei Nässe. Beim gleichzeitigen Lenken und Beschleunigen oder Bremsen verliert der Reifen früh die Kontrolle.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Rockblade Rock 868S in der kleineren Dimension. Gute Schneehaftung macht einen Reifen noch nicht automatisch zu einem sicheren Winterreifen.

Das ist gerade für die Fahrt in den Skiurlaub wichtig. Auf dem Weg nach Österreich, Frankreich, Italien oder in die Schweiz legst du normalerweise deutlich mehr Kilometer auf trockener oder nasser Straße zurück als auf einer geschlossenen Schneedecke.

Große Unterschiede beim Bremsen auf nasser Straße

Beim Bremsen aus 80 km/h benötigen Continental und Pirelli in der größeren Reifendimension rund 35 Meter bis zum Stillstand. Der Sunwide Snowide braucht beinahe zwölf Meter mehr. An der Stelle, an der das Testfahrzeug mit den besten Reifen bereits steht, fährt es mit dem Sunwide noch etwa 40 km/h schnell.

Zwölf Meter entsprechen ungefähr drei Fahrzeuglängen. Im Ernstfall kann dieser Unterschied darüber entscheiden, ob du rechtzeitig zum Stehen kommst oder mit hoher Geschwindigkeit auf ein Hindernis auffährst.

Auch bei den kleineren Reifen sind die Unterschiede enorm. Beim gleichen Bremsversuch fährt das Testfahrzeug mit Sunny, Atlas und Rockblade noch zwischen 38 und 47 km/h, wenn es mit dem besten Reifen bereits zum Stillstand gekommen ist.

Günstige Winterreifen fallen häufig durch

Von den elf getesteten Budgetreifen in beiden Dimensionen erhalten sieben ein schlechtes Urteil. Ein weiteres Modell wird nur mit „ausreichend“ bewertet. Lediglich drei Budgetmodelle schaffen eine befriedigende Gesamtnote.

Doch auch ein bekannter Markenname garantiert kein gutes Ergebnis. So fallen in der größeren Dimension unter anderem der Falken Eurowinter HS02 Pro und der Toyo Tires Observe EWS1 durch.

Auf der anderen Seite landen bei den kleineren Reifen der Linglong Sport Master Winter und der Optimo Winter Touring OW41 vor mehreren deutlich bekannteren Marken. Entscheidend ist deshalb immer das Testergebnis des jeweiligen Modells in der benötigten Dimension.

Unbedingt die richtige Reifendimension beachten

Die Testergebnisse gelten in erster Linie für die untersuchte Reifendimension. Dasselbe Reifenmodell kann in einer anderen Größe abweichende Eigenschaften besitzen.

Laut ADAC lassen sich Ergebnisse eingeschränkt übertragen, wenn die Reifenbreite höchstens um 10 Millimeter und das Höhenverhältnis maximal um fünf Prozentpunkte abweicht. Felgendurchmesser und Bauart müssen identisch sein. Auch der Geschwindigkeitsindex und die Lastklasse sind zu beachten.

Die für dein Fahrzeug zugelassene Reifendimension findest du auf dem montierten Reifen, in der Zulassungsbescheinigung Teil I oder im CoC-Dokument.

Bei den Preisen in den Tabellen handelt es sich um deutsche Richtpreise pro Reifen zum Zeitpunkt des Tests. Der tatsächliche Verkaufspreis kann je nach Händler, Dimension und Kaufzeitpunkt abweichen.

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